DEGAM 2021
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Vortrag - Digitalisierung und E-Health (Live)

Moderatoren: Zwierlein , Ruben , (Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland)
 
Shortcut: V-18
Datum: Freitag, 17. September 2021, 17:30 - 18:30
Raum: Audimax Hörsaal 3
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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17:30 V-18-01

Fieberambulanzstudie Magdeburg (FIA-MD) - Inanspruchnahme von Fieberambulanzen während der COVID-19-Pandemie (#375)

K. Bachmann1, R. John1, S. Brenne1, T. Lichte1

1 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Arbeitsbereich HAWIRA, Magdeburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund

Mit Beginn des Bekanntwerdens des Erregers SARS-CoV-2 und der pandemischen Ausbreitung der Atemwegserkrankung COVID-19 gewinnt die Durchführung von PCR-Tests einen wichtigen Baustein in der Eindämmung des Pandemiegeschehens (BMG 2020) [1]. Bereits zu Anfang der Pandemie bildeten sich Zentren heraus, in denen Rachenabstriche durchgeführt wurden. Diese Zentren werden teilweise als Abstrichzentren oder Fieberambulanzen bezeichnet (DÄB 2020) [2]. Diese Strukturen wurden teilweise auf Initiative niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, der Kassenärztlichen Vereinigungen oder von Krankenhäusern schnell und teilweise recht improvisiert aufgebaut. Durch eine Patient*innenbefragung sollen in dieser Studie konkrete Informationen zu diesen Abstrich-Zentren gesammelt und vergleichend betrachtet werden.

[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronatest.html?li_fat_id=65f25235-9ee1-40c6-b141-b69c0f8322cb (letzter Zugriff: 12.05.2021)

[2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116707/Fieberambulanzen-Unterschiedliche-Reaktionen-auf-Spahns-Vorstoss (letzter Zugriff: 12.05.2021)

Fragestellung

Ist eine Digitalisierung geeignet zur Verbesserung der medizinischen Versorgungslandschaft? Werden online Angebote genutzt und von wem? Ist die Nutzung von Onlineangeboten altersabhängig? Ist die Reaktionszeit des Gesundheitsamtes eine Quarantäne auszusprechen abhängig von den Pandemiephasen?

Methoden

Standardisierte Befragung (mittels online Survey) von Personen, die online einen Termin bei einer Fieberambulanz in Schönebeck buchten. Die Erhebung beinhaltet Fragen zur Soziodemografie, Testsituation, Übermittlung der Testergebnisse, Quarantäneanordnung, Patient*innen-zufriedenheit und Nutzung der Corona-Warn-App. Die ca. 3.000 Teilnehmenden werden von September 2020 bis April 2021 rekrutiert. Die Datenauswertung erfolgt mittels deskriptiver Statistik.

Ergebnisse

Die Auswertung mittels deskriptiver Statistik wird im Juli und August 2021 erfolgen. Erste Ergebnisse liegen voraussichtlich im September 2021 vor.

Diskussion

Die Ergebnisse sollen Aufschluss zur Patientensicherheit, Fallmanagement, Inanspruchnahme von Onlineangeboten (Digitalisierung) und Informationssicherheit geben.

Take Home Message für die Praxis

Je nach Ergebnis der Befragung wird eine Schlussfolgerung zur Inanspruchnahme von Onlineangeboten und Digitalisierung, sowie der Zufriedenheit der Patient*innen in der Schönebecker Fieberambulanz gezogen.

17:42 V-18-02

Neuroenhancement im Studium – Eine Befragung unter Würzburger Studierenden (#38)

M. M. Hajduk1, E. Tiedemann1, M. Romanos2, A. Simmenroth1

1 Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums, Würzburg, Deutschland

Hintergrund

Neuroenhancement bezeichnet die Einnahme psychotroper Substanzen mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung oder Beruhigung, ohne dass hierfür ärztliche Verschreibungen vorliegen. Potentielle Wirkstoffe sind verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente (z. B. Methylphenidat), illegale oder apothekenpflichtige Substanzen und frei verkäufliche Produkte. Studierende weisen höhere Prävalenzraten für Neuroenhancement auf als die Durchschnittsbevölkerung. Es mangelt an Daten aus Deutschland, insbesondere zur Situation bei Medizinstudierenden.

Fragestellung

Ziel ist eine Erhebung zu Neuroenhancement unter Würzburger Studierenden. Dabei werden u.a. Prävalenz, die konsumierten Substanzen, das Wissen über und die Gründe für den Konsum von Neuroenhancement erfragt, außerdem etwaige Korrelationen zur psychischen Gesundheit (ADHS, Stress, Angst, Depression, Genussmittelkonsum) untersucht.

Methoden

Die Datenerhebung fand durch eine anonyme online EvaSys-Fragebogenerhebung (40 Items) im ersten Quartal 2021 statt. Eingeladen waren alle 2800 Human- und Zahnmedizinstudierenden der Universität Würzburg und alle 2800 Studierenden der Fachhochschule aus den Bereichen (Wirtschafts-) Informatik und Wirtschaftswissenschaften. Die Kontaktierung erfolgte per Mail über die Fachschafts- und offizielle Dekanatsverteiler.

Ergebnisse

1011 Studierende nahmen an der Befragung teil (Response-Rate 18%). 88% der Befragten hatten bereits von Neuroenhancement gehört, circa 40% hatten Bekannte mit Neuroenhancementerfahrung. Die Prävalenz für Neuroenhancement lag bei 12,7%. Die drei meistgenannten Substanzen waren Koffeintabletten (32%), Cannabis (22%) und Methylphenidat (21%). Häufigster Anlass war die Prüfungsvorbereitung.

Analysen zu psychischer Gesundheit und Neuroenhancement sind in Vorbereitung und werden auf dem Kongress vorgestellt.

Diskussion

Das Wissen um Neuroenhancement, die konsumierten Substanzen und die Gründe für den Konsum bestätigen die bisherigen Erkenntnisse aus der Literatur bzw. liegt die Prävalenz für Neuroenehancement in unserer Kohorte etwas höher. Dies lässt sich vermutlich durch die Erfassung von Koffeintabletten in unserer Befragung erklären.

Take Home Message für die Praxis

Neuroenhancement findet bei mehr als einem Zehntel der Studierenden Anwendung. Da der Konsum vor allem in belastenden Phasen des Studiums stattfindet, sollten Entscheidungsträger*innen in den Universitäten und Lehrende sich dessen bewusst sein und möglichst gegensteuern.

Stichwörter: Neuroenhancement, Gesundheit im Studium, Brain Doping, Cognitive Enhancement
17:54 V-18-03

Begleitevaluation der „Herz-Kreislauf-Offensive“ des Medizinischen Praxisnetzes Neumünster e.V. (#111)

N. Engler1, J. Steinhäuser1, C. Strumann1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Die „Herz-Kreislauf-Offensive“ des Medizinischen Praxisnetzes Neumünster e.V. ist ein aus dem Praxisnetz entwickeltes Modellprojekt mit dem Ziel der Verbesserung der Hypertonie-Therapie und Verminderung des kardiovaskulären Gesamtrisikos der Patient*innen durch Steigerung der Therapie-Adhärenz.

Fragestellung

Im Rahmen der Begleitevaluation der Pilotstudie wird die Effektstärke des Einsatzes der Software arriba© unter Berücksichtigung der Arzt-Patienten-Beziehung hinsichtlich der festgelegten Zielgrößen, „Steigerung der Adhärenz“, „Senkung des 24h-Blutdruck-Profils“ und „Verringerung des kardiovaskulären Gesamtrisikos“ der teilnehmenden Patient*innen abgeschätzt.

Methoden

Für die Evaluation wurde ein quantitatives Studiendesign mit einer Kombination aus mehreren validierten Fragebögen gewählt (A14-Fragebogen (Adhärenz), PACIC Short (Patientenzentriertheit und Qualität der Versorgung chronischer Erkrankungen), MHCCS (Koordination der Versorgung in der Primärversorgung), EQ-5D (subjektiver Gesundheitsstatus und Lebensqualität)). Als klinische Variablen werden der 24h-Blutdruck und das individuelle kardiovaskuläre Risiko mittels arriba© erhoben. Als Kontrollvariablen werden u.a. die Einschätzung der Arzt-Patienten-Beziehung (PDRQ) sowie die bevorzugte Rolle in der Behandlungsentscheidung (Control Preference Scale), jeweils aus Patient*innen- und Ärzt*innensicht, berücksichtigt.

Ergebnisse

Aktuell läuft die Rekrutierung von Patient*innen durch Praxen des Praxisnetzes (T0). Die abschließende Datenerhebung (T1) ist zum Ende der Projektlaufzeit nach drei Jahren vorgesehen. Bisher konnten von sieben Praxen insgesamt n=44 Patient*innen (Altersdurchschnitt 64,5 Jahre (SD=13,1; min: 29 J., max: 86 J.), Anteil weiblicher Patienten 57%) in die Analyse eingeschlossen werden. 73% der Patient*innen wurden als adhärent klassifiziert.

Diskussion

Der Zusammenhang eines schlecht eingestellten Blutdrucks bei Hypertonie-Patient*innen und einer geringen Adhärenz wurde bereits in Studien untersucht. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit der individuellen Adhärenz-Steigerung zur Verbesserung der antihypertensiven Therapie durch Aktivitäten eines Praxisnetzes.

Take Home Message für die Praxis

Die „Herz-Kreislauf-Offensive“ ist ein aus der Praxis entwickeltes Modellprojekt zur Verbesserung der antihypertensiven Therapie durch eine Adhärenz-Steigerung. Inwieweit eine solche wichtige Initiative „top down“ Prozesse ergänzen kann, bleibt abzuwarten.

Stichwörter: Hypertonie-Therapie, Adhärenz, kardiovaskuläres Risiko, Prävention
18:06 V-18-04

Digitale Gesundheitsanwendungen: Stärkung der Patientenautonomie oder Schwächung des ärztlichen Vertrauensverhältnisses? Eine Querschnittsanalyse des DiGA-Registers (#295)

H. Napierala1, C. Heintze1

1 Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können mit dem Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) als „App auf Rezept“ von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden. Aktuell ist es unklar, wie Behandelnde in die Implementierung von DiGAs eingebunden werden müssen, um Patient*innen zu unterstützen ihre eigenen Ressourcen selbständig und aktiv zu nutzen und gleichzeitig ein langfristiges ärztliches Vertrauensverhältnis zu gewährleisten.

Fragestellung

Ziel dieser Arbeit war es, auf Grundlage von öffentlich zugänglichen Informationen, Hypothesen zur Einbindung der Hausärzt*innen und weiterer Behandelnder bei der Implementierung von DiGAs zu generieren.

Methoden

Wir führten eine deskriptive Analyse von Querschnittsdaten durch, die im DiGA-Verzeichnis und auf den Hersteller-Webseiten mit Stand 12.04.2021 verfügbar waren. Wir extrahierten Informationen zur Anwendung, der Indikation und der Intervention. Außerdem untersuchten wir die Einbindung der Behandelnden bei der Implementierung der DiGAs.

Ergebnisse

Zum Zeitpunkt der Auswertung waren 12 DiGAs im Register aufgenommen. Verfügbare DiGAs boten ein breites Indikationsspektrum mit einem Schwerpunkt auf psychischen Erkrankungen. Die Interventionen beruhten in der Mehrzahl auf der kognitiven Verhaltenstherapie (7). Die Rolle der Behandelnden reichte von der aktiven Begleitung (1) durch psychotherapeutisches Fachpersonal bis zur alleinigen Verordnung und eigenständigen Durchführung durch die Patient*innen ohne geplante Kontakte (4). In 7 Fällen war die mögliche Einbindung von Hausärzt*innen oder weiteren Behandelnden nicht klar formuliert. Dies zeigte sich unter anderem an optionalen Befundbesprechungen und Nachsorgeschemata.

Diskussion

DiGAs haben das Potential die Ressourcen der Patient*innen zu stärken, können aber das ärztliche Vertrauensverhältnis beeinflussen. Hier sollten Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Rollen der Behandelnden identifiziert und bei der Implementierung von DiGAs im Versorgungsalltag beachtet werden.

Take Home Message für die Praxis

DIGAs können völlig unabhängig vom ärztlichen Fachpersonal genutzt oder in die Behandlung integriert werden. Welche Rolle die Verordnenden einnehmen bleibt Ihnen aber unter Abwägung von Aufwand und Einfluss auf das ärztliche Vertrauensverhältnis bisher selbst überlassen.

Stichwörter: Digitale Gesundheitsanwendungen, DIGA, Patientenautonomie, ärztliches Vertrauensverhältnis
18:18 V-18-05

Agile Softwareentwicklung in der Allgemeinmedizin am Beispiel der SaxoForN-Datenbank (#306)

S. Piller1, A. A. Klein1, C. Güthlin2, K. Mergenthal2, K. Voigt1, M. Gottschall1

1 Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät / Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland
2 Goethe Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Digitalisierung erfordert die Entwicklung neuer Software, die Prozesse abbildet, erweitert und effizienter macht. Mittels der agilen Software-Entwicklung wird in iterativen Schritten unter kontinuierlichem Einbezug der Anwender im Forschungspraxennetz SaxoForN eine Datenbank zur Verwaltung der teilnehmenden Forschungspraxen entwickelt. Am Beispiel der SaxoForN-Datenbankentwicklung wird agile Software-Entwicklung demonstriert und der Aufwand für die Nutzer im Entwicklungsprozess dargestellt.

Fragestellung

Wie gestaltet sich die agile Software-Entwicklung einer Datenbank für ein Forschungspraxennetz und welchen Aufwand bedeutet dies für die Nutzer im Entwicklungsprozess?

Methoden

Die initialen Bedarfe an die Datenbank wurden in Gesprächen mit den Anwendern erhoben. Diese wurden systematisiert, mit den Anwendern priorisiert und ausgehend davon ein erster Prototyp entwickelt, der von den Anwendern getestet wird.

Die Anforderungen werden auf einem webbasierten Portal verwaltet, auf dem die Anwender Ergänzungen formulieren können. Regelmäßig werden hinzugekommene Anforderungen von Entwicklern und Anwendern besprochen und konkretisiert. Gemeinsam werden Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert und der jeweilige Arbeitsaufwand vom Entwickler abgeschätzt. Mit diesen Informationen priorisieren die Anwender die Entwicklung neuer Funktionen für die nächste Prototypenversion. Nach einer Entwicklungsphase veröffentlicht der Entwickler diese neue Version und der Prozess beginnt erneut.

Ergebnisse

Funktionen der Datenbank konnten zu dem Zeitpunkt entstehen, zu dem auch die zugrunde liegenden Prozesse konkret ausgestaltet wurden und es existiert eine entwicklungsfähige Datenbank in der siebten Iteration. Anforderungen, welche nicht in der ursprünglichen Konzeption enthalten sind, wurden zunächst zurückgestellt. Funktionen, welche von den Anwendern nicht getestet wurden, stagnierten in ihrer Weiterentwicklung.

Diskussion

Die agile Softwareentwicklung erlaubt einen Entwicklungsbeginn trotz offener Fragen im Anforderungskatalog, sowie die Berücksichtigung sich verändernder Prozesse. Anwender müssen kontinuierlich Zeit in die Erprobung der Prototypen und den Priorisierungsprozess investieren.

Take Home Message für die Praxis

Ist die Allgemeinmedizin in Digitalisierungsprojekten involviert, wird sie Teil des agilen Entwicklungsprozesses. Erfahrungen in SaxoForN zeigen, dass ein Entwicklungsbeginn trotz abstrakter und komplexer Anforderungen möglich ist, aber ein regelmäßiges Investment an Zeit seitens der Anwender erfordert.

Stichwörter: agile Entwicklung, SaxoForN, Forschungspraxennetz, Praxis-Relationsship-Management, Datenbank