DEGAM 2021
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Vortrag - Aus- und Weiterbildung (Live)

Moderatoren: Gehrke-Beck , Sabine , Dr. (Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland); Bandorski , Thomas , Dr. med. (Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland)
 
Shortcut: V-16
Datum: Freitag, 17. September 2021, 15:30 - 17:00
Raum: Audimax Seminarraum 3
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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15:30 V-16-01

Praxissoftware, Internetrecherchen und Gesundheitsapps- was können Studierende in unseren Praxen zur Digitalisierung lernen? (#163)

S. Gehrke-Beck1, U. Sonntag1

1 Charité- Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund

Kompetenzen im Bereich Digitalisierung sollen als neue versorgungsrelevante Lerninhalte ins Medizinstudium integriert und zum Teil in der aktualisierten Version des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) verankert werden. In den Hausarztpraxen ist digitale Medizin bereits Teil des Alltags: die Nutzung einer Praxissoftware, Patient*innen, die sich im Internet informieren oder die eigene Weiterbildung über digitale Medien. Auch Entwicklungen wie der elektronische Arztbrief, e-Verordnungen oder digitale Gesundheitsanwendungen sind Themen, mit denen Hausärzt*innen konfrontiert sind.

Fragestellung

Welche Inhalte aus dem Themenkomplex Digitalisierung werden bereits oder sollen und können künftig in Hausarztpraxen im Rahmen von Lehrformaten (Blockpraktikum, Praktisches Jahr, Wahlpflicht) vermittelt werden?

Methoden

Aus den Lernzielen nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie und den zum Teil korrespondierenden Lernzielen des NKLM wurden elf Lernziele identifiziert, die in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen potentiell vermittelbar sind. In mehreren 90minütigen Didaktik-Workshops mit Lehrärzt*innen wird diskutiert, welche Aspekte im Lehralltag in der Praxis bereits vermittelt werden oder sinnvoll vermittelbar sind.

Ergebnisse

Im Nachgang zu den Workshops werden Lernziele aus dem Bereich Digitalisierung direkt in die bestehenden Lehrformate implementiert. Material zur Umsetzung dieser Lernziele wird allen Lehrärzt*innen zur Verfügung gestellt. Andere Lernziele können für die entstehenden Curricula der zusätzlichen Blockpraktika der neuen Approbationsordnung vorgesehen werden.

Diskussion

Durch die partizipative Abstimmung der Implementierung von praxisrelevanten Lerninhalten im Bereich Digitalisierung und konkrete Umsetzungsstrategien werden Lehrärzt*innen einbezogen und unterstützt, diese Lernziele in der Praxis an die Studierenden zu vermitteln.

Take Home Message für die Praxis

Kompetenzen im Bereich Digitalisierung können in den klinischen Formaten der Allgemeinmedizin durch partizipativ entwickelte Umsetzungsstrategien sinnvoll vermittelt werden. Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium und Integration von Lerninhalten zu Digitalisierung gehen somit Hand in Hand.

Stichwörter: Ausbildung, Qualifizierung von Lehrärzt*innen, Digitalisierung
15:42 V-16-02

Möglichkeiten der Anwendung von PKP-Sprechstundenkarten zur Depressionsbehandlung in der Hausarztpraxis – eine Machbarkeitsstudie (#201)

L. M. Bräunling1, M. Krauthausen1, Y. Kaußner1, A. Simmenroth1

1 Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Sulz & Deckert (2012) haben im Rahmen der Psychiatrischen Kurz-Psychotherapie (PKP) Interventionsmaterial in Form von Sprechstundenkarten zur Depressionsbehandlung entwickelt. Ihre Wirksamkeit wurde im Bereich der ambulanten Psychotherapie bereits bestätigt. Die Diagnose einer Depression und erste Behandlungsschritte werden in der Praxis jedoch sehr häufig durch Hausärzt*innen vorgenommen. Der Einsatz der Sprechstundenkarten durch Hausärzt*innen wurde bislang nicht untersucht.

Fragestellung

Es soll geprüft werden, ob Hausärzt*innen Bedarf für den Einsatz der Sprechstundenkarten zur Depressionsbehandlung sehen und sie im Sprechstundenalltag integrieren können.

Methoden

Im Sinne einer Machbarkeitsstudie wurde der Einsatz ausgewählter PKP-Sprechstundenkarten im hausärztlichen Setting evaluiert. Die 89 Lehrpraxen des Würzburger Institutes für Allgemeinmedizin wurden zur Studie eingeladen. Zu Studienbeginn wurden 13 Hausärzt*innen zur Theorie und praktischen Anwendung der Karten (Psychoedukation, Fertigkeitstraining) geschult. Es wurden Fragebögen eingesetzt, um Fallzahlen und Behandlungsstrategien im Prä-post-Vergleich zu erfassen. Am Ende der Studie fand eine Fokusgruppe statt.

Ergebnisse

Von September 2020 bis April 2021 wurden bisher 32 Patient*innen mit den PKP-Sprechstundenkarten behandelt. Die Fragebogendaten vor Interventionsbeginn zeigen, dass unter allen Konsultationen ca. 10% der Patient*innen eine Depression beschrieben. Die Befragten berichteten, dass der Bedarf einer hausärztlichen Versorgung von Patienten mit einer Depression „sehr groß“ sei (m = 3,93, sd = 0,27; 0 = „keine“ - 4 = „volle“ Zustimmung). Rückmeldungen aus der Fokusgruppe (8 Teilnehmer*innen) zeigten, dass die Arbeit mit den Karten überwiegend als hilfreich und strukturierend erlebt wurde.

Diskussion

Eine selbstselektierte Gruppe von Hausärzt*innen profitiert von strukturierendem Therapiematerial für depressive Patient*innen. Welchen Stellenwert z.B. psychotherapeutische Vorerfahrungen, Motivation und Schulungen auf die Arbeit mit den Karten haben, ist Gegenstand weiterer Auswertungen.

Take Home Message für die Praxis

Die überbrückende Behandlung depressiver Patient*innen hat einen hohen Stellenwert in der hausärztlichen Versorgung. Der Einsatz der PKP-Sprechstundenkarten durch Hausärzt*innen kann hierbei unterstützend eingesetzt werden.

Stichwörter: Depression, PKP, Allgemeinmedizin
15:54 V-16-03

Welche Faktoren spielen eine Rolle in der Entstehung von Motivation zu Lernen in Medizinstudierenden des fünften Studienjahres in einem kompetenzorientierten blended-learning Curriculum in der Allgemeinmedizin an der Universität des Saarlandes (#220)

C. Bopp1, A. Salzmann1, S. Willems1, J. Jäger1, F. Dupont1

1 Universität des Saarlandes, Zentrum Allgemeinmedizin, Homburg, Saarland, Deutschland

Hintergrund

Die Steigerung der Motivation von Studierenden gilt als wichtiger Ansatzpunkt zur Verbesserung der universitären Lehre. Ein hohes Maß an intrinsischer, also die vom Studenten selbst ausgehender Motivation, geht mit einer sehr guten akademischen Leistung einher. Darüber, welche Faktoren in einem Kurs hierauf Einfluss nehmen, ist wenig bekannt.

Fragestellung

Die qualitative Studie untersucht im Rahmen eins kompetenzorientierten blended-learning Curriculums an der Universität des Saarlandes, welche Faktoren sich auf die Motivation der Studenten auswirken und betrachtet, inwiefern sich die Möglichkeiten, Motivation zu stärken, für die individuellen Lern- und Studententypen unterscheiden.

Methoden

Während des Wintersemesters 20-21 wurden zwei Fokusgruppeninterviews durchgeführt. Bewusstes Sampling wurde anhand quantitativen Lerntypeneinteilungen (Assist-Fragebogen) durchgeführt. Es wurden konkrete Aspekte diskutiert, welche die Motivation positiv oder negativ beeinflussten. Die Ergebnisse der Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse mittels MAXQDA analysiert. Peer-debriefing sowie member-checking wurden durchgeführt.

Ergebnisse

Unabhängig von dem Ursprungsinteresse oder des Lerntyps, konnten drei zentrale Aspekte identifiziert werden.

  1. Der strukturelle Aufbau, welcher durch eine klare inhaltliche und zeitliche Orientierung sowie ausreichend Flexibilität das Lernengagement positiv beeinflusst.
  2. Durch die emotionale Ebene werden Inhalte in einem persönlicheren, lebendigeren Kontext dargestellt. Besonders die Einbindung von erfahrenen, passionierten Dozenten schien hierfür eine wichtige Rolle zu spielen.
  3. Die persönliche geistige Bereicherung, wie der Zugewinn an empfundener Kompetenz, welcher durch den Kurs gefördert wurde.

Diskussion

Motivation scheint ein wichtiger Vorhersageparameter für studentisches Lernen zu sein. Wir hatten ursprünglich die Annahme, dass sich motivierende Faktoren zwischen den Lerntypen unterscheidet. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Studierenden aller Lerntypen sich auf oben genannte Punkte einigen konnten. Ihre Begründung für diese Motivationsquelle unterschied sich jedoch deutlich.

Take Home Message für die Praxis

Für Lehrverantwortliche ist es wichtig zu wissen, dass ihr Einfluss auf die Motivation der Studenten sehr groß sein kann, sogar auf Studierende, die zu Beginn des Kurses wenig Interesse zeigen. Mit Hilfe von konkreten Beispielen gibt diese Studie eine Orientierung, was es zu beachten gilt.

Stichwörter: Motivation zu Lernen, Medizindidaktik im Studium, Qualitative Inhaltsanalyse, Kompetenzorientiertes Blended-learning in der Allgemeinmedizin, Medizindidaktik
16:06 V-16-04

Simulationspatient*innen in der Online-Lehre als Vorbereitung auf die Telemedizin? (#229)

T. Bandorski1, C. Wünscher1, B. Lubbe1, B. Woestmann1, H. C. Vollmar1

1 Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland

Hintergrund

In der Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität-Bochum (AM RUB) erfolgt seit dem Wintersemester 2019/20 der Einsatz von Simulationspatient*innen in der Präsenzlehre der Seminarreihe Allgemeinmedizin im 7. Semester. Bedingt durch die Covid-19-Pandemie wurde dieser Unterricht im Wintersemester 2020/21 am Standort Ostwestfalen-Lippe auf ein Onlineformat umgestellt.

Fragestellung

Wie bewerten Studierende den Einsatz von Simulationspatient*innen (SP´s) in Onlineformaten vor dem Hintergrund zunehmender Bedeutung der Telemedizin?

Methoden

Es erfolgte eine anonymisierte Onlinebefragung am Ende des 7. Semesters im Seminar Allgemeinmedizin am Standort Minden (OWL). Das Seminar umfasst 1 SWS, 3 von 7 Terminen wurden mit SP`s gestaltet. In zwei Ja/Nein-Fragen und 5 Fragen mit Antwortmöglichkeiten von 1 – 6 (Schulnoten) wurde die Einschätzung der Studierenden zum Einsatz von SP's in der Onlinelehre und dessen Relevanz für die Telemedizin erfragt.

Ergebnisse

Die Rücklaufquote betrug 100 % (n=58). 85 % der Studierenden gaben an, dass der Einsatz von SP`s in der Onlinelehre für ihre zukünftige ärztliche Entscheidungsfindung wertvoll sei. 71% würden Kleingruppenunterricht für die Arbeit mit Simulationspatienten bevorzugen. Der Einsatz der SP´s in der Onlinelehre bringe Praxisnähe (MW 2,6) und bereite auf den Praxisalltag vor (MW 3,0). Im Hinblick auf die absehbar vermehrte ärztliche telemedizinische Tätigkeit wurde der Einsatz von SP´s im Rahmen der Seminare von den Studierenden mehrheitlich positiv bewertet (MW 2,5).

Diskussion

Durch die COVID-19-Pandemie fehlt den Studierenden seit einem Jahr weitgehend die Praxisnähe und die Schulung praktischer Fertigkeiten. Zur Kompensation wurde der erfolgreiche Einsatz von SP´s in der Präsenzlehre nun auch in die Onlinelehre übertragen. Dies wurde von den Studierenden als hilfreiche Unterrichtsergänzung empfunden.

Take Home Message für die Praxis

Im Hinblick auf den zunehmenden Einsatz von Telemedizin sollten - unabhängig von Pandemie-bedingten Sachzwängen - Unterrichtsformate entwickelt werden, die mit Hilfe des Online-Einsatzes von SP’s eine realitätsnahe Vorbereitung auf den telemedizinischen Praxisalltag bieten und die Limitationen des Mediums kritisch reflektieren.

Stichwörter: Simulationspatienten, Onlinelehre, Telemedizin
16:18 V-16-05

Professionalisierung und Burnout in der Weiterbildung Allgemeinmedizin – Analyse des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) (#245)

M. Olm1, M. Roos2, 7, A. Hapfelmeier1, 3, D. Schneider4, 7, J. Gensichen5, 7, P. O. Berberat6, A. Schneider1, 7

1 Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Bayern, Deutschland
2 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland
3 Technische Universität München, Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie, München, Bayern, Deutschland
4 Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
5 LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
6 Technische Universität München, TUM Medical Education Center, Lehrstuhl für Medizindidaktik, medizinische Lehrentwicklung und Bildungsforschung, München, Bayern, Deutschland
7 Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB), Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Im Jahr 2017 wurde das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) gegründet, um die Qualität der fachärztlichen Weiterbildung durch das zusätzliche Angebot von Seminar- und Mentoring-Programmen sowie regelmäßig für Dozierende durchgeführte „Train the Trainer“ und Mentoring-Fortbildungen, zu erhöhen. Darüber hinaus haben die Ärzt*innen in Weiterbildung (ÄiW) die Möglichkeit, ihre Weiterbildung in einem regionalen Verbund zu absolvieren.

Fragestellung

Ziel war die Erfassung der Professionalisierung und des Ausmaßes von Burnout bei in das KWAB eingeschriebenen ÄiW.

Methoden

Dazu wurde eine Querschnittserhebung durchgeführt. Eine Abschätzung der Burnout-Belastung erfolgte mit dem Maslach Burnout Inventory (MBI). Die ambulante Professionalisierung wurde anhand der Professionalitäts-Skala Deutschland (Pro-D) erhoben. Die statistische Signifikanz der Gruppenunterschiede wurde mittels nichtparametrischer Tests berechnet. Eine multivariable lineare Regressionsmodellierung wurde durchgeführt, um den unabhängigen Einfluss von Professionalisierung, Jahr der Weiterbildung und Teilnahme an einer Verbundweiterbildung auf das Ausmaß von Burnout zu schätzen.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 368 Ärzt*innen in ambulanter Weiterbildung eingeladen, wovon 197 (53,4%) in unsere Analysen einbezogen werden konnten. Höhere Professionalisierungs-Scores waren auf fast allen Pro-D-Skalen signifikant (p≤0,05) mit geringeren Werten hinsichtlich emotionaler Erschöpfung und Depersonalisierung und höheren Werten hinsichtlich persönlicher Leistungsfähigkeit assoziiert. ÄiW mit Verbundweiterbildung zeigten höhere Professionalisierung gegenüber Patienten (p=0,031), anderen Ärzte*innen (p=0,012) und der Gesellschaft (p=0,007) sowie höhere persönliche Leistungsfähigkeit (p<0,05).

Diskussion

Eine frühzeitige und effiziente Professionalisierung könnte ein Schlüssel zur Reduzierung von Burnout in der Weiterbildung Allgemeinmedizin und bei der Etablierung einer erfolgreichen Karriereentwicklung als Hausarzt/Hausärztin sein. Daher sind Anstrengungen zur Verbesserung der Ausbildung in einer planmäßigen und curricularen Lernumgebung notwendig, um die Professionalisierung zu fördern. „Train the Trainer“ und Mentoring-Konzepte sollten feste Bestandteile der Weiterbildung Allgemeinmedizin sein.

Take Home Message für die Praxis

Ein verstärktes Engagement in der Medizindidaktik sollte eine Voraussetzung für die Akkreditierung als Ausbildungspraxis für Weiterbildungsassistent*innen sein. Eine flächendeckende Verbundweiterbildung könnte dazu beitragen, attraktive hausärztliche Weiterbildungsprogramme anzubieten und den Hausärztemangel zu lindern.

Stichwörter: Weiterbildung, Burnout, Professionalisierung, regionale Verbundweiterbildung, Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern
16:30 V-16-06

Einstellung, Determinanten und fachbezogene Voraussetzungen zur Ausbildung Medizinstudierender in der fachspezialistischen ambulanten Versorgung – eine qualitative Untersuchung (#251)

M. H. S. Hesse1, J. Bleidorn1, A. Gläser1, S. Schulz1

1 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Thüringen, Deutschland

Hintergrund

Mit der neuen ÄApprO erfolgt eine stärkere Gewichtung der Lehre im ambulanten Setting, sowohl im primärärztlichen als auch fachspezialistischen Bereich. Bisher liegen kaum Erfahrungen und Erkenntnisse zu Einstellungen fachspezialistischer Lehrpersonen und damit verknüpften Voraussetzungen und Rahmenbedingungen studentischer Lehre vor.

Fragestellung

Es soll untersucht werden, welche Einstellung und Lehrmotivation niedergelassene Fachspezialist*innen zur Ausbildung Medizinstudierender in ihrer Praxis haben, welche Determinanten diese beeinflussen und welche fachbezogenen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen gegeben sind.

Methoden

Im Zeitraum 09/2020 bis 05/2021 wurden 15 leitfadengestützte Interviews mit niedergelassenen Fachspezialist*innen in Thüringen durchgeführt. Ein halbstandardisierter Leitfaden wurde neu entwickelt und in einem Probeinterview pilotiert. Anhand eines Begleitfragebogens wurden sozio-demographische Daten erhoben.
Nach Transkription und Pseudonymisierung der Interviews folgte mittels deduktiv-induktivem Verfahren die Entwicklung eines Codebaums, sowie anschließend eine inhaltsanalytische Auswertung nach Kuckartz mit dem Programm MAXQDA.

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der Analyse weisen darauf hin, dass der Verdienstausfall durch Zeitaufwendung eine der größten Hürden ist, jedoch monetäre Vergütung keine Schlüsselposition unter den Motivatoren einnimmt. Faktoren wie Wertschätzung, etablierte Feedbacksysteme, kurze Wege und persönliche Kommunikation stellen relevante Anreize dar. Als Motivator wird häufig das Bedürfnis genannt, das „seit Jahrzehnten falsche Bild der ambulanten Medizin“ gerade rücken zu wollen, sowie die Sorge um den fehlenden Nachwuchs. Die Analyse wird bis Juli abgeschlossen, finale Ergebnisse werden auf dem Kongress präsentiert.

Diskussion

Die Ergebnisse benennen Einflussfaktoren, anhand derer die Bereitschaft niedergelassener Fachspezialist*innen zur Ausbildung Studierender in der eigenen Praxis gesteigert werden können und zeigen Hürden auf, an deren Berücksichtigung bei der zukünftigen Akquirierung von Lehrärzt*innen gedacht werden muss. Perspektivisch könnte anhand der Erkenntnisse ein quantitativer Fragebogen zur Befragung einer breiten Stichprobe entwickelt werden.

Take Home Message für die Praxis

Zur Akquirierung fachspezialistischer Praxen für studentische Lehre bedarf es einer wertschätzenden und engen Zusammenarbeit zwischen universitären Instanzen und den niedergelassenen Fachärzt*innen. Außerdem sollten die spezifischen Motivationen und Bedingungen der Praxen Berücksichtigung finden.

Stichwörter: Masterplan Medizinstudium 2020, neue ärztliche Approbationsordnung (ÄApprO), ambulante Lehre, Lehrmotivation, niedergelassene Fachspezialist*innen