DEGAM 2021
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Vortrag - Methoden der allgemeinmedizinischen Forschung (Live)

Moderatoren: Schmalstieg-Bahr , Katharina , Dr. med. (Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland); Linde , Klaus , (Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland)
 
Shortcut: V-25
Datum: Samstag, 18. September 2021, 11:30 - 13:00
Raum: Audimax Hörsaal 1
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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11:30 V-25-01

Definitionen der Multimorbidität und ihr Einfluss auf die Prävalenz (Eine retrospektive Analyse allgemeinmedizinischer Routinedaten) (#222)

K. Schmalstieg-Bahr1, 2, W. Himmel2, J. Hauswaldt2

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Hamburg, Deutschland
2 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Multimorbidität ist häufig in allgemeinmedizinischen Praxen und stellt Ärzt:innen vor Herausforderungen. Die Prävalenz der Multimorbidität hängt jedoch von ihrer Definition und möglicherweise davon ab, ob ein Zeitfenster zur Definition herangezogen wird. Wer einmal multimorbide ist, ist dies möglicherweise nicht lebenslang.

Fragestellung

Wie unterscheiden sich Prävalenzraten in allgemeinmedizinischen Praxen unter Verwendung unterschiedlicher Multimorbiditäts-Definitionen? Wirkt sich ein definiertes Zeitfenster auf die Prävalenzraten aus? Wie korrelieren Zahl der Praxiskontakte und Multimorbidität?

Methoden

Analysiert wurden elektronische Routinedaten von 236.038 Patient:innen aus 142 allgemeinmedizinischen Praxen über einen Zeitraum von 55 Quartalen. Errechnet wurden Prävalenzraten unter Zugrundelegung von vier Multimorbiditäts-Definitionen – mit und ohne Einfluss eines 1-Jahres-Fensters. Die Anzahl der Praxiskontakte von Patient:innen wurde als Indikator der Arbeitsbelastung von Ärzt:innen gewertet und mit dem Vorliegen von Multimorbidität und dem Alter der Patienten:innen korreliert.

Ergebnisse

Je nach Definition lag die jährliche Multimorbiditäts-Prävalenzrate zwischen 84% („mindestens zwei Erkrankungen“) und 16% („mindestens drei chronische Erkrankungen“) bzw. 74% und 13%, wenn ein Zeitfenster berücksichtig wurde. Vergleichweise hatten multimorbide Patient:innen pro Jahr doppelt soviel Praxiskontakte wie Nicht-Multimorbide. Bei Definitionen, die mehr oder chronische Krankheitsbilder umfassten, erhöhte sich die Zahl der Praxiskontakte, das Verhältnis zwischen beiden Gruppen blieb gleich. Die Korrelation zwischen Kontakten und Multimorbidität lag in allen Modellen etwa bei 0,2. Die Zahl der Kontakte korrelierte mäßig mit dem Alter (0,35). Die Korrelation zwischen Alter und Multimorbidität stieg von 0,1 bis 0,28 bei umfassenderen Definitionen.

Diskussion

Basierend auf diesen Daten dürfte die Prävalenz der Mulitmorbidität geringer sein, als oft beschrieben – insbesondere bei Zugrundelegung einer umfassenderen Definition. Ein Zeitrahmen ist sinnvoll, um zu verhindern, dass Patient:innen dauerhaft als multimorbid gelten, v.a. wenn als Multimorbiditäts-Kriterien akute Erkrankungen herangezogen werden, die das Konsultationsgeschehen nur kurz- oder mittelfristig beeinflussen.

Take Home Message für die Praxis

Unabhängig von der Definition beanspruchen multimorbide Patient:innen aufgrund häufigerer Kontakte mehr ärztliche Aufmerksamkeit, aber es ist die Kopplung von Alter und Multimorbidität, die mit besonders häufigen Konsultationen verbunden ist.

Stichwörter: Multimorbidität, Praxiskontakte, Routinedaten, Zeitbegrenzung, Chronisch krank
11:42 V-25-02

Untersuchung der Bereitschaft zur Teilnahme an einem Forschungspraxen‑Netzwerk - eine Querschnittsstudie unter Hausärzt:innen in Sachsen-Anhalt und Sachsen (#298)

L. Virnau1, A. Bräsigk2, T. Deutsch2, A. Bauer3, E. S. Kröber3, M. Bleckwenn2, T. Frese3, H. Lingner1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Abteilung für Medizinische Psychologie, Hannover, Niedersachsen, Deutschland
2 Universität Leipzig, Selbstständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Leipzig, Sachsen, Deutschland
3 Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund

Aktuell finden in Deutschland größtenteils interventionelle Studien im klinischen Setting mit kleinen und standardisierten Patientengruppe statt. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind oftmals nicht übertragbar auf die multimorbiden Patientengruppen in der Primärversorgung. Zur Schließung dieser Versorgungslücke fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit Anfang 2020 Allgemeinmedizinische Lehrstühle, die in Kooperation mit den Hausarztpraxen regionale Forschungspraxen-Netzwerke (FPNW) etablieren wollen.

Fragestellung

Ziel dieser Umfrage war einerseits die Abfrage des prinzipiellen Interesses der Hausärzt:innen an medizinischer Forschung und anderseits, ob sich die Hausärzt:innen vorstellen können, eine aktive Rolle in einem FPNW einzunehmen (einschließlich: Motivation, Barrieren).

Methoden

Die anonymisierten Fragebögen wurden den Hausärzt:innen im potentiellen Einzugsgebiet des Netzwerkes in Sachsen-Anhalt und Sachsen am 29.06.2020 zugesandt. Die Adressen waren öffentlich zugänglich. Deskriptive Statistik, Gruppenvergleiche und logistische Regression wurden für die Auswertung der Daten mittels des Programms IBM Statistics 25 herangezogen.

Ergebnisse

Es wurden 936 Hausärzt:innen angeschrieben. Die Rücklaufquote betrug 37,1%. Von allen an der Umfrage teilgenommenen Hausärzt:innen waren 57,1% prinzipiell an medizinscher Forschung interessiert, 33,9% konnten sich die Beteiligung an einem FPNW vorstellen. Motiviert waren die Ärzt:innen dadurch, dass es zu einer Verbesserung der Patientenversorgung beitragen und ein realistischeres Bild der hausärztlichen Versorgung abbilden würde. Eine zuverlässige Ansprechperson an der Universität wünschten sich 93,4%. Die zeitliche Umsetzbarkeit wurde als größte Barriere gesehen.

Diskussion

Die Umfrage trägt dazu bei, die Bereitschaft und die Bedürfnisse von Hausärzt:innen hinsichtlich ihrer aktiven Teilnahme an der medizinischen Forschung zu verstehen und die Netzwerkstrukturen von Anfang an so zu gestalten, dass medizinische Forschung in die alltägliche Praxisroutine gut integrierbar ist. Weiterhin können die Barrieren in der zukünftigen Netzwerkplanung berücksichtigt werden, um auch für bisher nicht-interessierte Hausärzt:innen das FPNW attraktiver auszurichten.

Take Home Message für die Praxis

Die Ergebnisse liefern hilfreiche Einblicke in Barrieren und Motivatoren und können bei der Konzeption und dem Aufbau weiterer FPNW in der Primärversorgung hilfreich sein.

Stichwörter: allgemeinmedizinische Forschung, Forschungspraxen-Netzwerk, Forschungsbereitschaft, Motivatoren und Barrieren zur Teilnahme an Forschungsprojekten
11:54 V-25-03

Case-Management und kognitive Verhaltenstherapie bei Patienten mit Panikstörung in der Hausarztpraxis: Responderanalyse einer Kurzintervention (PARADIES) (#337)

T. Dreischulte1, K. Lukaschek1, M. Rottenkolber1, J. Werle1, T. S. Hiller2, J. Breitbart2, U. Schumacher3, C. Brettschneider4, J. Margraf5, J. Gensichen1

1 LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Thüringen, Deutschland
3 Universitätsklinikum Jena, Zentrum für klinische Studien, Jena, Thüringen, Deutschland
4 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Center for Health Economics, Hamburg, Hamburg, Deutschland
5 Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl Klinische Psychologie und Psychotherapie, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) bei Angststörungen in der hausärztlichen Versorgung kann in Abhängigkeit von patienten-, diagnose- oder anbieterbezogenen Faktoren für verschiedene Populationen variieren. Die Kenntnis solcher Faktoren kann Hausärzten (HÄ) helfen, die Behandlung zu optimieren.

Fragestellung

Welchen Einfluss haben patienten- und hausarztspezifischen Faktoren sowie Behandlungsmodalitäten auf die Veränderungen des Schweregrades von Angstsymptomen (Beck-Anxiety-Inventory, BAI) bei Teilnehmern der PARADIES („Patient Activation foR Anxiety DIsordErS“ )-Studie?

Methoden

Assoziationen zwischen den unabhängigen Variablen (Patientenfaktoren, Hausarztfaktoren, Behandlungsmodalitäten) und der abhängigen Variable „Veränderung der Angstsymptome innerhalb von 12 Monaten“ wurden mittels univariaten und multiplen linearen Regressionsmodellen untersucht. Um das beste Modell zur Erklärung der BAI-Score-Änderungen zu finden, wurde eine schrittweise Auswahl (vorwärts und rückwärts) der unabhängigen Variablen auf Basis des AIC-Kriteriums durchgeführt. Zusätzlich wurden Interaktionsterme zwischen der zugewiesenen Behandlung und allen untersuchten unabhängigen Variablen in das multiple Regressionsmodell aufgenommen, um die Modifikation des Interventionseffekts zu untersuchen.

Ergebnisse

In die Analysen wurden 419 Patienten (230 Interventionsgruppe, 189 Kontrollgruppe; mittleres (SD) Alter: 46,2 Jahre (14,4); 74% Frauen). In der Interventionsgruppe fiel der mittlere BAI-Score (SD) von 28,19 (12,32) bei Beginn auf 17,3 (12,5) bei Ende der Studie, während er in der Kontrollgruppe von 28,2 (12,4) auf 22,1 (13,3) fiel.

Im multivariaten Modell waren der Intervention ein höherer Schweregrad der Angstsymptome (p=0,003) und eine längere Krankheitsdauer bei Studienbeginn (p=0,04) signifikant mit einer Verbesserung des Schweregrads der Angstsymptome assoziiert; der Schweregrad der Depression bei Studienbeginn (p<0,001) war nach Adjustierung für Störvariablen signifikant mit einer Verschlechterung der Angstsymptome assoziiert.  Die negative Assoziation des depressiven Symptomschweregrades zu Studienbeginn war in der Interventions- gegenüber der Kontrollgruppe weniger stark ausgeprägt.

Diskussion

Aufgrund der geringen Patientenzahl pro Hausarzt konnten Cluster Effekte in den Analysen nicht berücksichtigt werden.

Take Home Message für die Praxis

Patienten mit längerer Krankheitsdauer und schwerer Symptomatik scheinen von der Intervention zu profitieren. Der negative Effekt einer komorbiden Depression auf die Angstsymptomatik kann durch KVT positiv beeinflusst werden.

Stichwörter: kognitive Verhaltenstherapie, Primärversorgung, Angststörungen, Einflussgrößen
12:06 V-25-04

Die Einbindung von medizinischen Fachangestellten in die Koordination von Studien in der Hausarztpraxis-Eine qualitative Studie (#345)

I. Canella1, C. Kellerer1, A. Schneider1, K. Linde1

1 TU München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Die Implementierung von Studien in hausärztlichen Praxen ist oftmals mit Herausforderungen und Hindernissen verbunden. Besonders die medizinischen Fachangestellten (MFAs) können hier ein wichtiges Bindeglied zwischen den Patienten*innen, Praxen und dem Studienzentrum sein.

Fragestellung

In einer begleitenden Befragung sollte untersucht werden, welche Aspekte die Einbindung von MFAs bei der Koordination und Rekrutierung in einer klinischen Studie zur Implementierung eines Online-Selbstmanagementprogramms für Patient*innen mit Asthma in der Hausarztpraxis beeinflusst haben.

Methoden

In 11 Hausarztpraxen wurde die Person (MFA oder Ärzt*in), die laut Kooperationsvertrag die lokale Studienkoordination übernommen hatte, in einem problemzentrierten Interview befragt. Die Auswertung erfolgte mit einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse.

Ergebnisse

Laut Kooperationsvertrag übernahmen in 4 Praxen MFAs die Koordinationsfunktion, in 7 Praxen Ärzt*innen; in mindestens zwei weiteren Praxen übernahmen MFAs jedoch wesentliche Koordinationsfunktionen. Wichtige Gründe für Ärzt*innen die Koordination selbst zu übernehmen, waren die Routine-Belastung der MFAs, Teilzeitbeschäftigung oder Bedenken wegen der Entstehung interner Konkurrenz. In Bezug auf das Ansprechen möglicher Studienteilnehmer*innen, sahen Ärzt*innen bei sich aufgrund ihrer Autorität bessere Erfolgsaussichten. Eine Honorierung der MFAs wurde zwar als wünschenswert, aber nicht als unabdingbar angesehen.

Diskussion

Unsere Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass ein Teil der Ärzt*innen gewisse Vorbehalte haben könnten, MFAs intensiv in die lokale Studienorganisation einzubeziehen. Somit ist es den externen Forschungskoordinationsteams lediglich möglich zu versuchen, den Hausärzt*innen die Vorteile einer Einbindung von MFAs nahezulegen, die Studien entsprechend gut vorzubereiten und eine respekt- und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem gesamten Praxisteam zu ermöglichen.

Take Home Message für die Praxis

Die erfolgreiche Einbindung von MFAs in Studien erscheint als komplexe Aufgabe, die einer über die Zeit wachsenden, respekt- und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten bedarf.

Stichwörter: Klinische Studien in der Allgemeinmedizin, Medizinische Fachangestellte, MFA, qualitative Studie
12:18 V-25-05

The aftereffects of mass dismissals and detentions of academics at Turkish universities (#354)

S. Hosoglu1, Z. Aktürk2

1 University of Cologne, Department of Internal Medicine, Köln, North Rhine-Westphalia, Germany
2 Munich Technical University, Institute for General Practice and Health Services Research, München, Bavaria, Germany

Hintergrund

For some time, Turkey has achieved a fast growth in higher education and research. The numbers of higher education institutions, numbers of total academics, and scientific publications rapidly increased for several decades. However, between 2016 and 2018, more than eight thousand academics were dismissed from state universities with governmental decrees after a coup attempt, and a significant number of them were detained.

Fragestellung

This study aimed to evaluate the effects of the mass dismissal and detention of academics on the scientific publication performance at state universities.

Methoden

We evaluated the effects of the mass dismissal and detention of academics on the scientific publication performance at state universities. We assessed the scientific publication performance of all 108 state universities who were operating in 2016.

Ergebnisse

Of the 60 385 professors, 3 452 (5.7%) were dismissed with governmental decrees between 2016 and 2018. The total number of scientific publications increased from 38 825 in 2014 to 47 073 in 2015 (21.2% rise) and to 52 168 in 2016 (10.8% rise), followed by a decrease to 47 940 in 2017 (8.1% decline). In 2018 and 2019, the total number of publications became 52 171 and 56 800, respectively. Using the total number of publications in 2014 and 2015, the expected mean numbers of scientific publications were calculated as 519.70 in 2016, 591.10 in 2017, 662.50 in 2018, and 733.90 in 2019. The difference between the expected and observed number of publications was 7.06% in 2017, which increased up to 27.09% in 2018.

Diskussion

The academic purge from the state universities in Turkey significantly affected total scholarly productivity. An international environment should be established to protect the safe functioning of scientists.

Take Home Message für die Praxis

Safety measures must be in place to protect scientists from possible political events that might interfere with their productivity.

Stichwörter: crisis intervention, academic performance, academic achievement, political factors, dismissals
12:30 V-25-06

Der Einfluss von Gesetzesdekreten auf die akademische Leistung türkischer Physiologen (#355)

K. Gumustekin1, Z. Aktürk2, 3

1 Alatoo International University Faculty of Medicine, Department of Physiology, Bishkek, Kirgisistan
2 Munich Technical University, Institute for General Practice and Health Services Research, München, Bayern, Deutschland
3 Alatoo International University Faculty of Medicine, Department of General Practice (Visiting Prof.), Bishkek, Kirgisistan

Hintergrund

Nach einem Putschversuch am 15. Juli 2016 war die Türkei einer großen Welle von Verhaftungen und Inhaftierungen einschließlich Akademiker, ausgesetzt.

Fragestellung

Ziel dieser Studie war es, die akademischen Verluste zu beschreiben, die sich aus der Entlassungen im Zusammenhang mit den Gesetzesdekreten nach dem gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 in Bezug auf Physiologie-Akademiker ergeben.

Methoden

Es wurde eine Beobachtungsstudie durchgeführt, die die Zeit vor 2008, 2009-2012, 2013-2016 und 2017-2020 abdeckte. Alle aktiv arbeitenden Assistenten, Mitarbeiter und Professoren für Physiologie die am 15. Juli 2016 in der Türkei tätig waren und Akademiker die nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 eingestellt wurden wurden in die Studie aufgenommen. Die Datenerfassung wurde im Dezember 2020 durchgeführt. Die primäre Ergebnisvariable der Studie war die Gesamtzahl der in Google Scholar aufgeführten Veröffentlichungen.

Ergebnisse

Daten von 271 Akademikern wurden analysiert. Von den Teilnehmern setzten 209 (87,1%) ihre Positionen fort, 31 (12,9%) wurden nach dem Putschversuch 2016 entlassen und 31 wurden neu eingestellt. Die Anzahl der Veröffentlichungen von Wissenschaftlern, die vor 2016 eingestellt und entlassen wurden, war vor 2008, zwischen 2009 und 2012 und zwischen 2013 und 2016 signifikant höher als die von den Akademikern die vor 2016 eingestellt und nicht entlassen wurden (p <0,05). Auch die Gesamtzahl der Zitate, der H-Index und der i10-Index waren bei den entlassenen Personen signifikant besser (p <0,05). Obwohl die entlassenen Akademiker in den vergangenen Jahren relativ höhere Leistungsindikatoren hatten, verzeichneten sie nach 2016 einen Verlust von 44,2% bei der Anzahl der akademischen Veröffentlichungen.

Diskussion

Die Massenentlassungen nach dem Putschversuch im Jahr 2016 haben sowohl einzelnen Physiologie-Akademikern als auch der allgemeinen Physiologie-Akademie geschadet. Internationale akademische und Menschenrechtsorganisationen müssen Vorbeugemaßnahmen treffen, um Wissenschaftler zu schützen, die ähnlichen Verfolgungen ausgesetzt sind.

Take Home Message für die Praxis

Lokale Sicherheit ist nur mit internationaler Sicherheit möglich. Akademiker in fortgeschrittenen Ländern müssen für die Probleme ihrer Kollegen in unterentwickelten Gebieten sensibel sein.