20. Jahrestagung des EbM-Netzwerks 2019
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Digitalisierung im Informationsmanagement

Moderatoren: Euler, Ulrike, Dr. (IQTIG, FB Wissensmanagement, Berlin, Deutschland); Follmann, Markus, Dr. (Deutsche Krebsgesellschaft, Berlin, Deutschland)
 
Shortcut: S4-V6
Datum: Samstag, 23. März 2019, 12:30
Raum: Audimax
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

S4-V6-01

Konzept für ein nationales Gesundheitsportal  (#137)

K. Koch1, I. M. Jakobi1

1 IQWiG, Gesundheitsinformation, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Erstellung eines Konzepts für ein „nationales Gesundheitsportal“ beauftragt. Das Portal soll das Potenzial haben, zum zentralen deutschen Internetangebot zu Fragen zur Gesundheit zu werden. Zudem soll es einen Beitrag zur Steigerung der Gesundheitskompetenz leisten. Dem Konzept liegt der Ansatz zugrunde, dass sich die an Evidenz orientierten Anbieter von Informationen auf gemeinsame Qualitätsstandards einigen und als „Content-Partner“ ihre Inhalte auf einer kooperativen Plattform bereitstellen.

Methoden

Im Rahmen einer Fragebogen-unterstützten Befragung wurde die Einschätzung und Bereitschaft zur Beteiligung an einem nationalen Gesundheitsportal erhoben. Der Entwurf des Konzepts wurde im Februar 2018 auf der Website des IQWiG veröffentlicht und zur Anhörung gestellt. Die Ergebnisse der Befragung und der Stellungnahmen flossen in das Konzept ein.

Ergebnisse

Es gab 98 Rückmeldungen auf den Fragebogen und 61 Stellungnahmen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Rückmeldungen unterstützte die Idee eines Portals, einige Eckpunkte des Konzepts wurden jedoch hinterfragt.

Insgesamt ergab die Erhebung, dass für alle Module bereits wesentliche Kerninhalte sowie potenzielle Kooperationspartner in Deutschland vorhanden sind und der Aufbau eines kooperativen, nationalen Gesundheitsportals möglich ist. Qualitätskriterien für die vorhandenen Angebote wurden von vielen genannt, diese sind jedoch noch heterogen und erfordern zukünftig eine übergreifende Definition und Vereinheitlichung. Inhaltlich wird der Aufbau eines kooperativen Portals als machbar eingeschätzt. Die tatsächliche Bereitschaft, sich als Partner des Portals zu beteiligen, wird jedoch von der Ausgestaltung des Trägers, den Qualitätsanforderungen und dem vom Träger des Portals zu erstellenden Feinkonzept abhängen.

Schlussfolgerungen

Entscheidend für eine Akzeptanz des Portals in der Bevölkerung ist unter anderem, dass der Träger sich beim Auf- und Ausbau der inhaltlichen Strukturen in erster Linie an Nutzerbedürfnissen orientiert. Dazu ist die frühzeitige Einbeziehung der Zielgruppen nötig. Gleichzeitig erfordert der Aufbau und Betrieb des Portals aber auch von den Partnern die Bereitschaft, bei der Einbindung ihrer Inhalte in das Portal den Nutzerbedürfnissen Vorrang zu geben. Damit ein kooperatives Portal erfolgreich umgesetzt werden kann, ist ein offener Dialog mit potenziellen Kooperationspartnern erforderlich.

Literaturangaben

I. M. Jakobi, K. Borchard, K. Koch, P. Liehr, J. Windeler. Konzept für ein nationales Gesundheitsportal (P17-02) 2018. https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/gesundheitsinformation/p17-02-konzept-fuer-ein-nationales-gesundheitsportal.7849.html  

Stichwörter: Gesundheitsinformationen, Internet, Gesundheitsportal
S4-V6-02

Informationssuche über digitale Medien (Internet und Apps) – Unterschiede in der Bevölkerung Deutschlands nach soziodemografischen und anderen gesundheitsrelevanten Parametern. Ergebnisse der KomPaS-Studie (#98)

K. Horch1, J. Truthmann1, A. Starker1, S. Jordan1

1 Robert Koch - Institut, Abt. Epidemiologie u Gesundheitsmonotoring , Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Online Health Information Seeking Behavior ist inzwischen ein weit verbreitetes Gesundheitsverhalten, das im Zusammenhang mit Empowerment und Gesundheitskompetenz beschrieben wird. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Nutzung von Online-Ressourcen für Gesundheitsinformationen unter Berücksichtigung gesundheitsrelevanter Einflussfaktoren in der Bevölkerung darzustellen.

Methoden

Den Stichprobenrahmen der KomPaS-Studie des Robert Koch-Instituts bildete die volljährige, deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten, die über Festnetz- sowie Mobilfunkanschlüsse erreichbar war. Insgesamt wurden 5.053 Personen telefonisch interviewt. Die Fragen zur Informationssuche erfassten über die Vorgabe von Antwortkategorien die Häufigkeit der Nutzung klassisch konventioneller (Radio/Fernsehen, Printmedien etc.) und digitaler Informationsquellen. Aufgrund der thematischen Komplexität der Studie konnte das Informationsverhalten hinsichtlich einzelner Aspekte des Gesundheitszustandes und -verhaltens, der Gesundheitskompetenz und gesundheitlicher Kontrollüberzeugungen untersucht werden. Die Analyse erfolgte deskriptiv mit den Survey-Prozeduren von STATA SE 15.1.

Ergebnisse

69% der Befragten nutzen das Internet als Quelle für Gesundheitsinformationen, 19% Gesundheits-Apps. Erwachsene in den höheren Altersgruppen greifen eher auf Radio/Fernsehen und Printmedien zurück als Jüngere, ebenso auch Personen mit niedriger Bildung versus höhere Bildung. Chronisch kranke Menschen informieren sich häufiger über das Internet zu Gesundheitsthemen als Personen ohne chronische Krankheit. Ein guter/sehr guter subjektiver Gesundheitszustand, sportliche Aktivität und gesundheitliche Kontrollüberzeugungen sind mit häufiger Gesundheitsthemensuche im Internet und über Gesundheits-Apps positiv assoziiert. Die genannten Assoziationen sind statistisch signifikant.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse erlauben eine differenzierte Beschreibung der Informationssuche zu gesundheitlichen Themen über digitale Medien. Dabei wird deutlich, dass zielgruppenspezifische Informationsstrategien erforderlich sind, um die Bevölkerung bestmöglich zu Gesundheitsthemen zu informieren.

Literaturangaben

Horch K et al (2017) KomPaS: Studie zur Kommunikation und Patientensicherheit. Public Health Forum 2017; 25(1)28 - 30

Stichwörter: Informationssuche- und bedarf, Soziodemografie, Gesundheitszustand, Gesundheitskompetenz, gesundheitliche Kontrollüberzeugungen
S4-V6-03

Digitalisierung im NVL-Programm: Das mobile Leitlinienformat (#127)

S. G. Schorr1, A. Haring1, S. Schwarz1, C. Schaefer1

1 Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Als Barrieren für die Implementierung von Leitlinien werden häufig das starre Format und die Länge genannt. Ein Lösungsansatz ist ein Ebenen-Modell, das als 1. Ebene die Empfehlung, als 2. Ebene die Rationale und als 3. Ebene die zitierte Literatur darstellt.  Zudem wird vermehrt gefordert, dass Leitlinien in digitalen, mobilen Formaten angeboten werden, so dass sie auf unterschiedlichen Endgeräten flexibel genutzt werden können [1,2].

Seit 2016 bietet das ÄZQ die Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) zusätzlich zum PDF-Format in einem Ebenen-Modell im HTML-Format (www.leitlinien.de) mit zusätzlichen Funktionalitäten zur individualisierten Nutzung an. Anwender können in akuten Situationen die Empfehlungsübersicht zur schnellen Entscheidungsunterstützung nutzen oder für weitergehende Informationen mit einem Klick zur Empfehlungsbegründung und zugrundeliegenden Literatur navigieren. Das HTML-Format ist im responsiven Design programmiert, so dass es sich dem jeweiligen Endgerät (Computer, Tablet, Smartphone) anpasst.

Methoden

Zur Evaluation der Formate des NVL-Programms wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Einige Fragen thematisierten die Formate der Langfassung. Es haben 558 Ärzte und Psychotherapeuten teilgenommen. Für diese deskriptive Auswertung wurden nur die Antworten derer herangezogen, die angegeben haben, bereits eine Langfassung der NVL im Berufsalltag genutzt zu haben.   

Ergebnisse

Insgesamt haben 238 Teilnehmer eine NVL-Langfassung im Berufsalltag genutzt. 74% (n=176) der Teilnehmer lesen Leitlinien am liebsten elektronisch auf dem Computer, Tablet oder Smartphone. Das HTML-Format fanden 47% (n=112) sehr oder eher hilfreich für den Berufsalltag, das PDF-Format 69% (n=165). Die Gestaltung des HTML-Formats fanden 42% (n=100) sehr oder eher ansprechend, die des PDF-Formats 65% (n=155).

Schlussfolgerungen

Ausgehend von der grundsätzlichen Präferenz für das Leitlinien-Lesen auf dem Bildschirm bleibt unklar, warum das eher starre PDF-Format dem dynamischeren und mit mehr Funktionalität versehenen HTML-Format vorgezogen wird. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass das PDF-Format eingeübte Lesegewohnheiten bedient. Die Ergebnisse sind dadurch limitiert, dass nicht nach spezifischen Anwendungssituationen oder Barrieren bei der Nutzung gefragt wurden. Zur Weiterentwicklung  ist geplant, ein direktes Feedbackformular in das HTML-Format zu integrieren. Anhand dieser spezifischen Rückmeldungen soll das HTML-Format weiter optimiert werden.  

Literaturangaben

1 https://www.dak.de/dak/download/dak-digitalisierungsreport-2018-1959528.pdf

2 https://idw-online.de/de/news686603

Stichwörter: Leitlinien, Implementierung, HTML-Format
S4-V6-04

Wenn Leitlinienempfehlungen zur Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall smart werden. (#112)

J. V. Tiebel1

1 Apollon University of applied science, Angewandte Psychologie, Bremen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Im Jahr 2015 erschien die erste Fassung der S2e Leitlinie zur Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (ReMoS). Heute, fast vier Jahre später gelingt die Implementierung in die klinische Praxis weiterhin nur schleppend. Für Praktiker scheint es schwierig zu sein, aus rund 150 Seiten Fließtext mit über 250 Empfehlungen relevante Kernaussagen für die tägliche Praxis zu entnehmen. Somit stellt sich die Frage, wie derartig schwachstrukturierte Daten aufbereitet werden können und müssen, um Einzug in die klinische Praxis zu halten.

Methoden

Methodisch wurden mithilfe eines Bündels von zum Teil Algorithmus-basierten Analyseverfahren Bedeutungsstrukturen aus den Textdaten der Leitlinie exzerpiert und zu zentralen Kernaussagen und Empfehlungen in ein Dataframe zusammengefasst. Die Datenbankstruktur erlaubte erweiterte quantitative und qualitative Analysen sowie die Anwendung von Filterlogik zur  Selektierung relevanter Informationen.

Die Analysen erfolgten mit der Statistiksoftware R und gängigen dafür online abrufbaren Paketen.

Ergebnisse

Eine dynamische Web-Applikation gibt heute die Inhalte der Leitlinie konzentriert und punktgenau wieder und liefert darüber hinaus explorative Datenanalysen, die auch Lesern des Volltextes verborgen bleiben.

Schlussfolgerungen

Das Ziel in unter 10 Sekunden an klinisch relevante Leitlinieninformationen zu gelangen, die einen Forschungskörper punktgenau zusammenfassen, scheint erreicht. Nun wird sich zeigen, ob und in wiefern die Bemühungen Früchte tragen. 

Literaturangaben

Ch. Dohle, R. Tholen, H. Wittenberg, S. Saal, J. Quintern, K. M. Stephan (2015). Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (ReMoS). Neurologie & Rehabilitation 7: 355-494.

Interessenskonflikte

Keine

Stichwörter: Textual Data Mining, Schlaganfall, Leitlinie
S4-V6-05

Persistente Identifikatoren zur Referenzierung medizinischer Forschungsdaten (#34)

I. Zeitlin1, B. Lindstädt1

1 ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften, Forschungsdatenmanagement, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Evidenzbasierte Medizin setzt Forschungsdaten voraus, die verlässlich referenzierbar und langfristig verfügbar sind. Persistent Identifiers (PIDs) sind ein Mittel, um das zu gewährleisten. Auf der technischen Grundlage eines „Resolvers“ halten sie Metadaten zum Inhalt und Speicherort von digitalen Objekten wie Forschungsdaten langfristig vor. Dadurch wird etwa die Problematik der „toten Links“ umgangen.

Der Vortrag bietet eine Einführung in unterschiedliche PID-Systeme (z.B. DOI, Handle, URN) sowie deren Anwendungsmöglichkeiten für Forschungsdaten. So werden PIDs auch eingesetzt, um Arbeitsdaten eindeutig zu kennzeichnen, z.B. Datensatz-Versionen zu unterscheiden und somit einen Austausch in einer Arbeits- oder Projektgruppe zu ermöglichen (vgl. ePIC PID).

Methoden

Vor dem Hintergrund, dass Forschungsdaten in der Medizin aufgrund der Datenschutzgesetzgebung oftmals nicht publiziert werden können, kommt dem Nachweis der Forschungsdaten eine große Bedeutung zu. Deshalb können neben publizierten Forschungsdaten auch nur eingeschränkt zugängliche Daten mit einem DOI und entsprechenden öffentlichen Metadaten versehen werden. 

Der Vortrag setzt den Fokus u.a. auf die DOI-Vergabe über DataCite, die Registrierungsagentur für Forschungsdaten aus dem akademischen Kontext. ZB MED ist Mitglied von DataCite und bietet für Forschungseinrichtungen aus den Lebenswissenschaften einen DOI-Service an.

Ergebnisse

Die jeweiligen PID-Systeme sind unterschiedlich gut bekannt, können aber für verschiedene Bereiche angewendet werden. Über ihre Unterschiede, Vor- und Nachteile sowie deren Qualität wird mitunter kontrovers diskutiert.

Schlussfolgerungen

Nach dem Überblick über die verschiedenen PID-Systeme können die Vor- und Nachteile des jeweiligen PID und dessen Anwendung für medizinische Forschungsdaten diskutiert werden.

Stichwörter: Forschungsdatenmanagement, Persistente Identifikatoren, PID, Forschungsdaten, FDM