20. Jahrestagung des EbM-Netzwerks 2019
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Postersession 2 / Patienteninformation und -empowerment

Moderatoren: Albrecht, Martina, Dr. (Stiftung Gesundheitswissen, Berlin, Deutschland)
 
Shortcut: P-EG02
Datum: Freitag, 22. März 2019, 14:30
Raum: Foyer EG
Sessiontyp: Poster

Patienteninformation und -empowerment

Abstract

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P-EG02-01

Analyse und Modellierung von Entscheidungsbäumen als Grundlage für die Erstellung evidenzbasierter Entscheidungshilfen (#91)

M. Dück1, T. Schoßau1, M. L. Oeppert1, T. Schrader1, D. Andrzejewski1, E. Beck1

1 Technische Hochschule Brandenburg, FAchbereich Informatik und Medien, Brandenburg, Brandenburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Grundlage für die Erstellung evidenzbasierter Entscheidungshilfen insbesondere bei komplexen Behandlungsprozessen ist die Kenntnis und Analyse der im Behandlungsprozess auftretenden Entscheidungsknoten bzw. der sich daraus ergebenden Entscheidungskonflikte. Ziel unseres Pilotprojekts war es zu überprüfen ob aktuell verfügbare Leitlinien geeignet sind ausreichend detaillierte und im Sinne der erforderlichen Entscheidungsparameter valide Algorithmen zu modellieren.

Methoden

Hierzu wurden beispielhaft die Behandlungspfade zur Brustrekonstruktion nach Mastektomie[1] sowie zur Indikationstellung einer Kniegelenksendoprothese[2] mit der Business Process Modell and Notation (BPMN) modelliert.

 

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Im Ergebnis zeigte sich, dass auf der Grundlage der relativ eindeutig formulierten Entscheidungsregeln der S3-Leitlinie zum Mammakarzinom ein klares Modell der Entscheidungshierarchie und damit alle entscheidungsrelevanten Knoten modelliert und beschrieben werden konnten. Im Gegensatz dazu gelang dies bei der S2k Leitlinie zur Kniendoprothese in weit geringerem Maße. Dies lag vor allem an den in der Leitlinie nur sehr wenig präzise formulierten Haupt- und Nebenkriterien für die Indikationsstellung.  Damit konnten weder eindeutige Entscheidungsregeln im Sinne von „wenn - dann“ Beziehungen noch eine klare hierarchische Gliederung der Entscheidungsregeln abgeleitet werden.

Es ist somit möglich mit Hilfe der BPMN dezidierte Entscheidungsbäume zu modellieren, deren Qualität jedoch entscheidend von der Entwicklungsstufe der jeweiligen Leitlinie abzuhängen scheint. Angemerkt werden muss jedoch, dass die BPMN-Modelle sehr schnell auf Grund ihrer rasch zunehmenden Komplexität für den Nutzer unübersichtlich werden. Dies kann jedoch, wie wir an anderer Stelle gezeigt haben [3], durch die Einbindung der Decision Modelling Notation und der damit nutzbaren Entscheidungsmatrizen umgangen werden.

Andererseits kann die ausführliche Modellierung von Entscheidungsbäumen, neben der Analyse des tatsächlichen Informationsbedarfs für die Betroffenen,  auch als Grundlage für die Entwicklung interaktiver Informationssysteme genutzt werden, die es sowohl dem medizinischen Fachpersonal wie auch den Patientinnen und Patienten erlaubt sich schnell und effizient durch das System zu navigieren und damit die für sie jeweils relevante Information rasch und zuverlässig aufzufinden.

Literaturangaben

[1] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms

[2] EKIT-Knie, S2k-LL Indikation Knieendoprothese

[3] D. Andrzejewski, L- Teztlaff, J.DeBoer, E. Bck, N. Hausler. The transparent representation of medical decision structures based an the example of breast cancer treatment

Interessenskonflikte

es bestehen keine Interessenkonflikte

Stichwörter: BPMN, evidenzbasierte Entscheidungshilfen, Prozessmodellierung
P-EG02-02

Risikokommunikation für Patienten mit KHK und Statintherapie - eine Analyse deutschsprachiger Patienteninformationen (#135)

K. Goerke1, S. Schwarz1, C. Schaefer1

1 Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Statine werden bei KHK zur Sekundärprävention empfohlen. Grundlage ist eine in großen Metaanalysen von RCT belegte Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen und Gesamtmortalität[1]. Gleichwohl ist dieser Effekt überschaubar.Für eine informierte Entscheidung fordern nationale Standards[2] die Kommunikation absoluter Risikomaße. Die alleinige Kommunikation von Zahlen macht aber keine gute Information aus. Die Zahlen müssen auf bewerteten Quellen aus systematischer Recherche beruhen und angemessene Endpunkte kommunizieren. Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und wenn ja, auf welcher Grundlage deutschsprachige Patienteninformationsangebote den Nutzen einer Statintherapie kommunizieren. 

Methoden

Für die Internetrecherche nach Informationsangeboten wurden 5 Schlagwörter im Vorfeld festgelegt. Die jeweils ersten 50 Google-Treffer pro Suchbegriff wurden nach festgelegten Einschlusskriterien gelesen und schließlich extrahiert. Eingeschlossen wurden deutschsprachige Patienteninformationen zur Statintherapie bei manifester KHK. Ausgeschlossen wurden Zeitungsbeiträge, Informationen an Ärzte, Informationen zu Statinen in der Primärprävention oder ohne Angaben zu Effektmaßen. Es wurden Angaben extrahiert und deskriptiv ausgewertet zu: Risikomaßen und Endpunkten, zugrundeliegender Evidenz sowie Dokumentation der Methode.

Ergebnisse

Es wurden 11 Informationsangebote zur Statintherapie bei KHK identifiziert, die Risikomaße darstellen. Von diesen berichteten 3 (27%) absolute Effektmaße. 8 (72%) gaben Quellen an, auf denen die Information beruhte, aber nur 1 (9%) traf Aussagen zur Evidenzgüte und dokumentierte die Methodik. Bei den 3 Informationen, die absolute Effekte kommunizierten, waren die Angaben heterogen: Bezüglich des Nutzens variierte die ARR zwischen 1,5% und 10%, teils wurden Effekte in Bezug auf Kompositendpunkte kommuniziert und es wurden unterschiedlich valide Quellen zum Beleg für diese Effekte herangezogen.

Schlussfolgerungen

Nur 3 Informationsangebote gaben überhaupt absolute Risikomaße zur Statintherapie an. Diese lieferten graduell unterschiedliche Angaben zum Nutzen, zogen teils andere Quellen heran und kommunizierten verschiedene Endpunkte, welche die Varianz erklären. Vor diesem Hintergrund wäre zu diskutieren, ob abweichende Angaben unterschiedlicher Anbieter Nutzer potenziell eher verwirren und das Vertrauen in die Informationsangebote beeinträchtigen. Eine Abstimmung der Ersteller verlässlicher Informationen bezüglich zu kommunizierender Endpunkte könnte zu mehr Konsistenz beitragen.

Literaturangaben

[1] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK – Langfassung, 5. Auflage. Konsultationsfassung. 2018 [cited: 2018-10-25]. www.khk.versorgungsleitlinien.de.

[2] Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Gute Praxis Gesundheitsinformation. Berlin: 2015. [cited 2018-10-25] www.ebm-netzwerk.de/gpgi

Interessenskonflikte

Die Autoren geben keine finanziellen Interessenkonflikte an.

 

Stichwörter: Statintherapie, Risikokommunikation, Patienteninformation
P-EG02-03

Die Herausforderung: präferenzsensitive Entscheidungen im Krankenhaus (#47)

M. Danner1, L. Kruse2, S. Greven2, F. Geiger2, F. Scheibler1, K. Wehkamp3

1 UKSH, Sonderprojekt SDM, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 UKSH, Sonderprojekt SDM, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland
3 UKSH, Klinik für Innere Medizin l, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das vom Innovationsfonds geförderte Projekt „Making SDM a Reality“ soll exemplarisch am Universitätsklinikum Schleswig Holstein, Campus Kiel aufzeigen, wie die Vollimplementierung von Shared Decision Making (SDM) in einem Krankenhaus gelingen kann. Die Implementierung umfasst Ärzte-/Pflegeschulungen, die Anleitung für Patienten (3-Fragen-Methode) sowie die Entwicklung und Bereitstellung von Entscheidungshilfen. In 27 Kliniken werden in den kommenden 3 Jahren 83 evidenzbasierte Entscheidungshilfen von Klinikern, Patienten und Forschern thematisch festgelegt und entwickelt. Der Beitrag zielt darauf ab, die Identifizierung von präferenzsensitiven Themen für Entscheidungshilfen im Krankenhaus und die resultierenden Herausforderungen zu skizzieren.

Methoden

Grundlage der Erarbeitung präferenzbasierter Entscheidungshilfen ist ein Rollenkonzept, das die Expertise und Hierarchien der Klinikärzte mit den für die verschiedenen Entwicklungsschritte verantwortichen Projektmitarbeitern zusammenbringt. Von den Klinikärzten werden mögliche Indikationsfelder im Behandlungsspektrum der jeweiligen Klinik bzw. teils auch klinikübergreifend identifiziert. Nachfolgend wird die generelle Relevanz des Themas (Häufigkeit, Kosten etc.) und die patientenbezogene Präferenzsensitivität durch Projektmitarbeiter geprüft. Sechs bis acht Patienten pro Thema werden in leitfadengestützten Einzelinterviews (Needs Assessments) zu Ihren Einschätzungen, Fragen und Präferenzen befragt. Auf Basis der gesammelten Ergebnisse wird gemeinsam mit den ärztllichen Experten entschieden, ob ein Thema für die Erstellung einer Entscheidungshilfe geeignet ist. Die weitere Entwicklung der Entscheidungshilfen erfolgt in enger Rückkopplung zwischen Projektteam, klinischen Experten und Patienten.

Ergebnisse

Bislang wurden 5 Kliniken einbezogen und 20 Themen für Entscheidungshilfen identifiziert. Es wurden 55 Needs Assessments mit Patienten durchgeführt. Es herrscht eine hohe Bereitschaft von Ärzten und Patienten sich an dem Entwicklungsprozess zu beteiligen. Die hohe Arbeitsbelastung der Ärzte stellt allerdings eine Herausforderung dar. Alle ausgewählten Themen hatten eine hohe Präferenzsensitivität und die Patienten erachten ihre Beteiligung an der Entscheidung als wichtig. Die ersten Entscheidungshilfen wurden fertiggestellt und erfolgreich konsentiert. 

Schlussfolgerungen

Mithilfe des dargestellten Entwicklungsprozesses gelingt es präferenzsensitive Indikationsbereiche zu identifizieren und passende Entscheidungshilfen zu erstellen.

Interessenskonflikte

keine

Stichwörter: SDM, Entscheidungshilfe
P-EG02-04

Patient Experiences of Multiple Sclerosis (PExMS) - Development of a Website with Patient Experiences of Multiple Sclerosis Therapies (#136)

A. Barabasch1, K. Riemann-Lorenz1, N. J. Pohonsch2, C. Kofahl3, J. Scheiderbauer4, D. Eklund4, S. Schmidt5, S. Arnade6, C. Dettmers8, R. Schmitt8, I. Kleiter7, A. C. Rahn1, C. Heesen1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Hamburg, Hamburg, Germany
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin , Hamburg, Hamburg, Germany
3 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie , Hamburg, Hamburg, Germany
4 MS-Stiftung Trier, Trier, Rhineland-Palatinate, Germany
5 Gesundheitszentrum St. Johannes Hospital, Bonn, North Rhine-Westphalia, Germany
6 LEBENSNERV - Stiftung zur Förderung der psychosomatischen MS-Forschung, Berlin, Berlin, Germany
7 Marianne-Strauß-Klinik, Berg, Bavaria, Germany
8 Kliniken Schmieder Konstanz, Konstanz, Baden-Württemberg, Germany

Hintergrund/Fragestellung

A variety of therapeutic options (e.g. immunotherapies, lifestyle interventions and rehabilitation) are available for relapsing-remitting multiple sclerosis (RRMS). Besides coping with the diagnosis of multiple sclerosis (MS), patients have complex decisions to make (e.g. for or against a therapy). In addition to factual information, patient experiences (PEx) may support other patients in this decision-making. However, using PEx is controversial because they appear to be randomly generated, situation-related, possible inaccurate with respect to scientific evidence.  For this purpose, systematic methods are necessary in order to obtain and analyse PEx. As there are no evaluated PEx for MS in Germany, we aim to create a website presenting PEx structured according to topics and illustrated by video, audio and text files. In a controlled study, we wish to evaluate whether PEx may help patients in their decision-making process for or against a disease modifying therapy (DMT).

Methoden

A qualitative interview study is conducted with 50 persons with RRMS in Germany using maximum variation sampling. Interviews are based on a problem-centred interview guide, which was developed in assistance of a 6-members advisory panel (representatives of MS patients, researchers and neurologists). Data are analysed thematically according to Braun and Clarke using deductive and inductive categories.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Until now 34 interviews have been conducted with 23 women and 11 men (RRMS=79.4 %, Secondary-Progressive MS=17.6%, unclear=2.9%, median age=48 years (min.=23, max.= 61)). Patients experienced at least one of the approved DMTs. 24 patients had been treated with at least one of the approved DMTs. The other 10 patients had made use of alternative therapies (e.g. cannabis, homeopathy). All patients had been involved in different types of lifestyle interventions (e.g. exercise and sports, relaxation and stress management, nutrition) and/or rehabilitation. Main themes were MS diagnosis, stigma, MS in everyday life and different therapeutic strategies. After completion, a website with PEx will be created which might facilitate the decision-making process for or against a DMT. In a pilot randomised controlled trial outcomes of the PExMS website such as knowledge, affective forecasting, and decision preparation will be measured.

Interessenskonflikte

Funding by Roche Pharma AG

Stichwörter: Personal stories, patient experiences, multiple sclerosis, decision making, experiential information
P-EG02-05

Interaktive Webplattform zum EmPOWERment bei Multipler Sklerose (POWER@MS) – Eine randomisiert kontrollierte Studie mit Prozessevaluation zum Einfluss verhaltens- und webbasierter Interventionen auf die entzündliche Krankheitsaktivität bei Erstbetroffenen (#206)

N. Krause1, A. C. Rahn1, S. Köpke2, T. Friede3, A. Icks4, K. Focke5, J. Haas6, M. van de Loo6, K. Riemann-Lorenz1, J. Pöttgen1, J. - P. Stellmann1, S. Gold7, C. Heesen1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Hamburg, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Deutschland
3 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Medizinische Statistik, Göttingen, Deutschland
4 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland
5 BKK Dachverband e.V., Berlin, Deutschland
6 Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V., Hannover, Deutschland
7 Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CBF), Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene betrifft. Verunsicherung und psychischer Stress durch die Diagnose wirken sich möglicherweise negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Zur Belastung der Patienten tragen darüber hinaus die Therapielandschaft mit anhaltenden Neuzulassungen und dadurch entstehende hochkomplexe Entscheidungssituationen bei. Insbesondere Erstbetroffene benötigen daher eine intensive und individuelle Unterstützung zum Umgang mit der Erkrankung und Lebensstilveränderungen, die in der Regelversorgung nicht gegeben ist. Zudem stoßen besonders internetaffine MS Patienten im Netz möglicherweise auf widersprüchliche Informationen. Systematische, geprüfte Patienteninformationen zu Lebensstilinterventionen liegen bisher nicht vor. Diese randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit Prozessevaluation untersucht die Hypothese, dass verhaltens- und webbasierte Informationen zur Immuntherapieentscheidung, Krankheitsbewältigung und Lebensstilaspekten die entzündliche Krankheitsaktivität bei MS reduzieren und Patientenverhalten verändern können.

Methoden

Es wird eine 'Multiphase-Mixed-Methods-Studie' durchgeführt, welche die ersten drei Phasen des Medical Research Council (MRC) Framework abdeckt. Die webbasierte Verhaltensintervention "levidex" wird im Rahmen einer Pilotierung mit Experten und Betroffenen evaluiert und überarbeitet. Anschließend wird sie durch ein RCT evaluiert, an dem 328 Patienten mit MS-Verdacht oder einer nicht länger als ein Jahr gesicherten MS teilnehmen, die noch keine Immuntherapie begonnen haben und mind. zwei MS-typische Läsionen aufweisen. Zudem wird eine mixed-methods Prozessevaluation und eine gesundheitsökonomische Evaluation durchgeführt. Die Teilnehmer werden über 16 deutschlandweite MS-Zentren rekrutiert und in eine Interventionsgruppe mit Zugang zur evidenzbasierten Informationsplattform oder in eine Kontrollgruppe mit einer optimierten Standardversorgung randomisiert. Die Intervention wird die Patienten ein Jahr lang begleiten. Der primäre Endpunkt wird bei Auftreten neuer T2 Läsionen im Kernspin oder von Schüben erreicht.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es wird angenommen, dass Patienten-Empowerment durch eine interaktive, digitale Intervention auf Basis evidenzbasierter Informationen die entzündliche Krankheitsaktivität reduziert und Patientenverhalten verändert.

Stichwörter: Multiple Sklerose, Komplexe Intervention, Lebensstilintervention, Randomisiert kontrollierte Studie, Evidenzbasierte Medizin
P-EG02-06

Evidenzbasierte Handbücher zu Immuntherapieoptionen für MS-Betroffene – ein deutschlandweites Projekt (#197)

A. C. Rahn1, I. Schiffmann1, 3, K. Stürner2, U. Zettl4, C. Heesen1, 3

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS), Hamburg, Hamburg, Deutschland
2 Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Medizinische Fakultät, Klinik für Neurologie, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland
3 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Klinik und Poliklinik für Neurologie, Hamburg, Hamburg, Deutschland
4 Universitätsmedizin Rostock, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Im Auftrag des Kompetenznetzes Multiple Sklerose und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

Hintergrund/Fragestellung

Bei aktuell 17 verschiedenen Therapieoptionen stehen Menschen mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) vor einer komplexen Entscheidung hinsichtlich eines möglichen Beginns oder Wechsels einer Immuntherapie. Ihr Recht auf evidenzbasierte Patienteninformationen als Entscheidungsgrundlage ist rechtlich und ethisch begründet und MS-Betroffene bevorzugen eine aktive Rolle im Entscheidungsprozess. Ziel dieses Gemeinschaftsprojektes des deutschen Kompetenznetzes MS (KKNMS) und der Deutschen MS Gesellschaft (DMSG) ist es, Handbücher zu allen Immuntherapieoptionen für MS-Betroffene zu entwickeln.

Methoden

Die Entwicklung folgt in Anlehnung and die Kriterien zur Erstellung evidenzbasierter Gesundheitsinformationen und das erste Handbuch zum Medikament Tecfidera® dient als Vorlage. Jedes Handbuch besteht aus einer Einführung, Informationen zur Risikoreduktion von Schüben und Behinderungszunahme, Kernspin-Ergebnissen, Nebenwirkungen und Therapie-Monitoring. Die Informationen werden durch eine Faktenbox zusammengefasst und es gibt eine Übersicht der Behandlungsmöglichkeiten. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit Betroffenen, Autoren des entsprechenden Ärztehandbuchs, den Vorständen des KKNMS und der DMSG, dem Bundesbeirat MS-Erkrankter und dem jeweiligen Pharmaunternehmen. Zuvor entwickelte Grafiken zur absoluten Risikoreduktion (ARR) wurden modifiziert und zusammen mit neu entwickelten Grafiken zur relativen Risikoreduktion (RRR) und zu Nebenwirkungen pilotiert. Zwei Fokusgruppen wurden zur Untersuchung der Machbarkeit durchgeführt.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Das Feedback der MS-Betroffenen (n=29) führte zu einer Farbänderung der ARR-Grafik und die Grafiken zu RRR und Nebenwirkungen wurden mehrfach überarbeitet. Teilnehmer einer Fokusgruppen mit Neurologen (n=5) empfanden die Informationen als zu umfangreich und zu komplex. Andererseits fanden die Teilnehmer der Betroffenen-Fokusgruppe (n=3) das Handbuch zu Tecfidera® umfassend und hilfreich für eine Entscheidungsfindung. Inzwischen sind 4 Handbücher mit einem Evaluationsbogen für Betroffene im Umlauf. Darüber hinaus erhalten Neurologen einen Evaluationsbogen.

Die Handbücher könnten MS-Betroffene dabei unterstützen, fundierte Therapie-Entscheidungen nach persönlichen Präferenzen zu treffen. Die laufende Evaluation der ersten 4 Handbücher wird Daten zur Akzeptanz und Verständlichkeit liefern. Derzeitig werden die nächsten 4 Handbücher erstellt.

Stichwörter: Evidenzbasierte Medizin, Evidenzbasierte Patienteninformation, Multiple Sklerose
P-EG02-07

Multiple Sklerose und Kinderwunsch – eine Mixed-Methods-Studie zur Entwicklung und Pilotierung einer Entscheidungshilfe und eines Decision Coaching Programms (#214)

C. Festner1, S. Gold2, S. Köpke3, K. Hellwig4, C. Heesen5, A. C. Rahn6

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Hamburg, Hamburg, Deutschland
2 Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CBF), Berlin, Berlin, Deutschland
3 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
4 St. Joseph Hospital, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Neurologie, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
5 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Hamburg, Hamburg, Deutschland
6 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Hamburg, Hamburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung von der insbesondere Frauen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind.

Das Thema Schwangerschaft ist für Frauen mit MS entsprechend häufig von hoher Bedeutung. Jedoch sind Missverständnisse, Fehlinformationen und Unsicherheiten zu MS und Schwangerschaft sowohl auf der Seite der Patientinnen als auch auf professioneller Seite verbreitet.

Für eine durchdachte, informierte Entscheidung der Patienten stellt die evidenzbasierte Patienteninformation (EBPI) eine essentielle Grundlage dar und ermöglicht u.a. in Therapiefragen eine gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making, SDM) von Arzt und Patient. Durch geschultes Gesundheitspersonal kann im Rahmen eines Coachings eine Entscheidung vorbereitet werden. Eine australische Studie zeigte bereits vor 10 Jahren, dass eine Entscheidungshilfe das Wissen erhöht und den Entscheidungskonflikt der Frauen mit MS und Kinderwunsch senkt.


Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Pilotierung eines webbasierten Decision Support Tools (DST) und eines Decision Coaching Programms (DCP) als Entscheidungsunterstützung für Frauen mit MS und einem möglichen Kinderwunsch.

Methoden

Die Mixed-Methods-Studie folgt dem Konzept zur Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen. Zunächst erfolgen Interviews mit Frauen mit MS und Experten, um Fragebögen zur Erhebung des Wissensstands und der Einstellung zu entwickeln, die in zwei Surveys pilotiert und validiert werden. Eine webbasierte EBPI wird auf Basis von systematischen Literaturrecherchen entwickelt und um eine Entscheidungshilfe (DST) bzw. ein Coaching (DCP) ergänzt. Die Entwicklung des Decision Coach Trainings für MS-Nurses erfolgt auf Basis von Vorstudien. Bei der qualitativen Machbarkeitstestung wird sowohl die Praktikabilität als auch die Akzeptanz der Inhalte mit ausgewählten MS-Nurses, Ärzten, Betroffenenexperten und Frauen mit MS geprüft. Beide Interventionen werden dann in einer multizentrischen, nicht-randomisierten Pilotstudie mit Prozessevaluation evaluiert. Als Schlüsselendpunkt wird explorativ der Entscheidungskonflikt erhoben und die SDM Kompetenz der Coaches mittels MAPPIN’SDM analysiert.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Auf Basis der Ergebnisse kann entschieden werden, welcher Ansatz (DST oder DCP) lohnender ist oder ob beide Ansätze weiterverfolgt werden sollten. Um den Nutzen zu evaluieren, könnte eine randomisiert kontrollierte Studie folgen.

Stichwörter: Multiple Sklerose, Schwangerschaft, Evidenzbasierte Medizin, Evidenzbasierte Patienteninformation, komplexe Interventionen
P-EG02-08

Entwicklung und Evaluation einer interaktiven Webplattform zum Schubmanagement bei Multipler Sklerose (ABouts) – eine randomisiert kontrollierte Studie (RCT) mit begleitender Mixed-Methods Prozessevaluation (#205)

R. Kursawe1, J. Peper2, J. Scheiderbauer3, A. Icks4, J. Haas5, K. Focke6, T. Friede7, C. Heesen8, S. Köpke1, A. Rahn2

1 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin, Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Gesundheitswissenschaften, Universität Hamburg und Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple Sklerose Forschung, Hamburg, Deutschland
3 MS-Stiftung Trier, Trier, Deutschland
4 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
5 DMSG, Bundesverband e.V., Hannover, Deutschland
6 BKK Dachverband e.V., Berlin, Deutschland
7 Universitätsmedizin Göttingen, Düsseldorf, Deutschland
8 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Neurologie, Universitätsklinikum Eppendorf und Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple Sklerose Forschung, Hamburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems und eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. MS verläuft bei circa 85% der Betroffenen erst in Schüben. Zur Therapie akuter Schübe wird in Deutschland eine intravenöse (i.v.) z.T. stationäre Stoßtherapie mit hochdosiertem Kortison empfohlen. Da die Therapie nur bei einem Teil der Betroffenen kurzfristig zu einem schnelleren Rückgang der Symptome führt, jedoch langfristig kein Nutzen belegt ist, benötigt es eine informierte Entscheidung zum Schubmanagement. Eine eigene randomisiert kontrollierte Studie (RCT) hat gezeigt, dass eine evidenzbasierte Patienteninformation (EBPI) und Schulung zum Schubmanagement zu deutlich mehr informierten Entscheidungen und weniger i.v. Kortisontherapien führt. Zur flächendeckenden Implementierung wird mit ABouts ein webbasiertes Schubprogramm entwickelt und evaluiert.

Ist ein web- und evidenzbasiertes Informations- und Schulungsprogramm im Versorgungsalltag einsetzbar und führt es zu einem autonomen Umgang mit Schüben?

Methoden

Zur Entwicklung und Evaluation dieser komplexen Intervention wird eine Multiphase-Mixed-Methods-Study durchgeführt, welche die ersten drei Phasen des Medical Research Council Framework adressiert. Die Intervention wird auf Basis des evaluierten Programms und systematischer Literaturrecherche entwickelt und die Machbarkeit wird mit Experten und MS-Betroffenen getestet. Dann erfolgt die Evaluation durch eine RCT mit 188 Betroffenen mit aktiver schubförmiger MS. Die Rekrutierung erfolgt in 4 Bundesländern. Teilnehmer der Interventionsgruppe nehmen an dem interaktiven Online-Schulungsprogramm zum Schubmanagement teil. Dieses besteht aus drei Abschnitten im Dialogstil: geleitete Onlineschulung, EBPI mit Entscheidungshilfe und Diskussionsforum. Teilnehmer der Kontrollgruppe erhalten als Kontrollintervention eine ebenfalls webbasierte optimierte Standardversorgung. Die RCT wird von einer mixed-methods Prozessevaluation und einer gesundheitsökomischen Evaluation begleitet.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es wird erwartet, dass sich durch das Programm mehr Betroffene für eine orale statt einer i.v. Therapie entscheiden oder verzichten und die Autonomie und Partizipation der Betroffenen gestärkt wird. Ähnliche Plattformen könnten dann z.B. für rheumatische Erkrankungen oder chronische Infektionserkrankungen entwickelt werden.

Stichwörter: Multiple Sklerose, Schubmanagement, interaktive Webplattform, Patientenautonomie, Randomisiert kontrollierte Studie
P-EG02-09

iKNOW – Entwicklung und Evaluation eines online-gestützten Beratungstools für BRCA1/2-Mutationsträgerinnen (#231)

G. Rauwolf1, D. Speiser2, F. Kendel3, C. Hilger3, M. Heibges1, L. Besch2, M. Feufel1

1 Technische Universität Berlin, Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft, Berlin, Deutschland
2 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum, Berlin, Deutschland
3 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Psychologie, Berlin, Deutschland

Kollaboration

Hintergrund/Fragestellung

Hintergrund & Fragestellung: Frauen mit einer BRCA1/2-Genmutation haben ein stark erhöhtes Risiko an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Die Beratung der Betroffenen stellt Ärzt*innen und Ratsuchende vor Herausforderungen: Ärzt*innen müssen mit der schnell wachsenden Evidenz Schritt halten und komplexe Informationen verständlich vermitteln. Ratsuchende müssen ihr Erkrankungsrisiko und entsprechende Handlungsoptionen verstehen, um schwerwiegende Entscheidungen informiert treffen zu können.

Zielsetzung: Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines online-gestützten Beratungstools. Ärzt*innen sollen in ihrem Bemühen um eine standardisierte und an aktueller Evidenz orientierten Beratung strukturell unterstützt werden. Sie können das online-gestützte Beratungstool gezielt zu einer anschaulichen Risikokommunikation und Beratung, z.B. zu prophylaktischen Operationen und intensivierter Früherkennung, nutzen. Dabei können sie auf erklärende Grafiken und Illustrationen zurückgreifen. Das Beratungstool wird an die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der Ratsuchenden angepasst, auch persönliche Einstellungen der Ratsuchenden werden berücksichtigt. Die Beratungsinhalte sollen nach der Beratungssitzung zugänglich bleiben. Den Ratsuchenden werden zudem Formate bereitgestellt, die sie in ihrer Situation und bei Entscheidungsprozessen unterstützen.

Methoden

Implementierung und Evaluation des Beratungstools: Im Rahmen einer multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Interventionsstudie (N = 200: n = 100 Interventionsgruppe; n = 100 Kontrollgruppe/Standard Care) wird das Beratungstool im klinischen Alltag zu vier Messzeitpunkten (T0: vor der Beratung; T1: unmittelbar nach der Beratung; T2: vier Wochen nach der Beratung; T3: sechs Monate nach der Beratung) evaluiert. Primärer Endpunkt ist das Risikoverständnis der Ratsuchenden, sekundäre Endpunkte sind die Krankheitsangst, die krankheitsunspezifische Angst, die subjektive Risikowahrnehmung, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen und die Nutzerbewertung von Ärzt*innen und Ratsuchenden.

Vorläufige oder erwartete Ergebnisse, Ausblick

Ausblick: Bei einer erfolgreichen Evaluation soll das Beratungstool in die Regelversorgung übernommen und die Inhalte an die aktuelle Evidenz regelmäßig angepasst werden.

Interessenskonflikte

Hinweis: Das interdisziplinäre Projekt iKNOW wird vom Innovationsfond des G-BA gefördert.

Stichwörter: BRCA1/2-Genmutation, Risikokommunikation
P-EG02-10

Behandlungsqualität aus Patientensicht: Was ist Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus dem Formenkreis der Schizophrenie (F2-Diagnose nach ICD-10-GM) für ihre Behandlung wichtig? (#148)

K. Blatt1, A. Dingelstedt1, V. Andorfer1, L. - B. Bakkenbüll1

1 Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), Fachbereich Befragung, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das IQTIG wurde vom G-BA beauftragt, für das QS-Verfahren „Versorgung von volljährigen Patienten und Patientinnen mit Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen“ eine Patientenbefragung zu entwickeln. Hierfür sind patientenrelevante Aspekte der Behandlungsqualität zu identifizieren um damit den Inhalt der Befragung zu bestimmen. Die Patientenperspektive wird dabei explizit berücksichtigt.

Methoden

Zur Identifikation patientenrelevanter Aspekte erfolgte zum einen eine systematische Literaturrecherche von Leitlinien, Pflegestandards, HTAs, Studien zur Über-, Unter-, Fehlversorgung, Integrierten Versorgungsmodellen und Studien zur Patientenperspektive. Zum anderen wurden 8 Fokusgruppen mit Patientinnen und Patienten (n= 48) sowie 6 Fokusgruppen und 12 Einzelinterviews mit Gesundheitsprofessionen (28 Pflegekräfte, 22 FachärztInnen, 4 PsychotherapeutInnen, 1 Soziotherapeutin) durchgeführt. Die Analyse des qualitativen Materials erfolgte in Anlehnung an die zusammenfassende und inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse. Die Eruierung von Themen, die aus Patientenperspektive wichtig sind und von diesen auch beurteilt werden können, bildete das Leitmotiv aller Analysen.

Ergebnisse

Die befragten Patientinnen und Patienten hatten ein sehr hohes Informations- und Erklärungsbedürfnis bezüglich der Erkrankung, Behandlungsoptionen, Therapie und insbesondere der Medikation. Weiterhin besteht bei den Patientinnen und Patienten eine hohe Sensibilität, trotz ihrer Erkrankung als Individuen mit Respekt behandelt zu werden. Dazu gehört auch die Berücksichtigung ihrer Wünsche und Erfahrungen, die in Entscheidungen einbezogen werden sollen (Patientenbeteiligung). Der Übergang in andere Versorgungsformen oder in den Alltag ist mit Herausforderungen verbunden, bei denen Unterstützung wichtig ist (z.B. Entlassvorbereitung, Weiterbehandlung).

Schlussfolgerungen

Vor allem die Fokusgruppen gaben Einblicke in die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus dem Formenkreis der Schizophrenie. Zusammen mit der Literaturrecherche zeigte sich u.a., wie wichtig es ist, welche Rolle den Patientinnen und Patienten in der Behandlung gegeben wird, welche Informationen und Aufklärungsinhalte wie angesprochen werden und wie sich die Behandlungsübergänge gestalten. Die Erkenntnisse bilden eine zentrale Grundlage für die Entwicklung einer Patientenbefragung als Teil eines Qualitätssicherungsverfahrens.

Stichwörter: Patientenperspektive Formenkreis Schizophrenie, Fokusgruppen zur Entwicklung einer Patientenbefragung als Element der externen Qualitätssicherung