DEGAM 2021
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Vortrag - Aus- und Weiterbildung (Live)

Moderatoren: Schreiber , Raphael , (Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland); Ehrhardt , Maren , Dr. med. (Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland)
 
Shortcut: V-17
Datum: Freitag, 17. September 2021, 17:30 - 18:30
Raum: Audimax Hörsaal 1
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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17:30 V-17-01

Innere medizin 'light' oder Allgemein- und Familienmedizin?Vorschlag für ein Aufbaucurriculum Allgemeinmedizin nach der Weiterbildung Innere medizin (#425)

G. F. Weckmann1

1 Europäische Fachhochschule Rhein-Erft, Angewandte Gesundheitswissenschaften, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hintergrund

Durch den demographischen Wandel in Kombination mit Veränderungen im Arbeitsverhalten ist der Bedarf an Niederlassungswillige in der hausärztlichen Versorgung nach wie vor hoch. FÄ mit einer Weiterbildung in der Inneren Medizin, die sich hausärztlich niederlassen wollen, haben ein Weiterbildungsprofil, das die allgemeinmedizinische Versorgung nicht vollständig abbildet. Ein strukturiertes Curriculum, das spezialisierte Denkweisen, Wissen und Fertigkeiten für die hausärztliche Tätigkeit vermittelt, kann sowohl zur Verbesserung der Versorgungsqualität als zum Abbau von Barrieren für die Niederlassung beitragen.

Fragestellung

Welche Themen soll ein Curriculum beinhalten, dass eine Brücke zwischen der internistischen Weiterbildung und der hausärztlichen Niederlassung bilden soll?

Methoden

In einer interdisziplinären Arbeitsgruppe wurde mögliche Inhalte des Curriculums diskutiert. Hierbei wurde mittels qualitativer Befragung mittels Fragebögen Themen aufgedeckt, die als Barrieren für eine hausärztliche Tätigkeit wargenommen wurden, oder die als mögliche Kenntnisdefizite wahrgenommen wurden. In weiteren Teilschritten wurden die Themen priorisiert und konkretisiert. Eine Konsentierung des Curriculums soll mittels Delphi-Verfahren erfolgen.

Ergebnisse

Mehrere Themenfelder wurden identifiziert: Praktische Aspekte wie Niederlassung, Praxisführung, Personalmanagement und Abrechnung; Allgemeinmedizinisches Wissen wie Epidemiologie in der Hausarztpraxis, hausärztliche Herangehensweise, typische Beratungsanlässe und diagnostische und therapeutische Strategien; Nicht-internistisches Fachwissen zu den Themen Orthopädie, kleine Chirurgie, HNO, Hauterkrankungen, Kinder- und Augenheilkunde; Psychiatrische und Psychosomatische Themen.

Diskussion

Die hausärztliche Niederlassung nach einer internistischen Weiterbildung kann curriculär begleitet werden, um eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten. Neben dem gezielten Ausgleich von defiziten, soll die allgemeinmedizinische Denkweise gestärkt und d. Wirkungsgebiet erweitert werden. Der Einsatz des Curriculums soll nach Konsentierung praktisch ausgeführt und evaluiert werden, um eine weitere Optimierung zu ermöglichen.

Take Home Message für die Praxis

  • Allgemein- und Familienmedizin soll bei allen hausärztlich Niedergelassenen im Fokus stehen
  • Die internistische Weiterbildung bildet nur einen Teil des allgemeinmedizinischen Fachgebietes ab
  • Eine curriculäre Begleitung soll spezifische allgemeinmedizinische Kenntnisse vermitteln

Stichwörter: Niederlassung, hausärztlicher Internist, Weiterbildung
17:42 V-17-02

FamuPlus: Unterstützt die Auseinandersetzung mit der Erstellung eigener Lernziele vor der Famulatur das Selbstgesteuerte Lernen von Medizinstudierenden? (#430)

R. Kunisch1, A. Punz1, M. Roos1

1 Erlangen, Allgemeinmedizin, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Während das „Praktische Jahr“ in den letzten Jahren didaktisch aufgewertet wurde, existieren für die vier einmonatigen klinischen Famulaturen bisher keine didaktischen Maßnahmen zur Förderung der Lehre. Um die Vorteile der Individualität der Famulaturen zu erhalten und trotzdem deren Lerneffekt zu verbessern, wurde eine Intervention mit Schwerpunkt auf die Unterstützung von Selbstgesteuertem Lernen durch die Studierenden entwickelt. "Das FamuPlus"-Projekt hat die Erstellung eigenständig formulierter Lernziele im Fokus, worüber sowohl die Reflektionsfähigkeit der Studierenden als auch die inhaltliche Vorausstrukturierung der Famulaturen verbessert werden soll.

Fragestellung

Ziel dieser Studie ist, Effekte einer Lernzielstrukturierung im Rahmen von Famulaturen auf das Selbstgesteuerte Lernen von Medizinstudierenden zu untersuchen.

Methoden

Für die Untersuchung der Fragestellung wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. Dazu wurden die Studierenden der Interventionsgruppe, welche eine Famulatur nach “FamuPlus“ absolviert hatten und eine Kontrollgruppe, welche eine klassische Famulatur ohne Begleitung absolviert hatten, in semistrukturierten Focusgruppen zu verscheidenen Aspekten des Lernerlebens befragt. Außerdem wurden während der Famulatur durch qualitative Telefoninterviews und wöchentliche qualitative Rückmeldungern zum subjektiven Lernfortschritt Daten erhoben und ausgewertet.

Ergebnisse

Studierende welche der "FamuPlus"-Interventionsgruppe angehörten, zeigten in den Focusgruppen einen höheren Grad an Reflektion bezüglich ihrer Famulatur und ihres Lernfortschritts als Teilnehmende der Kontrollgruppe. Zudem konnten sie für zukünftige Famulaturen klarer benennen, welche gezielten Schritte sie ergreifen würden, um ihren Lernfortschritt eigenständig zu verbessern. Die Interventionsgruppe gab mehrheitlich an, freiwillig -trotz des individuellen Mehraufwands- die nächste Famulatur wieder nach dem "FamuPlus"-Konzept absolvieren zu wollen.

Diskussion

Die qualitativen Ergebnisse der Pilotierung des "FamuPlus"-Konzeptes bestätigen den in der Literatur bereits beschriebenen Bedarf von inhaltlicher strukturierung klinischer Praktika am Fall der Famulatur. Selbststrukturiertes Lernen erwies sich als wirkungsvolle Interventionsmöglichkeit. Jedoch scheint die Funktion der Famulatur den Studierenden ebenso wie eine Erwartung an diese gänzlich unklar womit sich ein großer Bedarf an didaktischer Unterstützung bekräftigt.

Take Home Message für die Praxis

Die Famulatur als klinisches Pflichtpraktikum kann durch eine Intervention welche das Selbststrukturierte Lernen befördert didaktisch aufgewertet werden.

Stichwörter: Famulatur, Selbstgesteuertes Lernen, Medizinstudium, Reflektion, Reflexion
17:54 V-17-03

Wie gut sind Studierende in der Kommunikation von Risiken? (#437)

M. Ehrhardt1, C. Bergelt2, O. Gröne3

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Hamburg, Deutschland
3 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, AG Auswahlverfahren,Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie, Hamburg, Deutschland

Hintergrund

Die Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist in der Öffentlichkeit in den Fokus gerückt. Gerade auch in der täglichen hausärztlichen Praxis spielt die Kommunikation von Nutzen und Risiken hinsichtlich Erkrankungsprognosen, Impfungen, Screenings oder  Interventionen eine große Rolle.

Fragestellung

Wie stark sind die Kompetenzen von Medizinstudierenden in Bezug auf die Kommunikation von Risiken ausgeprägt und durch welche Variablen werden diese beeinflusst?

Methoden

Im Rahmen einer vom BMBF geförderten Studie wurde an drei medizinischen Fakultäten in Hamburg, Heidelberg und Göttingen eine auf dem Arriba® Beratungstool zu Herz-Kreislauferkrankungen basierende OSCE-Station implementiert. 596 Studierende  absolvierten die OSCE-Station zwischen Juni 2019 und Juli 2020 und nahmen an einer anschließenden Befragung zur Selbsteinschätzung ihrer kommunikativen Kompetenzen in Bezug auf die Vermittlung von Risiken teil. Die kommunikativen Fertigkeiten wurden mittels eines neu entwickelten 16 Item-Ratingbogens beurteilt. Zusammenhänge zwischen Prüfungsergebnissen, Selbsteinschätzung, soziodemographischen Daten und anderen Variablen (z. Bsp. Abiturnoten) wurden untersucht

Ergebnisse

Trotz der verschiedenen Curricula an den beteiligten Fakultäten unterschieden sich die kommunikativen Fertigkeiten der Medizinstudierenden in Bezug auf die Risikokommunikation nicht. Die Studierenden erreichten im Mittel mit 73,5% der möglichen Höchstpunktzahl akzeptable Ergebnisse. Ihre objektive Leistung im OSCE korrelierte gering mit ihrer Selbsteinschätzung hinsichtlich der Fähigkeiten zur Risikokommunikation (Spearman-Rho = 0,16, p < 0,001). Die Prüfungsergebnisse hingen allerdings vom Alter und der Muttersprache, jedoch nicht vom Geschlecht oder der Abiturnote ab (p < 0.001).

Diskussion

Die Überprüfung von Fertigkeiten Medizinstudierender in der Risikokommunikation z. B. mittels Arriba® in einer OSCE ist bei unterschiedlichen curriculären Rahmenbedingungen und zu verschiedenen Studienzeitpunkten möglich. Studierende zeigen hinsichtlich der Risikokommunikationskompetenzen akzeptable Ergebnisse in der OSCE. Die Übereinstimmung zwischen Selbsteinschätzung und OSCE Ergebnissen ist jedoch eher schwach. Den in der Studie identifizierten Gruppen mit unterdurchschnittlichen Skills sollte ggf. maßgeschneiderte  Unterrichtsangebote gemacht werden.

Take Home Message für die Praxis

Die Fertigkeiten der Medizinstudierenden in Bezug auf die Kommunikation von Risiken sind akzeptabel aber verbesserungswürdig. Ggf. sollten spezielle Unterrichtsgebote für einzelnen Studierendengruppen gemacht werden

Stichwörter: Risikokommunikation, OSCE, Ausbildung
18:06 V-17-04

Der Facharzt für Allgemeinmedizin als Ergebnis der Entwicklungen der Wiedervereinigung? Eine qualitative Studie (#143)

F. Funk1, C. Borck2, J. Steinhäuser3

1 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
3 Universität zu Lübeck, IMGWF, Lübeck, Deutschland

Hintergrund

Die Entwicklungen vom „praktischen Arzt“ hin zum*r Facharzt*in für Allgemeinmedizin sind bisher aus der Perspektive der Geschichte der Medizin noch wenig bearbeitet worden.

Fragestellung

Ziel dieser Studie war es, die Entwicklungen, die zum bundesweiten Facharzt für Allgemeinmedizin geführt haben, zu explorieren.

Methoden

Ärztinnen und Ärzte aus der Bundesrepublik (BRD) Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden mittels eines teilstandardisierten Interviewleitfadens zu Ihren Erfahrungen in Bezug auf die Entwicklung des Facharztes für Allgemeinmedizin befragt. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden Interviews mit 28 Teilnehmer*innen durchgeführt, von denen 18% weiblich waren. Der in der DDR etablierte Facharzt für Allgemeinmedizin galt als Vorbild für den gesamtdeutschen Facharztbegriff. Bei den Verhandlungen über die Fusion der beiden Gesellschaften für Allgemeinmedizin spielte der Begriff eine wesentliche Rolle. In dem Prozess waren neben der Freude über die Wiedervereinigung, politische Differenzen, Existenzängste, Mangel an technischer Versorgung und auch Kritik an dem Facharztbegriff relevant.

Diskussion

Zwar mit gestärktem Selbstbewusstsein wird dennoch bis heute um Anerkennung des Facharztes für Allgemeinmedizin gerungen. Differenzen mussten überwunden werden, um eine Facharztweiterbildung zu erlangen. Dabei wirkt das ehemalige Gefühl der Inferiorität und Ausgrenzung möglicherweise bis zum heutigen Tag auf die Allgemeinmedizin und auf die Nachwuchsgenerierung aus. Somit ist es für die Zukunft wichtig, auch historischen Wurzeln näher zu beleuchten.

Take Home Message für die Praxis

Die Fusion von West- und Ostdeutschland war ein Meilenstein in der Entwicklung des Facharztes für Allgemeinmedizin. Ob es ohne die Wende überhaupt eine Einführung des Facharzttitels bundesweit gegeben hätte, ist fraglich.

Stichwörter: Allgemeinmedizin, Medizingeschichte, Weiterbildungsentwicklung
18:18 V-17-05

Freizeitverhalten von Humanmedizinstudierenden (#169)

A. Kühhirt1, K. Götz1, K. Grienitz1, J. Steinhäuser1

1 Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Die Freizeitgestaltung von Medizinern ist sowohl bei der Karriereplanung als auch in Bezug auf die psychische Gesundheit hochrelevant. Es hat zudem Einfluss auf die Lebensplanung[1]. Freizeitverhalten als Ressource gegen Burn-Out/ Depression könnte daher die medizinische Versorgung wie auch den Ort des Praktizierens beeinflussen[2]. Trotzdem gibt es zu diesem Thema kaum Erhebungen.

 

1 KBV, Pressekonferenz 5.10.2016

 

[2] Yates SW. Physician Stress and Burnout. Am J Med. 2020 Feb;133(2):160-164. doi: 10.1016/j.amjmed.2019.08.034. Epub 2019 Sep 11. PMID: 31520624.

Fragestellung

Wie verbringen angehende Ärzt*innen ihre Freizeit und hat das Freizeitverhalten Einfluss auf die Absicht eine Tätigkeit in einer ländlichen Region aufzunehmen?

Methoden

Aus Erfahrungen der Autoren, einer Vorstudie und einer Literaturrecherche wurden Items zum Thema Freizeitverhalten formuliert, die zwischen 11/2020 und 03/2021 mittels Online-Befragung unter Medizinstudierenden in Deutschland abgefragt wurden. Neben einer deskriptiven Analyse erfolgte die Betrachtung der Einflussfaktoren durch eine binäre Regressionsanalyse auf den Ort des geplanten Praktizierens. Die Auswertungen basierten auf dem Statistikprogramm SPSS 26.0.

Ergebnisse

Es nahmen 1.559 Studierende (61% weiblich, Alter (MW): 24 Jahre (SD 4,1), Semester (MW): 6,4 (SD 3,2) von 23 Medizinischen Fakultäten an der Umfrage teil. Eine Tätigkeit in einer ländlichen Region konnten sich 21,2% (n= 331) der Befragten vorstellen. Restaurantbesuche, Aufsuchen eines Fitnessstudios und Besuch von Freunden fanden häufiger statt als Kino-, Theater- oder Opernbesuche. Die Bereitschaft Zeit in verschiedene Freizeitaktivitäten zu investieren war sehr hoch, angeführt davon Freunde zu treffen. Die Wahrscheinlichkeit sich ländlich niederzulassen, war u.a. durch Merkmale wie geringere Restaurant- oder Kinobesuche (OR 0,78 (KI 0,65; 0,94) bzw. OR 0,69 (KI 0,55; 0,86)) assoziert.

Diskussion

Die Ergebnisse könnten wichtige Hinweise für die Infrastruktur von Gemeinden in ländlichen Regionen liefern.

Take Home Message für die Praxis

Fehlende Theater- oder Opernhäuser sind völlig überschätzt als Faktoren im Zusammenhang mit dem Ärztemangel.

Stichwörter: Freizeitverhalten, Mediziner, Versorgungsauftrag