DEGAM 2021
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Vortrag - Zukunftsfähige Versorgungskonzepte (Live)

Moderatoren: Mergenthal , Karola , Dr. rer. med. (Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt, Deutschland); Tetzlaff , Britta , Dr. rer. biol. hum. (Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland)
 
Shortcut: V-14
Datum: Freitag, 17. September 2021, 15:30 - 17:00
Raum: Audimax Hörsaal 1
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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15:30 V-14-01

Wie erleben Angehörige von Menschen mit Demenz den Besuch beim Hausarzt? – Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie (#139)

M. Ehm1, S. Bösner1, V. van der Wardt1

1 Philipps-Universität Marburg, Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland leben ca. 1,6 Mio. Menschen mit einer Demenzerkrankung. Hausärzte übernehmen als zentrale Ansprechpartner eine wichtige Rolle in der Betreuung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Gleichwohl werden nicht alle Versorgungsbedarfe der Angehörigen von ihren hausärztlichen Ansprechpartnern abgedeckt.

Fragestellung

Was erwarten sich pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz von ihrem Hausarzt / ihrer Hausärztin? Wie erleben sie den Kontakt zu ihrem Hausarzt / ihrer Hausärztin?

Methoden

Die Studie umfasst 20 leitfadenbasierte Einzelinterviews mit pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz. Die Rekrutierung erfolgte hessenweit über Alzheimergesellschaften, Gedächtnisambulanzen und Hausarztpraxen. Die Interviews wurden wortgetreu transkribiert und mit Hilfe der Thematischen Analyse unter Einsatz der Software MAXQDA ausgewertet.

Ergebnisse

Zurzeit sind noch nicht alle Interviews ausgewertet, endgültige Ergebnisse werden auf dem Kongress vorgestellt. Die zentralen Gesprächsthemen sind:

1.) Kommunikation - Das Verhältnis zum Hausarzt wird meist als vertrauensvoll beschrieben, Angehörige wünschen sich ein empathisches, verständnisvolles und zugewandtes Auftreten ihres Hausarztes.

 2.) Beratung zu Hilfsangeboten – Es besteht großer Beratungsbedarf in Bezug auf regionale Unterstützungsmöglichkeiten, dieser wird von den Hausärzten oft nicht (ausreichend) gedeckt.

3.) Hausärztliche Erreichbarkeit – Eine zügige und unbürokratische Anbindung an den Hausarzt wird als entlastend empfunden.

4.) Angehörigenentlastung – Unterstützung im Alltag erfahren Angehörige primär durch Angebote der Alzheimergesellschaften und Pflegedienste. Eine Entlastung durch Hausärzte erfolgt nur teilweise, z.B. in Form von Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit den Krankenkassen.

Diskussion

Die Ergebnisse unterstreichen den bereits bekannten hohen Beratungs- und Entlastungsbedarf von Angehörigen von Menschen mit Demenz. Die verständnisvolle, emotional unterstützende Haltung des eigenen Hausarztes kann für viele Angehörige ein wichtiger Stützpfeiler im Umgang mit der Erkrankung sein. Die Beratung hinsichtlich lokaler und regionaler Hilfsangebote sollte ausgebaut werden.

Take Home Message für die Praxis

Hausärzte sollten im Beratungsgespräch frühzeitig auf Unterstützungsmöglichkeiten und -angebote in ihrer Region verweisen, um die Angehörigen zu entlasten.

Stichwörter: Demenz, pflegende Angehörige, Primärversorgung, Hausarzt
15:42 V-14-02

interprof HOME: Entwicklung und Testung eines interprofessionellen personzentrierten Versorgungskonzeptes für in der Häuslichkeit lebende Patient*innen (Studiendesign) (#151)

A. Mazur1, C. Müller1, K. Balzer2, T. Friede3, L. Gärtner2, H. - H. König4, A. Konnopka4, S. Köpke5, I. Maurer7, T. Ruppel8, M. Scherer6, B. Tetzlaff6, C. Weber7, E. Hummers1

1 UMG, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Sektion für Forschung u. Lehre i. d. Pflege, Lübeck, Deutschland
3 UMG, Institut für Medizinische Statistik, Göttingen, Deutschland
4 UKE, Gesundheitsökonomie, Hamburg, Deutschland
5 UK Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Deutschland
6 UKE, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
7 GAU, Professur für Organisation und Unternehmensentwicklung, Göttingen, Deutschland
8 Kanzlei für Medizinrecht und Gesundheitsrecht, Lübeck, Deutschland

Hintergrund

Ambulant pflegebedürftige Menschen benötigen häufig eine komplexe Versorgung in ihrer Häuslichkeit. Die Abstimmung zwischen Pflegediensten, Hausärzt*innen, Therapeut*innen und pflegenden Angehörigen ist oft unzureichend, was die Patientensicherheit negativ beeinflussen kann. Aktuell erfolgen ca. 50 % der Krankenhausaufnahmen in dieser Patientengruppe auf Grund „ambulant-sensitiver“ Diagnosen.

Das Projekt wird durch den Innovationsfonds (GBA) mit Beginn 1. Mai 2021 gefördert.

Fragestellung

Entwicklung eines bedarfsorientierten, interprofessionellen patientenzentrierten Versorgungskonzeptes (interprof HOME) zur Vermeidung von Krankenhausaufnahmen und Inanspruchnahme von ungeplanten ärztlichen oder rettungsdienstlichen Leistungen sowie zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Patient*innen in der Häuslichkeit.

Methoden

In Phase eins wird mittels explorativen Mixed Methods-Ansatzes bestehend aus Fokusgruppen und Einzelinterviews mit den beteiligten Akteuren, Best Practice-Beobachtungen ärztlicher und pflegerischer Hausbesuche, Surveys und Expertenworkshops das interprofessionelle Versorgungskonzept entwickelt. Die Auswertung erfolgt inhaltsanalytisch (Fokusgruppen, Interviews, Expertenworkshops), deskriptiv (Survey) und fallbasiert inhaltsanalytisch (Best Practice Beispiele).

In Phase zwei wird das entwickelte Konzept in einem explorativen Cluster-RCT mit integrierter Machbarkeitsstudie evaluiert. Zielgröße ist unter anderem der Anteil der Patient*innen mit mindestens einer Krankenhausaufnahme innerhalb eines Jahres. Hierzu wird die Zielgröße in einem generalisierten linearen Modell mit gemischten Effekten modelliert. Die Prozessevaluation erfolgt durch deskriptive Statistik, qualitative vergleichende Fallanalyse (mit Modellierung der Abstimmungs- und Informationsprozesse) sowie Synthese quantitativer und qualitativer Daten mittels statistischer Modellierung. Die gesundheitsökonomische Evaluation umfasst neben einer Kosten-Effektivitäts-Analyse, eine Unsicherheitsanalyse sowie eine Budget-Impact-Analyse. Die Ergebnisse werden außerdem unter gesundheitsrechtlichen Aspekten evaluiert.

Ergebnisse

Erste Ergebnisse zu Phase eins werden ab September 2022 erwartet.

Diskussion

Das Studiendesign umfasst die Entwicklung und Testung eines zukunftsfähigen Versorgungskonzepts, das auf dem innovativen Ansatz einer strukturierten interprofessionellen Zusammenarbeit in der häuslichen Pflege basiert.

Take Home Message für die Praxis

Eine gestärkte interprofessionelle Zusammenarbeit bei pflegebedürftigen Patient*innen in der Häuslichkeit könnte zu einer Verbesserung der Versorgung führen.

Stichwörter: interprofessionelle Zusammenarbeit, Primärversorgung, ambulante Pflege, personzentriertes Versorgungskonzept
15:54 V-14-03

Was wünschen sich Hausarztpraxen im Forschungspraxennetz SaxoForN in Bezug auf die Durchführung von Forschungsprojekten? (#183)

K. Mergenthal1, A. A. Klein2, K. Voigt2, J. Petermann2, F. M. Gerlach1, J. Engler1

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Ein Forschungspraxennetz bildet die Grundlage für qualitativ hochwertige allgemeinmedizinische Forschung. Erfolgsvoraussetzung ist eine langfristige Bindung und Teilnahme der allgemeinmedizinischen Praxen an Forschungsprojekten, sowie ein partizipativer Einbezug der Beteiligten. Wie dies gut gelingen kann, haben wir mit hausärztlichen Praxenteams im Rahmen von zwei Fortbildungstreffen im Forschungspraxennetz Allgemeinmedizin Dresden/Frankfurt am Main (SaxoForN) diskutiert.

Fragestellung

Wie und in welcher Frequenz wünschen sich Forschungspraxen Informationen zu Teilnahmemöglichkeiten an Forschungsprojekten? Welche organisatorischen Bedarfe formulieren die Praxenteams?

Methoden

Im Rahmen von zwei digitalen Fortbildungsveranstaltungen in SaxoForN wurden die Fragestellungen in neun Kleingruppen von Hausärzt*innen und Medizinischen Fachangestellten diskutiert und durch Wissenschaftler*innen schriftlich protokolliert. Mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse erfolgte eine Auswertung unter Mithilfe des Programmes MAXQDA Version 18.

Ergebnisse

Insgesamt 48 Personen nahmen an den Fortbildungsveranstaltungen teil (37 Hausärzt*innen, 11 MFA). Die meisten der Teilnehmer*innen wünscht sich die Kontaktaufnahme per E-Mail (Dringendes per Telefon) in maximal monatlicher, idealerweise 2-3-monatlicher Frequenz. Die Praxen wünschen sich, dass der Aufwand einer Forschungsprojektteilnahme vorab deutlich kommuniziert wird, so dass klar ist, worauf sie sich einlassen. Wichtig ist auch, dass einerseits die Ärzt*innen entlastet werden (an MFA delegierbare Aufgaben) und andererseits der (bürokratische) Aufwand gut zu bewältigen ist. Für die Praxen ist wichtig, dass transparent beschrieben wird, wer das Forschungsprojekt durchführt (SaxoForN oder Andere) und dass die aktuelle Arbeitslast bei der Projektumsetzung Berücksichtigung findet.

Diskussion

Regelmäßige Mitteilungen im mindestens quartalsweisen Rhythmus mit ausführlichen Informationen zu aktuellen Projekten und Ergebnisberichten sind für die Praxen wünschenswert. Bei Projekteinladungen sollte die Rolle der Forschungseinrichtung, der Aufwand für die Praxen und die Möglichkeiten der Delegation ausführlich dargestellt werden. Der Einbezug eines Praxisbeirats (Hausärzt*innen und MFA) in die Planung des Projektablaufes hilft dabei die Arbeitsbelastung in den Hausarztpraxen zu berücksichtigen.

Take Home Message für die Praxis

Praxen im Forschungspraxennetz SaxoForN fordern transparente Projektinformationen und möchten an Projekten des Forschungspraxennetzes teilnehmen, wenn der Aufwand klar ist und die aktuelle Arbeitsbelastung in den Hausarztpraxen berücksichtigt wird.

Stichwörter: Forschungspraxennetz, Hausarztpraxenteams
16:06 V-14-04

Die Rolle von Medizinischen Fachangestellten in der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen in hausärztlichen Praxen (#198)

B. Tetzlaff1, T. Kloppe1, B. Erdur1, C. Mews1, T. Zimmermann1, M. Scherer1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Hamburg, Deutschland

Hintergrund

Bei Patient:innen in der hausärztlichen Versorgung zählen neben den medizinischen häufig auch soziale Probleme, wie z.B. Probleme bei der Arbeit oder Einsamkeit, zu den Beratungsanlässen.

Verschiedene Professionen, insbesondere die Soziale Arbeit, halten für unterschiedliche soziale Problemlagen ein Hilfesystem mit umfassenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten vor. Eine Kooperation zwischen den beteiligten Professionellen im Sozialen Hilfesystem und in der hausärztlichen Praxis findet bisher jedoch nur in Ausnahmefällen statt. Daher wünschen sich Hausärztin:nen mehr Kontakte zu Ansprechpersonen in entsprechenden Institutionen.

Unklar ist, welche Rolle die Medizinischen Fachangestellten (MFA) in der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen aktuell einnehmen und zukünftig einnehmen könnten.

Fragestellung

Wie sehen MFA ihre aktuelle und zukünftige Rolle in der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen in der hausärztlichen Praxis?

Methoden

Es wurden 14 leitfadengestützte Einzelinterviews mit MFA aus 11 hausärztlichen Praxen in Hamburg geführt. Die Datenauswertung erfolgte mit der „inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse“.

Ergebnisse

Die aktuelle Rolle von MFA in der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen in hausärztlichen Praxen ist abhängig von verschiedenen Faktoren: u.a. Alter und Diagnose der Patient:innen, Dauer der hausärztlichen Betreuung, selbst angeeignetes Wissen, Zeit und Zusammenarbeit im Praxisteam. Zukünftig können sich die befragten MFA nach geeigneter Schulung vorstellen, eine prominentere Rolle bei der Versorgung einzunehmen, sehen allerdings die Zeit als einen limitierenden Faktor.

Diskussion

MFA können aus ihrer Perspektive eine Beratungs- und Verweisungsfunktion bei Patient:innen mit sozialen Problemen einnehmen, und somit in der interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen Praxen und sozialen Hilfesystem einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung leisten.

Take Home Message für die Praxis

Aktuell sind MFA abhängig von personen- und praxisbezogenen Faktoren an der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen beteiligt. Eine strukturierte Beteiligung findet allerdings nicht statt. Bei der Versorgung von Patient:innen mit sozialen Problemen sollten MFA in den Unterstützungsprozess miteinbezogen werden.

Stichwörter: hausärztliche Versorgung, interprofessionelle Zusammenarbeit, Soziale Arbeit, Medizinische Fachangestellten, qualitative Forschung
16:18 V-14-05

Improve Mental Health: Studie zur Förderung der Gesundheit geflüchteter Familien (#203)

K. Lukaschek1, D. Rösgen1, H. C. Vollmar2, N. Chikhradze2, M. Heßbrügge3, A. Dehnen3, O. Chehadi4, K. Konietzny4, V. Pflug4, J. Gensichen1, S. Schneider4

1 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Abteilung Allgemeinmedizin, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Universitätsmedizin Essen, Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
4 Ruhr-Universität Bochum, Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland sind rund 1,8 Millionen Schutzsuchende registriert. Ein Großteil stammt aus Syrien und dem Irak, darunter etwa 30% Kinder im Alter von sechs Jahren oder jünger. Etwa 50% sind von psychischen Problemen betroffen, z.B. Depressionen, Angstzuständen oder posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Kinder von Eltern mit psychischen Problemen sind eine besonders vulnerable Gruppe.

Fragestellung

Dieses vom BMBF geförderte Forschungsprojekt hat zum Ziel, die psychische Gesundheit in geflüchteten Familien mit jungen Kindern zu verbessern. In einer randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie sollen psychisch belastete Eltern über den Hausarzt eine Intervention mit Elementen der Psychoedukation und einem Elternprogramm erhalten, deren Wirksamkeit mit der Standardbehandlung verglichen wird.

Methoden

Die Patienten werden nach Einschluss per Zufall entweder der 10-wöchigen Improve-MH-Behandlung oder der Standardbehandlung durch den Hausarzt zugewiesen. Die Intervention besteht aus drei Aspekten (4 Sitzungen beim Allgemeinmediziner, online Eltern-Erziehungsprogramm Triple-P und regelmäßige Telefonate). Die primären Endpunkte sind die Erziehungskompetenz sowie die psychische Gesundheit der Eltern und ihrer Kinder. Alle primären Endpunkte werden prä (T0) und post (T1) sowie im 6- (T2) und 12-Monate Follow-Up (T3) mittels strukturierter diagnostischer Interviews und Fragebögen erfasst.
Es werden mixed modells berechnet, um die Veränderungen der primären Endpunkte von prä- (T0) zu post- (T1) und Follow-Up (T2, T3) zwischen den Gruppen zu vergleichen und Kovariaten zu untersuchen.

Ergebnisse

Die Studie befindet sich in der Rekrutierungsphase. Erste Ergebnisse könnten im September vorliegen.

Diskussion

Die Ergebnisse anderer Studien legen nahe, dass eine Praxisteam-gestützte niedrigschwellige Intervention beim Hausarzt die psychische Gesundheit der Patienten verbessern kann. Allerdings sind Vergleiche nur bedingt möglich, da die Patientenkollektive sehr unterschiedlich sind. Triple P ist eines der wenigen evidenzbasierten Elternprogramme. Für diese Studie wurde erstmals eine Arabische Version entwickelt und implementiert.

Take Home Message für die Praxis

Niedrigschwellige Therapieangebote auf Hausarztebene für geflüchteten Eltern mit psychischen Erkrankungen können auch die Lebensqualität und Gesundheit der Kinder verbessern.

Stichwörter: Hausärztliche Versorgung, psychische Gesundheit, Niedrigschwelliges Angebot in der Primärmedizin, online Eltern-Erziehungsprogramm Triple-P, Flüchtlingsfamilien
16:30 V-14-06

Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit sozialen Problemen in der hausärztlichen Praxis -Eine qualitative Studie zu den Erfahrungen mit und Perspektiven der interprofessionellen Zusammenarbeit von Hausärztinnen und Hausärzten mit sozialen Beratungseinrichtungen (#213)

T. Kloppe1, B. Tetzlaff1, C. Mews1, T. Zimmermann1, M. Scherer1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Hamburg, Deutschland

Hintergrund

In der hausärztlichen Versorgung treten soziale Probleme (Kapitel Z: ICPC-3 und ICD-11) oft zusammen mit medizinischen Symptomen auf. Soziale Probleme können den Krankheits- und Behandlungsverlauf beeinflussen, sich negativ auf Aktivität und Teilhabe auswirken und zu Komorbiditäten führen. Hausärztinnen und Hausärzte wünschen sich professionelle Unterstützung bei der Bearbeitung sozialer Probleme durch das soziale Versorgungssystem. Kooperationen sind jedoch bisher seltene Ausnahmen.

Fragestellung

Welche sozialen Probleme verursachen den größten Beratungsbedarf in der hausärztlichen Sprechstunde? Welche sozialen Beratungseinrichtungen könnten eine spezifische Unterstützung leisten? Wie könnte eine gelingende Kooperation zwischen hausärztlichen Praxen und sozialen Beratungseinrichtungen aussehen?

Methoden

Wir führten eine sequenzielle qualitative Studie, bestehend aus vier monoprofessionellen und zwei multiprofessionellen Fokusgruppen mit 16 Hausärztinnen und Hausärzten und 19 Professionellen des sozialen Hilfesystems durch.

Ergebnisse

Hausärztinnen und Hausärzte sehen sich als feste Ansprechpersonen, beim Umgang mit sozialen Problemen ihrer Patientinnen und Patienten. Bei beratungsintensiven sozialen Problemen äußerten sie den Wunsch nach Unterstützung. Professionelle aus dem sozialen Beratungseinrichtungen äußerten den klaren Willen, diese Unterstützung zu leisten. Wir identifizierten neun Ideen für eine zukünftige Zusammenarbeit: 1) Verzeichnis oder Website der sozialen Einrichtungen, 2) Überweisungen an das soziale Hilfesystem, 3) Kontakt/Hotline zu lokalen sozialen Einrichtungen, 4) Teilnahme an Treffen der sozialen Einrichtungen, 5) Beratung durch soziale Einrichtungen in der Praxis, 6) Implementierung in Aus- und Weiterbildung, 7) Verwendung von Flyern und Plakaten der sozialen Einrichtungen, 8) Einbindung von MFA und 9) Zugang zu Ehrenamtlichen.

Diskussion

Hausärztinnen und Hausärzte sowie Professionelle des sozialen Hilfesystems sind sich einig, dass sie bei sozialen Beratungsanlässe stärker zusammenarbeiten möchten. Zahlreiche Ideen wurden gemeinsam formuliert und gelingende sowie förderliche Faktoren identifiziert. Darauf aufbauend können und müssen strukturelle Voraussetzungen auf lokaler sowie institutioneller Ebene geschaffen werden.

Take Home Message für die Praxis

Hausärztinnen und Hausärzte könnten und sollten durch die gezielte lokale Vernetzung mit lokalen sozialen Beratungseinrichtungen Patientinnen und Patienten mit sozialen Problemen frühzeitig in die soziale Beratung überführen, ihren Praxisalltag entlasten und eskalierende Verläufe reduzieren.

Stichwörter: soziales Versorgungssystem, soziale Determinanten von Gesundheit, interprofessionell, Sozialmedizin, Soziale Arbeit