DEGAM 2021
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Vortrag - Zukunftsfähige Versorgungskonzepte (Live)

Moderatoren: Flägel , Kristina , Dr. med. (Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland); Wächter , Michael , Dr. (Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland)
 
Shortcut: V-21
Datum: Freitag, 17. September 2021, 17:30 - 18:30
Raum: Audimax Seminarraum 3
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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17:30 V-21-01

PSY-KOMO – Verbesserung der Behandlungsqualität bei schwer psychisch kranken Menschen zur Reduktion somatischer Komorbidität und Verhinderung erhöhter Mortalität (#377)

V. Geffe1, A. Viehmann2, 3, H. J. Grabe4, W. Hewer5, F. Jacobi6, M. Hahn7, M. Köhne8, E. Meisenzahl-Lechner9, C. Gerber10, J. Pollmanns11, R. Kucher12, N. Spur13, C. Scholl14, H. Kolbe15, A. Icks2, 3, S. Wilm1

1 Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin, Centre for Health and Society, Düsseldorf, Deutschland
2 Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland
3 Deutsches Diabeteszentrum (DDZ), Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland
4 Universitätsklinikum Greifswald, Greifswald, Deutschland
5 Klinikum Christophsbad Göppingen, Göppingen, Deutschland
6 Psychologische Hochschule, Berlin, Deutschland
7 Goethe Universität, Frankfurt, Deutschland
8 St. Augustinus Gruppe, Alexius/Josef Krankenhaus, Neuss, Deutschland
9 LVR-Klinikum, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Düsseldorf, Deutschland
10 Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Berlin, Deutschland
11 Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, Düsseldorf, Deutschland
12 Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, Stuttgart, Deutschland
13 Kassenärztliche Vereinigung Hessen, Frankfurt, Deutschland
14 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn, Deutschland
15 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Koordinierungszentrum für Klinische Studien, Düsseldorf, Deutschland

Hintergrund

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (Severe Mental Illness, SMI) haben ein hohes Risiko für komorbide somatische Erkrankungen. Eine reduzierte Lebenserwartung von sechs bis zwölf Jahren gegenüber nicht an SMI Erkrankten wird geschätzt; diese Übersterblichkeit kann insbesondere auf eine schlechtere somatische Gesundheit zurückgeführt werden. Aufgrund einer eingeschränkten körperlichen und psychischen Gesundheit ist der Zugang zur Regelversorgung für Menschen mit SMI erschwert, die Versorgungspfade im Gesundheitssystem sind nicht optimal auf die Bedarfe von SMI-Betroffenen eingestellt.

Fragestellung

Ziel von PSY-KOMO ist  die Detektion und Prävention somatischer Erkrankungen bei Menschen mit SMI und die diesbezügliche Behandlungsqualität für diese Personengruppe zu verbessern. Dabei setzt die neue Versorgungsform auf gestufte Versorgung von Patient*innen mit hohem Risiko für somatische Komplikationen, den Auf- und Ausbau interdisziplinärer lokaler, regionaler Netzwerke. Zentral ist hierbei die Sensibilisierung und Unterstützung behandelnder Ärzt*innen sowie SMI-Patient*innen mit besonderen Schwierigkeiten bei der Inanspruchnahme und Wahrnehmung von Diagnostik, Versorgungsleistungen und Prävention durch PSY-KOMO Gesundheitsbegleiter*innen unterstützt zu werden. Psychiater*innen und Hausärzt*innen erhalten die Möglichkeit, konsiliarisch Pharmakotherapieberatung in Anspruch zu nehmen.

Methoden

Diese Studie ist eine multizentrische, nicht-randomisierte, prospektive Längsschnitt-Studie, bei der 7.724 ambulante Patient*innen mit SMI aus vier Regionen Deutschlands für diese neue Versorgungsform rekrutiert werden sollen. Der Vergleich gegen eine gematchte Kontrollgruppe erfolgt retrospektiv anhand von Routinedaten der KVen.

Ergebnisse

Zu erwarten ist, dass die neue Versorgungsform zu einer besseren Detektion von somatischen Erkrankungen bei SMI-Patienten führt. Sekundär wird erwartet, dass eine stärkere Orientierung der Behandlung an Leitlinien sowie der Inanspruchnahme von Konsilen durch die Behandelnden stattfindet und so unerwünschte Arzneimittelwirkungen reduziert werden.

Diskussion

Der Auf-/Ausbau interdisziplinärer Zusammenarbeit und die Etablierung niedrigschwelliger bedarfsorientierter Unterstützungsleistungen für Menschen mit SMI können einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung leisten.

Take Home Message für die Praxis

Menschen mit SMI haben häufiger ungünstige Verläufe bei somatischen Erkrankungen. Neue patient*innenzentrierte Versorgungsmodelle, welche die Awareness in der ärztlichen Praxis steigern und das Inanspruchnahmeverhalten unterstützen, können einen Beitrag zu Verbesserung der Versorgung leisten.

Stichwörter: SMI, Versorgungsmodelle, Lebensqualität, Behandlungsqualität, Komorbidität
17:42 V-21-02

Koordination der Versorgung in Primärversorgungspraxen in Deutschland - Ergebnisse einer Querschnittstudie unter Patient:innen und Teammitgliedern von sieben Hausarztpraxen und einem hausärztlichen MVZ (#378)

K. Flägel1, J. Steinhäuser1

1 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Koordination der Versorgung ist definiert als die bewusste Organisation von Aktivitäten in der Patientenversorgung zwischen zwei oder mehreren Personen (inklusive des Patienten), die in der Patientenversorgung involviert sind, um eine adäquate Versorgung mit Gesundheitsleistungen zu erleichtern (McDonald et al., 2007).

Fragestellung

Um Optimierungspotential der Koordination der Versorgung in Hausarztpraxen aus Sicht der Patient:innen und Teammitglieder zu identifizieren, war es Ziel der Studie, den Ist-Zustand zu erheben.

Methoden

Mit dem validierten Fragebogen „Koordination der Versorgung in Primärversorgungspraxen“ (MHCCS-D) wurde eine papierbasierte Querschnittstudie in ausgesuchten Hausarztpraxen/MVZ in Schleswig-Holstein, Hamburg und Baden-Württemberg zwischen Mai 2018 und Mai 2021 durchgeführt. Patient:innen wurden konsekutiv durch das Praxisteam eingeladen, an der Studie teilzunehmen. Items wurden auf einer Likert-Skala von 1 „ich stimme zu“/“immer“ bis 5 „ich stimme nicht zu“/“nie“ beantwortet.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 373 Patient:innen teil, zwischen sechs und 88 Patient:innen pro Praxis/MVZ. 85 % (N=318) der Patient:innen stimmten zu oder stimmten eher zu, dass Ihre Versorgung gut koordiniert sei. 87 % (N=323) schätzten Ihre Versorgung als sehr gut oder eher gut ein. Die Einschätzung der Koordination in der Versorgung und der Versorgung insgesamt korrelierten statistisch signifikant (r=0,498, p<0.001). Am meisten Optimierungspotential lag in der Bestärkung von Patient:innen, an Angeboten in der Umgebung teilzunehmen, z. B. Selbsthilfe- oder Sportgruppen (Mittelwert=2,06).

Aus den acht Hausarztpraxen/MVZ nahmen jeweils zwischen zwei und 14 Teammitgliedern teil, insgesamt 58. Davon waren u. a. 32 medizinische Fachangestellte (55 %) und 17 Ärzt:innen (29 %). Insgesamt 86 % (N=50) schätzten die Koordination der Versorgung durch Ihre Praxis als sehr gut oder eher gut ein. Am meisten Optimierungspotential lag im Angebot routinemäßiger Austauschmöglichkeiten von Patient:innen mit anderen Betroffenen („Peer-Beratung“, Mittelwert=3,71).

Diskussion

Koordination der Versorgung umfasst Kommunikation, Patient:innen-Empowerment, Versorgungspläne sowie die Betreuung über Sektorengrenzen hinweg. Sie beeinflusst maßgeblich die Versorgungseinschätzung.

Take Home Message für die Praxis

Mit dem MHCCS-D können Bereiche identifiziert werden, um die Koordination der Versorgung zu optimieren.

Stichwörter: Koordination der Versorgung, Primärversorgungspraxis, Versorgungsqualität, Patient Empowerment, Versorgungsplan
17:54 V-21-03

Prädiktoren für Berufszufriedenheit, Gesundheit und Wohlbefinden von Ärztinnen und Ärzten in Schleswig-Holstein als Grundlage für gesundheitsförderliche Interventionen (PRÄVENT) (#376)

S. Köslich-Strumann1, K. Götz2, E. Voltmer1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Die COVID-19 Pandemie stellt auch die Ärzteschaft vor große, nicht nur berufliche Herausforderungen. Darüber hinaus bestehen unverändert Fragen zu den Arbeitsbedingungen ärztlicher Tätigkeit und deren Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit.

Fragestellung

Welche gesundheitsrelevanten Ressourcen und Risiken bestehen bei den aktiven Ärzt*innen in Schleswig-Holstein?

Methoden

In einer Online-Befragung wurden alle aktiven Ärzt*innen (N =13303, 50% weiblich) durch die Ärztekammer in Schleswig-Holstein zur Teilnahme eingeladen. Der Fragebogen beinhaltete u.a. Standardinstrumente zur Arbeitszufriedenheit (JSS) und zur Effort-Reward-Imbalance (ERI) sowie Items zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Perzeption der COVID-19 Pandemie und der persönlichen Gesundheitsförderung.

Ergebnisse

Vor dem zweiten Reminder hatten n = 1582 Ärzt*innen einen vollständigen Fragebogen ausgefüllt (Ärztinnen 62%, Allgemeinmediziner*innen 18%, Internisten 20%). Kontakt zu einer mit SARS-COV-2 infizierten Person hatten ca. 75% der Befragten, jedoch nur ca. 4% wurden selbst infiziert. Für den Fall einer Ansteckung erwarteten etwa die Hälfte der Ärzt*innen nur mäßige Auswirkungen für die eigene Gesundheit, etwa ein Drittel aber (sehr) starke. Bei gut der Hälfte bestand Sorge, die eigene Familie anzustecken. Fast 70% gaben ein erhöhtes Arbeitsaufkommen an und 80% häufig großen Zeitdruck. Etwa die Hälfte der Ärzt*innen fühlten sich manchmal, ca. 20% immer körperlich und mental erschöpft. Etwa 56% gingen eher häufig bis immer trotz Erkrankung zur Arbeit. Ca. 14% ziehen in Betracht, den Arztberuf aufzugeben. Je nach Maßnahme betrieben 20% bis gut 50% Aktivitäten der persönlichen Gesundheitsförderung. Für die ärztliche Fort- und Weiterbildung wurden besonders Themen der beruflichen Organisation (Führungskräftetraining, Finanzen, Zeitmanagement) gewünscht.

Diskussion

Hohes Arbeitsaufkommen, häufiger Zeitdruck und Präsentismus stellen eine deutliche Herausforderung sowohl für die Gesundheit der Ärzt*innen als auch für die Sicherung der Versorgungsqualität dar.

Take Home Message für die Praxis

Sowohl die Herausforderungen der COVID-19 Pandemie als auch Faktoren der ärztlichen Berufsorganisation sowie individuelle Belastungen und Bedürfnisse sind in der Planung von Angeboten zur Gesundheitsförderung für Ärztinnen und Ärzte zu berücksichtigen.

Stichwörter: COVID-19, Risiken und Ressourcen, Prävention und Gesundheitsförderung
18:06 V-21-04

Veränderung der psychischen Belastung von Eltern und Betreuer*innen in Kindertagesstätten während verschiedener Surveillance-Protokolle zur Detektion von SARS-CoV-2-Infektionen in der Würzburger Kinderbetreuungsstudie (Wü-KiTa-CoV) (#404)

M. Krauthausen1, D. Gierszewski1, J. Forster2, A. Streng3, F. Pietsch2, J. Wallstabe2, K. Hartmann3, V. Rücker4, J. Schmidt4, T. Ludwig4, P. Heuschmann4, T. Jans5, B. Weissbrich6, M. Romanos5, L. Dölken6, C. Härtel3, O. Kurzai2, J. Liese3, I. Gágyor1

1 Universitätsklinium Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland
2 Universität Würzburg, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Würzburg, Bayern, Deutschland
3 Universitätsklinikum Würzburg, Kinderklinik und Poliklinik, Würzburg, Bayern, Deutschland
4 Universität Würzburg, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Würzburg, Bayern, Deutschland
5 Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Zentrum für Psychische Gesundheit, Würzburg, Bayern, Deutschland
6 Universität Würzburg, 6 Institut für Virologie und Immunbiologie, Würzburg, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Die „Würzburger Kinderbetreuungsstudie in der COVID-19 Pandemie (Wü-KiTa-CoV)“ untersuchte die Akzeptanz regelmäßiger mehrwöchiger Testungen zur Detektion von SARS-CoV-2-Infektionen in Kinderbetreuungseinrichtungen und begleitend die psychische Belastung der Teilnehmer*innen (Förderung: BMBF).

Fragestellung

Wie veränderte sich die psychische Belastung von Eltern und Betreuer*innen während der Testmaßnahmen?

Methoden

182 Betreuer*innen und Eltern von 772 Kindern wurden zur Studienteilnahme eingeladen. Als Maß für die psychische Belastung wurde der PHQ-4 (Depressivität-Ängstlichkeit-Skala) u.a. zum Testungsbeginn (Oktober 2020=T0) und Testungsende (März 2021=T2) mittels Online-Befragungen erhoben. Zusätzlich wurden bei T0 Fragen zu Pandemie-spezifischen Sorgen gestellt.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen Eltern von 442 Kindern (57%) und 150 Betreuer*innen (82%) an der Studie teil. Davon lagen von 263 Eltern und 93 Betreuer*innen Angaben zum PHQ4 im Zeitverlauf vor. Bei T0 zeigten 7,2% der Eltern erhöhte Depressivitäts-/Ängstlichkeitswerte (n=19 > 90.Perzentil in deutscher Referenzstichprobe), mit einer Erhöhung auf 12,2 % bei T2 (n=32 > 90.P, p=0.020). Eine stratifizierte Analyse der Eltern von Kindern mit (n=119) und ohne (n=144) regelmäßige Testungen zeigte einen signifikanten Anstieg nur bei Eltern von nicht getesteten Kindern (p=0.018). Bei den Betreuer*innen zeigten bei T0 22,5 % (n=21 > 90.P), bei T2 25,8 % (n=24 > 90.P) erhöhte Depressivitäts-/ Ängstlichkeitswerte (p=0.513), ohne Unterschied in der stratifizierten Analyse. Initial fühlten sich 26,2% von 343 Eltern und 41,7% von 127 Betreuer*innen durch die Sorge, andere anzustecken, „stark beeinträchtigt“.

Diskussion

Als erste ihrer Art untersuchte die Wü-KiTa-CoV Studie mehrfach sowohl Testprotokolle als auch psychische Belastungen. Bei Eltern nicht regelmäßig getesteter Kinder nahm die psychische Belastung über die Zeit zu. Bei den Betreuer*innen war die Belastung gleichbleibend hoch, mit oder ohne regelmäßige Testungen. Limitiert durch Selektionseffekte und „Lockdown“-Einflüsse, weisen die Ergebnisse auf einen insgesamt entlastenden Effekt von regelmäßigen Testungen bei Kindern auf deren Eltern hin.

Take Home Message für die Praxis

Regemäßige Testungen von Kindern in Kindertageseinrichtungen scheinen zur psychischen Entlastung der Eltern beizutragen. Betreuer*innen in Kindertagesstätten stehen während der Pandemie unter hoher psychischer Belastung.

Stichwörter: Wü-KiTa-Cov, Psychische Belastung (Depressivität/Ängstlichkeit), Surveillance-Protokolle, Nasenabstrich/Speicheltest, Coronavirus in Kinderbetreuungseinrichtungen
18:18 V-21-05

Bewertung der hausärztlichen Versorgung in der COVID-19-Pandemie aus Patientensicht (COVI-Pat) (#410)

M. Wächter1, K. Voigt1, J. Schübel1, H. Riemenschneider1

1 Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie durch SARS-CoV-2 und die gefassten Maßnahmen haben umfangreiche sozio-kulturelle, ökonomische und gesundheitliche Einschränkungen für Gesellschaft und medizinische Versorgung der Menschen zur Folge, wobei zur Patientenperspektive noch wenige Daten zur Verfügung stehen.

Fragestellung

Wie beschreiben Patienten die hausärztliche Versorgungssituation in der Corona-Pandemie? Welche Risikogruppen, Prädiktoren/Faktoren sind zu erkennen, die eine differenziertere Bedarfsorientierung der hausärztlichen Versorgung in einer Pandemiesituation nach sich ziehen?

Methoden

Die Studie folgt einem explorativen, Hypothesen generierenden Ansatz. Vom 20.05. bis 20.08.2020 wurde eine deutschlandweite schriftliche Bevölkerungsbefragung mittels teilstandardisiertem Onlinefragebogen durchgeführt (Umfrage: https://bit.ly/COVID19Pat). Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über „soziale Medien“, Universitätshomepage, Printmedien, Selbsthilfegruppen, Aushänge u.a. in hausärztlichen Praxen etc. Die Teilnehmer wurden in Deutschland im Altersbereich von ≥ 18 Jahren rekrutiert. Es handelt sich um eine Querschnitterhebung. Datenauswertung erfolgt mittels deskriptiver Methoden.

Ergebnisse

299 von 1018 Befragten bestätigten medizinischen Beratungsbedarf im Erhebungszeitraum, davon gaben 68,6% an, dass sie deswegen auf diversen Wegen in Kontakt mit einer Hausärztin/einem Hausarzt getreten sind. Bezogen auf alle medizinischen Fachbereiche wurde bei 8,4% der Befragten die Behandlung eines Gesundheitsproblems aufgrund der Corona-Pandemie verwehrt. Bei 20,7% wurden ärztliche Termine verlegt und 25,8% der Befragten haben selbst aufgrund der Pandemie einen Arzttermin verschoben. 23,0% der Befragten waren der Ansicht, dass die Versorgungssituation von Erkrankungen außer für „Corona“ nicht ausreichend war.

Diskussion

Die Studie COVI-Pat ist die erste großangelegte Studie in Deutschland, welche die Patientenperspektive im hausärztlichen Versorgungsbereich während der Corona-Pandemie untersucht. Es ist zu diskutieren, ob und inwiefern organisatorische Rahmenbedingungen verändert werden sollten, um eher Jüngere, Patientinnen und Menschen mit Vorerkrankungen zu fokussieren und eine adäquate Versorgung in Pandemiesituationen sicherzustellen. Dies schließt aus Patientenperspektive auch die Erreichbarkeit und Digitalangebote ein.

Take Home Message für die Praxis

Für zukünftige Pandemiegeschehen, aber auch in Hinblick einer Modernisierung der Primärversorgung gilt es die hausärztliche Versorgung in Hinblick auf Erreichbarkeit und Ressourcen zu stärken. Dabei sollte der Fokus auf Jüngeren, Menschen mit Vorerkrankungen und Patientinnen liegen.

Stichwörter: Patientenperspektive, Corona-Pandemie, Studie COVI-Pat, Primärversorgung