DEGAM 2021
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Vortrag - Zukunftsfähige Versorgungskonzepte (Live)

Moderatoren: Poeck , Juliane , M.Sc. (Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland); Kosilek , Robert , Dr. med. (Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland)
 
Shortcut: V-12
Datum: Freitag, 17. September 2021, 11:30 - 13:00
Raum: Audimax Seminarraum 1
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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11:30 V-12-01

Bayerischer ambulanter Covid-19 Monitor (BaCoM): eine Registerstudie (#80)

I. Zöllinger1, L. Sanftenberg1, H. Kosub1, E. Seydel1, D. Lindemann1, A. Hausen2, K. Mayr3, A. Nassehi3, C. Janke4, M. Hoelscher4, I. Gagyor5, S. Hueber6, T. Kühlein6, D. Teupser8, M. Rottenkolber1, T. Dreischulte1, J. Gensichen1, F. BACOM Studienteam1

1 Klinikum der Universität München, LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Katholische Stiftungshochschule München, Dekanin Fakultät Gesundheit und Pflege, München, Bayern, Deutschland
3 Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Soziologie, München, Bayern, Deutschland
4 Klinikum der Universität München, LMU München, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, München, Bayern, Deutschland
5 Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland
6 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland
7 Klinikum der Universität München, LMU München, Institut für Laboratoriumsmedizin, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Pflegebedürftige Menschen sind gemeinsam mit ihren Angehörigen, den Pflegekräften und betreuenden Hausärzt*innen stark von der Covid-19 Pandemie betroffen. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat BACOM zur Verbesserung der Lebenssituation pflegebedürftiger Menschen in der aktuellen Situation und zur Vorbereitung zukünftiger Pandemien initiiert.

Fragestellung

Neben klinischen Krankheitsverläufen, sollen die psychische Gesundheit, Ressourcen, sowie Bedarfe und Schnittstellen im täglichen Leben und Arbeiten verschiedener Akteure erfasst werden.

Methoden

BACOM ist eine dynamische Registerstudie, um neue Erkenntnisse systematisch integrieren zu können. Es wird eine aktive, standardisierte Dokumentation vorab festgelegt, die quantitativen und qualitativen Fragestellungen sind im Zeitverlauf anpassbar. Das Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin (BayFoNet) unterstützt das Projekt mit etwa 240 hausärztlichen Praxen.

Wir möchten mind. 1500 pflegebedürftige Menschen (Pflegegrad 1-5) für das Vorhaben gewinnen. Die Aufklärung möglicher Studienteilnehmer erfolgt durch den behandelnden Hausarzt, der über die medizinischen Grunddaten verfügt. So kann ein hochstandardisierter Einschluss (Facharztstandard) gewährleistet werden. Eine Basisdatenerfassung erfolgt nach Vorliegen eines positiven PCR-Tests (bis 6 Monate vor Einschluss). Als Kontrollgruppe werden weitere 500 pflegebedürftige Menschen ohne bekannte Sars-CoV-2 Infektion (negativer PCR-Test) untersucht. Nacherhebungen sind alle 6 Monate für mindestens 3 Jahre vorgesehen. Darüber hinaus werden Pflegekräfte und Angehörige zu ihren physischen und seelischen Bedürfnissen und Bedarfe befragt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Sachstandsberichten beginnend zum September 2021 vorgestellt und u.a. auf dem DEGAM Kongress 2021 mit weiteren externen Experten diskutiert.

Diskussion

Maßnahmen und politische Entscheidungen brauchen mehr Wissen um die Bedarfe der pflegebedürftigen Menschen, Angehörigen, Pflegekräfte und Hausärzte berücksichtigen zu können. Die Rolle der Hausärzte in der Pandemie muss deutlich sichtbar gemacht werden, damit eine angemessene Berücksichtigung ihrer Arbeit möglich ist.

Take Home Message für die Praxis

Kontakt & Information
Das BaCoM-Studienteam: 089 4400-53677
Allgemeinmedizin.bacom@med.uni-muenchen.de

Stichwörter: Pflege, Angehörige, Covid-19, Hausärzte
11:42 V-12-02

Kommunikation zwischen Ärzt*innen und Pflegepersonal in der Notfallversorgung in Pflegeeinrichtungen: Multiprofessionelle Fokusgruppeninterviews (#88)

J. Poeck1, J. Bleidorn1, A. Günther3, N. Schneider2, S. Schwabe2

1 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
2 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
3 Fachbereich Feuerwehr, Braunschweig, Deutschland

Hintergrund

Notfallsituationen in Pflegeeinrichtungen führen häufig zu Rettungsdiensteinsätzen und Krankenhauszuweisungen, die in vielen Fällen als vermeidbar eingeschätzt werden und nicht im Einklang mit dem Bewohnerwillen stehen. Die Ursachen sind multifaktoriell, u.a. steht die Zusammenarbeit zwischen Hausärzt*innen, Pflegepersonal und weiteren Akteuren im Fokus. Im G-BA geförderten Projekt NOVELLE (FKZ: 01NVF18007) werden Handlungsempfehlungen für Pflegefachpersonen entwickelt, um das sektorenübergreifende Notfallmanagement in Pflegeeinrichtungen zu optimieren.

Fragestellung

Identifikation von Lösungsansätzen zur Optimierung der Kommunikation zwischen Akteuren in der Notfallversorgung von Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen.

Methoden

Zwischen Januar und April 2021 wurden 6 Fokusgruppeninterviews mit Pflegefachpersonen, Pflegedienst- und Einrichtungsleitungen, Hausärzt*innen und Palliativmediziner*innen sowie Wissenschaftler*innen (z.B. Medizinethik und- recht) durchgeführt. Basierend auf realen Fallgeschichten aus den Einrichtungen wurden Abläufe in Notfallsituationen rekonstruiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet. Die Fokusgruppen fanden als Videokonferenzen statt, wurden digital aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. In dieser Teilstudie werden die genannten Vorschläge zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Pflegepersonal und Ärzt*innen identifiziert und strukturiert inhaltsanalytisch mit MAXQDA20 ausgewertet.

Ergebnisse

Die Schnittstellenkommunikation zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt*innen sollte gewährleisten, dass a) alle entscheidungsrelevanten Informationen strukturiert übermittelt werden, b) der zeitliche Kommunikationsaufwand für beide Berufsgruppen geringgehalten wird, c) zeitnah eine verlässliche Notfallbearbeitung umgesetzt wird. Konkrete Vorschläge sind u.a. die Implementierung fester Ansprechpartner*innen und regelmäßiger Visiten, Erstellung von Checklisten für die Kommunikation über eine Notfallsituation (z.B. Vitalparameter, Bedarfsmedikation, Vorbehandlungen), die Nutzung von digitalen Kommunikationswegen (z.B. Videosprechstunde, digitale Patientenakte, App) und der Ausbau der gesundheitlichen Vorsorgeplanung.

Diskussion

Die erarbeiteten Vorschläge könnten dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt*innen effizienter zu gestalten und den Umgang mit Notfallsituationen zu erleichtern. Zudem sollten Rahmenbedingungen in Praxen und Pflegeeinrichtungen für digitale Kommunikation ausgebaut und vorausschauende Notfallplanungen (z.B. ACP, Bedarfsmedikationen) verbessert werden.

Take Home Message für die Praxis

Zur Verbesserung des Notfallmanagements in Pflegeeinrichtungen kann eine effiziente und strukturierte Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Ärzt*innen und Pflegepersonal beitragen.

Stichwörter: Kommunikation, Notfall, Pflegeeinrichtungen, Hausarzt, Pflegekraft
11:54 V-12-03

Hausärztliche Erfahrungen zur Versorgung von Flüchtlingsfamilien in Rahmen der IMPROVE-MH-Studie (#90)

N. Chikhradze1, F. - M. Hegerath2, S. Weißbach3, K. Lukaschek4, J. Gensichen5, M. Heßbrügge6, A. Dehnen7, S. Schneider8, K. Konietzny9, H. C. Vollmar10

1 Ruhr Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Ruhr Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Ruhr Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland
4 LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
5 LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, München, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
6 Universität Duisburg-Essen, Universitätsmedizin Essen Universitätsklinikum, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
7 Universität Duisburg-Essen, Universitätsmedizin Essen Universitätsklinikum, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
8 Ruhr Universität Bochum, Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ), Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
9 Ruhr Universität Bochum, Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ), Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
10 Ruhr Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Die randomisiert-kontrollierte Studie IMPROVE-MH – Förderung der psychischen Gesundheit bei geflüchteten Eltern und ihren Kindern – ist ein Konsortialprojekt, an dem eine psychologische und drei allgemeinmedizinische universitäre Institutionen beteiligt sind. Hauptziel der Studie ist die Implementierung einer niederschwelligen hausärztlichen Intervention zur Reduktion psychischer Probleme.  Die Umsetzung dieser Intervention unter Alltagsbedingungen in der hausärztlichen Versorgung wird anhand einer Teilstudie evaluiert. Hier werden Ergebnisse der ersten qualitativen Befragung dieser Teilstudie dargestellt.

Fragestellung

Welche Erfahrungen machen Hausärzt*innen in der Routineversorgung von Flüchtlingsfamilien und welche Strategien nutzen sie?

Methoden

Es wird eine Mixed-Methods-Evaluationsstudie durchgeführt. Die Daten werden vor – (T0: Qualitativ), während – (T1: Qualitativ) und nach der Intervention (T2: Quantitativ) erhoben. Die ersten n=25 (T0) semistrukturierten Einzelinterviews mit Hausärzt*innen werden inhaltsanalytisch nach Kuckartz mit Hilfe der MAXQDA-Software analysiert.  Erste Ergebnisse (T0) werden auf dem Kongress präsentiert.

Ergebnisse

Erste Auswertungen der qualitativen Erhebungen zu T0 identifizierten folgende Aspekte:

  • Fördernde sowie hindernde Faktoren in der hausärztlichen Versorgung: sprachliche Barrieren; Erfahrungen der Ärzt*innen im Umgang mit traumatischen Ereignissen; Wissen über das deutsche Gesundheitssystem; Kommunikation mit geflüchteten Familien; anderer Umgang mit Zeitvorgaben.
  • Genutzte Strategien von Hausärzt*innen: Übernahme von Lotsenfunktion; Einstellung bilingualer Mitarbeiter*innen; Förderung der kulturellen Kompetenz von Praxismitarbeiter*innen; höhere zeitliche Investition, um vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen; Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachärzt*innen.

Diskussion

Hausärzt*innen leisten einen wichtigen Beitrag in der Versorgung geflüchteter Familien mit Kleinkindern. Aktuell sind damit jedoch viele Barrieren verbunden. Um diese zu bewältigen werden etliche Strategien genutzt, welche zeitliche und personelle Ressourcen in Anspruch nehmen. Eine hilfreiche Unterstützung für geflüchtete Familien wäre bspw. die Bereitstellung mehrsprachiger Informationsmaterialien zu spezifischen Erkrankungen. Es ist notwendig, dass der zeitliche und personelle Mehraufwand der Hausärzt*innen im Gesundheitssystem berücksichtigt wird.

Take Home Message für die Praxis

Bei der Versorgung von geflüchteten Familien sollten Praxisabläufe und -strukturen angepasst werden, um einen zeitlich angemessenen Umgang mit den Familien zu ermöglichen.

Stichwörter: Hausärztliche Versorgung, Flüchtlingsfamilie, Hausärztliche Intervention, Mixed-Methods-Evaluationsstudie#, hausärztlichen Intervention
12:06 V-12-04

Generalisten in der stationären Universitätsmedizin (Allgemeinmedizinischer Visitendienst auf der gefäßchirurgischen Station – ein Pilotprojekt) (#99)

K. Schmalstieg-Bahr1, M. Scherer1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Hamburg, Deutschland

Hintergrund

Patienten:innen, die zu gefäßchirurgischen Eingriffen stationär aufgenommen werden, sind meist multimorbide. Bei Fragen zu Vorerkrankungen werden oft Konsile an einzelne spezialisierte Fachbereiche gestellt, was zu einer großen Anzahl an Behandlern:innen und möglicherweise zu sich wiedersprechenden Empfehlungen führen kann. Hier könnte der Blick des Allgemeinmediziners:in als Generalist:in helfen, insbesondere auch bei der Überleitung zur ambulanten Weiterversorgung.

Fragestellung

Ist ein allgemeinmedizinischer Visitendienst auf einer gefäßchirurgischen Station durchführbar? Bietet ein Visitendienst Vorteile gegenüber separaten, pro Patient:in gestellten Einzelkonsilen an andere Fachrichtungen? Welche Krankheitsbilder können von dem Allgemeinmediziner:in im stationären Setting behandelt werden?

Methoden

Zwischen Juni und Dezember 2020 wurde die Visite auf einer gefäßchirurgischen Station einmal pro Woche von einer Fachärztin des Instituts und Poliklinik für Allgemeinmedizin am UKE begleitet. Erfasst wurden die Gesamtzahl aller stationären Patienten:innen sowie Alter und Geschlecht der Patienten:innen, bei denen sich ein allgemeinmedizinische Beratungsanlass ergab. Der Beratungsgrund, die hieraus resultierenden Empfehlungen und gefäßmedizinische Diagnosen wurden ebenfalls dokumentiert. Das Projekt wurde im kontinuierlichen, interdisziplinären Austausch bewertet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 367 Patienten:innen an 20 Tagen interdisziplinär visitiert. Bei 49 Patienten:innen (13,4%) wurde ein allgemeinmedizinischer Beratungsgegenstand erfasst. In 18 Fällen (4,9%) war dieser so umfangreich, dass ein elektronischer Konsilbogen ausfüllt wurde, der im Entlassbrief erschien. Die Fragen an die Allgemeinmedizinerin waren vielseitig, Fragen zur Blutdruck- (N=11) und Diabeteseinstellung (N=6) jedoch am häufigsten. Beide Fachrichtungen bewerteten den Visitendienst positiv.

Diskussion

Der Anteil an Patienten:innen mit allgemeinmedizinischem Beratungsanlass wird basierend auf den Daten leicht unterschätzt, da kurze Inputs im Interesse eines Zeit-Nutzen-Aufwandes nicht dokumentiert wurden. Um den Benefit zu maximieren, müsste die Häufigkeit des Visitendienstes ausgedehnt oder dieser in eine andere Form überführt werden.

Take Home Message für die Praxis

Ein allgemeinmedizinischer Visitendienst in einem Haus der Supramaximalversorgung ist durchführbar. Zukünftig denkbar wären auch mehrmals pro Woche stattfindende interdisziplinäre Fallkonferenzen. Dadurch könnten Fragestellung an den Allgemeinmediziner:in konkretisiert und unterschiedliche Konsilanfragen priorisiert werden. Inhaltliche Überschneidungen mit Konsilen an andere Fachrichtungen könnten dadurch reduziert werden.

Stichwörter: Stationäre Versorgung, Allgemeinmedizinischer Visitendienst, Konsile
12:18 V-12-05

Qualität der hausärztlichen Palliativversorgung – eine Befragung von Hausärzt*innen vor und nach Einführung einer klinischen Entscheidungshilfe (#113)

K. van Baal1, B. Wiese1, S. Schrader1, T. Schleef1, N. Schneider1, G. Müller-Mundt1, K. Afshar1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Hausärzt*innen spielen eine Schlüsselrolle in der ambulanten Palliativversorgung. Die Identifikation von Patient*innen, die von Palliativversorgung profitieren können, ist ein weichenstellender Schritt und eine Herausforderung in der hausärztlichen Praxis.

Fragestellung

Wie schätzen Hausärzt*innen die Qualität der Versorgung am Lebensende vor und nach Einführung einer klinischen Entscheidungshilfe ein?

Methoden

Die Befragung ist Teil der Interventionsstudie „Optimale Versorgung am Lebensende – OPAL“ (Förderung: Innovationsfonds des G-BA, Förderkennzeichen: 01VSF17028) in einer kleinstädtisch-ländlich geprägten Region Niedersachsens. Kern der Intervention war die 12-monatige Anwendung des Supportive and Palliative Care Indicators Tools (SPICTTM) zur Identifikation von Patient*innen mit potenziellem palliativem Versorgungsbedarf. Vor (t0) und nach der Intervention (t1) wurden Hausärzt*innen schriftlich mit Hilfe des Fragebogens „Hausärztliche Begleitung in der letzten Lebensphase“ (HA-BeL) befragt. Dieser besteht aus den Subskalen Praxisorganisation und Klinische Praxis. Der Summenwert der Gesamtskala (25 Items, Spannweite 14-40) gilt als Maß für die selbsteingeschätzte Qualität der hausärztlichen Palliativversorgung. Die Datenauswertung erfolgte deskriptiv und der Vergleich beider Zeitpunkte mittels gepaartem t-Test.

Ergebnisse

45 Hausärzt*innen aus 33 Praxen haben zu beiden Befragungszeitpunkten teilgenommen (weiblich 29%; Altersmedian 57 Jahre). Der mittlere HA-BeL-Index (t0=27,9; t1=29,8) unterschied sich um 1,9 Punkte (SD=4,3) signifikant zwischen den Zeitpunkten (t(44)=-2,956; p=0,005). Die Einschätzung der Praxisorganisation (t0=6,9, SD=2,1; t1=7,6, SD=2,3) blieb weitgehend unverändert (t(44)=-1,958; p=0,057). Die Werte der Subskala Klinische Praxis (t0=21,0, SD=3,1; t1=22,2, SD=2,5) unterschieden sich signifikant zwischen den Zeitpunkten (t(44)=-2,640; p=0,011). Insbesondere die Items zur Hinterlegung von Versorgungsplänen, zur Dokumentation von Präferenzen des Versorgungssettings und Sterbeortes sowie des Beginns der Sterbephase zeigten positive Veränderungen.

Diskussion

Die Qualität der Palliativversorgung in hausärztlichen Praxen scheint sich – nach Selbsteinschätzung der Ärzt*innen – durch die Anwendung von SPICTTM zu verbessern. Dies zeigt sich insbesondere in den Bereichen Versorgungsplanung und Dokumentation.

Take Home Message für die Praxis

Der Einsatz des HA-BeL-Fragebogens erlaubt eine praxisnahe Einschätzung der Qualität der hausärztlichen Palliativversorgung. Die Anwendung von SPICTTM in der hausärztlichen Praxis scheint sich positiv auf die Versorgungsqualität auszuwirken.

Stichwörter: Palliativversorgung, allgemeine ambulante Palliativversorgung, klinische Entscheidungshilfe, Qualität der Versorgung, hausärztliche Versorgung
12:30 V-12-06

Das Leben nach der Intensivstation: psychische Folgebelastungen mit einer hausärztlichen Kurzintervention behandeln (PICTURE-Studie) (#120)

R. Kosilek1, C. M. Friemel1, D. Lindemann1, T. Elbert3, U. D. Reips3, S. Gehrke-Beck2, K. Schmidt2, J. Gensichen1

1 LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Berlin, Deutschland
3 Universität Konstanz, Psychologie, Konstanz, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Jeder fünfte Patient, der eine intensivmedizinische Behandlung überlebt, zeigt langfristige psychische Folgebelastungen, die von ungewollten Erinnerungen, Ängsten, Schlafstörungen oder depressiven Symptomatiken bis zu multiplen Somatisierungen reichen können. Häufig bleibt die posttraumatische Belastung (PTBS) undiagnostiziert oder wird symptomorientiert behandelt, ohne großen Behandlungserfolg. Die Narrative Expositionstherapie (NET) ist eine etablierte, wirkungsvolle und leicht erlernbare Gesprächstechnik, die in der psychologischen Traumatherapie eingesetzt wird.

Fragestellung

Ist eine neu entwickelte Kurzversion der NET, die speziell für den hausärztlichen Einsatz konzipiert wurde, eine wirkungsvolle und praktikable Behandlungsmethode für Patienten, mit posttraumatischen Belastungen nach intensivstationärem Aufenthalt?

Methoden

Eine DFG-finanzierte, multizentrische, randomisiert kontrollierte Versorgungsstudie untersucht an mindestens 174 Patienten die Wirksamkeit der psychologischen Kurzintervention NET im Vergleich zur leitlinienbasierten Versorgung bei PTBS innerhalb von jeweils 3 Visiten. Hausärzte werden online in der NET-Technik geschult bevor sie 3 strukturierte Sitzungen von ca. 45 Minuten Dauer über 6 Wochen durchführen. Ein begleitendes telefonisches Traumamonitoring unterstützt die Gesprächstherapie und dient der Therapiesicherheit. Der langfristige Therapieerfolg wird nach 6 und 12 Monaten im Follow-up untersucht.

Ergebnisse

Eine DFG-finanzierte, multizentrische, randomisiert kontrollierte Versorgungsstudie untersucht an mindestens 174 Patienten die Wirksamkeit der psychologischen Kurzintervention NET im Vergleich zur leitlinienbasierten Versorgung bei PTBS innerhalb von jeweils 3 Visiten. Hausärzte werden online in der NET-Technik geschult bevor sie 3 strukturierte Sitzungen von ca. 45 Minuten Dauer über 6 Wochen durchführen. Ein begleitendes telefonisches Traumamonitoring unterstützt die Gesprächstherapie und dient der Therapiesicherheit. Der langfristige Therapieerfolg wird nach 6 und 12 Monaten im Follow-up untersucht.

Diskussion

Diese hausärztliche Kurzintervention könnte eine effiziente und nachhaltige Behandlungsmethode für Patienten mit leichter bis mittelgradiger Traumafolgebelastung darstellen. Die NET ergänzt und verbessert die psychosomatische Grundversorgung und erhöht die Therapiekompetenz des Hausarztes im Umgang mit Patienten mit PTBS-Symptomatiken.

Take Home Message für die Praxis

Die Behandlung von Traumabelastungen muß nicht ausschließlich über den Psychotherapeuten laufen, sondern kann bei weniger stark belasteten Patienten auch wirkungsvoll beim Hausarzt gestartet werden.

Stichwörter: PTSD, Kurzintervention, Narrative Expostitionstherapie, post-ICU