DEGAM 2021
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Vortrag - Methoden der allgemeinmedizinischen Forschung (Live)

Moderatoren: Kersting , Christine , Dr. rer. medic. (Professur für primärärztliche Versorgung, Witten, Deutschland); Lukaschek , Karoline , Dr. (Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland)
 
Shortcut: V-06
Datum: Freitag, 17. September 2021, 8:30 - 10:00
Raum: Audimax Hörsaal 3
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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8:30 V-06-01

Partizipation im Forschungspraxennetz RESPoNsE: Praxisbeiräte – ein Werkstattbericht (#12)

F. Wolf1, K. Akdenizli3, J. Bleidorn1, C. Fleischhauer5, S. Fritsch5, F. Heidrich5, C. Heintze2, J. Henße5, S. Holz4, I. Isbrecht5, F. Kaden3, L. Kümpel2, D. Kuschick2, C. Lieb3, N. Medrow4, J. Mühlberg5, A. Neidhardt-Akdenizli3, I. Reicherdt4, K. Riese5, L. Rost1, L. Steenweg3, K. Stengler5, K. Toutaoui2, U. Zitterbart5, S. Döpfmer2

1 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Thüringen, Deutschland
2 Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
3 Praxisbeirat Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
4 Praxisbeirat Berlin-Brandenburg, Brandenburg, Deutschland
5 Praxisbeirat Thüringen, Thüringen, Deutschland

Hintergrund

Aufgrund der zentralen Rolle hausärztlicher Praxen in der Patient*innenversorgung wird zunehmend die Bedeutung von Forschung erkannt, die sich an den hausärztlichen Realitäten orientiert.

Mit dem Ziel der Förderung von Forschung in der Allgemeinmedizin erhalten seit 2020 sechs regionale Netze sowie eine Koordinierungsstelle eine BMBF-Förderung für einen nachhaltigen Strukturaufbau von Forschungspraxennetzwerken.

Hieraus ergibt sich die Möglichkeit, aber auch die Verantwortung, die Perspektive der Hausärzt*innen (HÄ) und Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Forschungsvorhaben adäquat zu berücksichtigen. Durch die Etablierung eines Praxisbeirats kann eine aktive Beteiligung und Mitgestaltung gefördert werden.

Fragestellung

Lassen sich mit Hilfe eines Praxisbeirates Perspektiven von HÄ und MFA bei allen Schritten der Netzwerkentwicklung sowie bei der Planung und Durchführung von Forschungsvorhaben einbinden?

Methoden

Im Zusammenhang von zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten der allgemeinmedizinischen Institute und Hausarztpraxen in der Lehre, im Kompetenzzentrum und bei Forschungsprojekten wurde wiederholt deutlich, dass einige HÄ besonders engagiert sind. Während dies insbesondere für Forschungsaktivitäten berechtigte Fragen nach der Repräsentativität aufwirft, ist gerade ein erprobtes und verbindliches Engagement für die Mitwirkung in einem Beirat wünschenswert. Im Forschungspraxennetz RESPoNsE wurden an beiden Standorten, Berlin und Jena, Praxisbeiräte mit jeweils sechs bzw. sieben HÄ und zwei MFAs gegründet. Es finden mindestens vier Treffen pro Jahr statt, derzeit online.

Ergebnisse

Gemeinsam mit den Beiratsmitgliedern wurden folgende Funktionen des Praxisbeirates identifiziert: Verteilerfunktion, Gewinnung weiterer Netzwerkpraxen; Einbringen eigener Forschungsideen / Prüfung von Ideen der Kolleg*innen; Berücksichtigung der MFA-Perspektive; Diskussion von Studienkonzepten hinsichtlich Praxisrelevanz, Versorgungsnähe, Durchführbarkeit und Akzeptanz; Beratung bei der Entwicklung von Fortbildungsmodulen; Bewertung und Umsetzung von Forschungsergebnissen.

Diskussion

Die Perspektive der praktisch tätigen HÄ und MFA ist für das RESPoNsE -Netzwerk  essenziell.

Ein Praxisbeirat stellt aus unserer Sicht ein hilfreiches Gremium dar, um eine Brücke zwischen akademischen Instituten und Hausarztpraxen zu schlagen.

Take Home Message für die Praxis

Der Praxisbeirat stellt eine Möglichkeit dar, aktiv sowohl in Forschungsvorhaben als auch bei der Gestaltung des Forschungspraxennetzes mitzuwirken.

Stichwörter: Partizipation, Forschungspraxennetz, Praxisbeirat
8:42 V-06-02

Wie rekrutiert man Forschungspraxen? Erste Erfahrungen vom Aufbau des allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetzes SaxoN (#53)

A. - A. Klein1, J. Petermann1, F. Brosse1, J. Engler2, K. Mergenthal2, K. Voigt1

1 Technischen Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland
2 Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Im Rahmen der bundesweiten BMBF-Förderung baut das Projekt SaxoN ein hausärztliches Forschungspraxennetz auf. Dafür sollen sachsenweit 50 Praxen innerhalb von fünf Jahren rekrutiert und akkreditiert werden, um qualitativ hochwertige aber gleichzeitig praxistaugliche Studien durchzuführen. Der zeitliche Mehraufwand für Praxen stellt das Projekt insbesondere während der Pandemie vor Herausforderungen. Dem zu begegnen bedarf komplexer Rekrutierungsstrategien.

Fragestellung

Wie gelingt es Hausarztpraxen zu rekrutieren, sodass ein Forschungspraxennetz etabliert werden kann?

Methoden

Das Forschungspraxennetz wird seit Februar 2020 entwickelt und aufgebaut. Es wurde ein Rekrutierungskonzept erarbeitet, das folgende Strategien umfasst: 1) Öffentlichkeitsarbeit (Corporate Design, Website, Informationsfilm) 2) Bekanntmachungen (Veranstaltungen, Newsletter) 3) Versand von Informationsmaterialien und Ergebnisbroschüren aus einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der SGAM. Zudem wurde jeweils ein Erinnerungsschreiben inklusive Hinweise auf Veranstaltungs- und Qualifizierungsangebote versendet. Eine erste Prozessevaluation findet begleitend statt.

Ergebnisse

Von 2000 postalisch angeschriebenen Hausärzten haben sich 140 rückgemeldet, 89 haben ihr Interesse bekundet. Erste Treffen und Qualifizierungsveranstaltungen mit Interessierten haben bereits stattgefunden. Dieses Feedback wird zur weiteren Ausgestaltung des Forschungspraxennetzes genutzt. Aktuell haben 20 Hausarztpraxen-Teams schriftlich ihre Teilnahme vereinbart, fünf sind auf einer Warteliste aufgrund aktuell fehlender Ressourcen. Veranstaltungen haben sich zur Ansprache von Hausarztpraxen als vorteilhaft erwiesen, aber auch die Verknüpfung mit einem Beteiligungsangebot (Qualifizierungsveranstaltung bzw. Forschungsprojekt). Als hinderlich haben sich mangelnde zeitliche Ressourcen durch hohe Arbeitsbelastung und die Unsicherheiten der Corona-Pandemie erwiesen.

Diskussion

Um Praxen zu binden sind inhaltliches Interesse, Mitgestaltungsmöglichkeit aber auch der Aufbau einer persönlichen Beziehung relevant. Die aktuellen Gegebenheiten in den Praxen sollten bei der Rekrutierung umfassend beachtet werden. Urlaubszeiten und Zeiten mit erhöhter Belastung (z.B. Quartalsabrechnungen, die Pandemiesituation), erwiesen sich als erschwerende Faktoren. Eine offene und persönliche Kommunikation, frei wählbare Terminoptionen sowie Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Praxen werden dazu beitragen das Rekrutierungsziel zu erreichen.

Take Home Message für die Praxis

Persönliche Bindung, freie Zeiteinteilung und Forschungsbeteiligung in realistischem zeitlichen Rahmen sowie die Möglichkeit auch später ins Forschungspraxennetz einzusteigen, tragen zur erfolgreichen Rekrutierung bei.

8:54 V-06-03

Belastung von hausärztlichen Praxisteams durch Telefonanrufe zu COVID-19: Ergebnisse einer Flashmobstudie (#71)

C. Kersting1, A. Schmidt1, M. Maas2, A. Mortsiefer1

1 Universität Witten/Herdecke, Professur für Primärärztliche Versorgung, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Personen mit oder ohne Symptome werden behördlicherseits aufgefordert, sich bei Fragen zu COVID-19 an ihre Hausarztpraxis zu wenden. Im Zuge der Pandemie berichten Hausärzt*innen und ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht nur eine hohe telefonische Inanspruchnahme, sondern auch damit verbundene hohe kommunikative und psychische Belastungen durch ratsuchende oder nicht selten fordernde Patient*innen. Über das tatsächliche Ausmaß und die kommunikativen und medizinischen Dimensionen dieser Beratungsfunktion ist wenig bekannt.

Fragestellung

Diese Studie untersucht, wie oft Hausarztpraxen an einem durchschnittlichen Vormittag mit Fragen zu COVID-19 telefonisch kontaktiert werden, zu welchen Themen und wie belastend dies für MFA ist. Zudem dient sie der Erprobung des Flashmob-Designs.

Methoden

Es wurde eine Querschnittstudie im Flashmob-Design durchgeführt, bei der die Erhebung am Vormittag des 28.04.2021 parallel in vielen Hausartpraxen stattfand. Pro Praxis wurden alle eingehenden Anrufe gezählt und für jeden Anruf zu COVID-19 ein Erhebungsbogen zu Beratungsanlass, Beratungsergebnis, Beratungsdauer und der mit dem Gespräch assoziierten Belastung ausgefüllt. Zusätzlich wurden auf gesonderten Fragebögen einmalig Praxismerkmale und einige Charakteristika der MFA, die Anrufe entgegengenommen hatten, erfasst. Die Studienunterlagen wurden postalisch an 162 Lehr- und Forschungspraxen der Universität Witten/Herdecke verschickt. Zudem wurde die Studie über Multiplikatoren (u.a. Hausärzteverband, Listserver Allgemeinmedizin, Lehrpraxenverteiler der allgemeinmedizinischen Universitätsstandorte Bochum, Düsseldorf und Essen) beworben mit Bitte um Weiterverbreitung. Über die Studienhomepage konnten sich interessierte Praxen zurückmelden oder die Studienunterlagen herunterladen. Die Auswertung erfolgt mittels deskriptiver Statistiken in SPSS.

Ergebnisse

An der Studie haben 71 Praxen teilgenommen. Bis zum DEGAM-Kongress werden die Ergebnisse vorliegen.

Diskussion

Die Ergebnisse werden Einblick in den hausärztlichen Praxisalltag während der Pandemie geben und aufzeigen, welcher Anteil eingehender Telefonate in Hausarztpraxen COVID-19 thematisieren, welche Themen seitens Patient*innen angesprochen werden und, wie hoch die seitens von MFA empfundenen Belastungen tatsächlich sind.

Take Home Message für die Praxis

Das Format der Flashmobstudie ist möglicherweise eine zielführende Methode, um Forschung in Hausarztpraxen insbesondere in Fragen des Arbeitsalltages zu fördern.

Stichwörter: COVID-19, Flashmobstudie, Praxisteams, Belastung
9:06 V-06-04

Beurteilung der Versorgungsqualität chronischer Krankheiten durch Patienten mit Depression: Gepoolte Analyse zweier randomisierter Studien in der Primärversorgung (#110)

C. Beltz1, K. Lukaschek1, S. Rospleszcz2, P. Falkai3, J. Margraf4, J. Gensichen1

1 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Helmholtz Zentrum München, Institut für Epidemiologie, Neuherberg, Bayern, Deutschland
3 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, München, Bayern, Deutschland
4 Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl Klinische Psychologie und Psychotherapie, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Das Chronic Care Model beinhaltet evidenzbasierte Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Der Patient Assessment of Chronic Illness Care Questionnaire (PACIC) ist ein weit verbreitetes Instrument zur Beurteilung der ambulanten Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen aus Patientensicht.

Fragestellung

Es wird untersucht, inwieweit der PACIC-Score von Patienten- und Praxismerkmalen unabhängig ist.

Methoden

Für die Analyse wurden Daten von Patienten der Studien PARADIES (n=419) und PRoMPT (n=626) gepoolt. Der finale gepoolte Datensatz umfasste 579 Patienten, bzw. 280 Patienten nur aus den Interventionsgruppen, mit gültigen Werten.Lineare Regressionsmodelle mit PACIC-Scores als abhängiger Variable und Patientencharakteristika als unabhängige Variablen wurden berechnet, um Beta-Koeffizienten und entsprechende 95%-CI als Maß für die Assoziation zu erhalten. Um die Assoziation zwischen Praxismerkmalen und PACIC-Scores zu bewerten, wurden lineare gemischte Modelle mit einzelnen Praxen als Zufallseffekte berechnet.

Ergebnisse

Die Mehrheit der Patienten war weiblich (n=209, 74,6%), mittleres Alter war 51,0 Jahre (Spannbreite: 41,8-58,0 Jahre). Patienten mit schwereren depressiven Symptomen und Patienten mit höheren Verbesserungen der depressiven Symptome zwischen den Messzeitpunkten hatten höhere PACIC-Scores. PACIC-Scores waren nicht mit Patientenmerkmalen wie Geschlecht (p = 0,473) oder Alter (r =0,04, 95% KI [-0,07, 0,15], p = 0,531) assoziiert. Das Alter des Arztes war signifikant negativ mit den PACIC-Scores assoziiert (r = -0,14, 95% KI [-0,27, -0,02], p = 0,03).

Diskussion

Die Patienten in den Interventionsarmen hatten signifikant höhere PACIC-Scores, und die Verbesserung der psychischen Belastung war signifikant mit höheren Scores verbunden. Unseres Wissens gibt es keine Studien, die die PACIC 20-Item-Version (wie in PROMPT verwendet) auf die PACIC 11-Item-Version (wie in PARADIES verwendet) kalibrieren. Die vorgestellte Methode zum Vergleich von PACIC-Scores verschiedener Skalenniveaus wurde als praktikabel bestätigt.

Take Home Message für die Praxis

Der PACIC ist ein geeignetes Instrument zur Erfassung der chronischen Versorgung und weitgehend unabhängig von Patienten- und Praxiseigenschaften.

Stichwörter: Patientensicht, Primärversorgung, Versorgungsqualität chronischer Krankheiten, Psychische Gesundheit, Gepoolte Datensätze
9:18 V-06-05

Partizipation im allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetz. Das Partizipationskonzept von SaxoForN zur Beteiligung von Hausärzt*innen, Medizinischen Fachangestellten und Patient*innen (#178)

J. Engler1, K. Voigt2, A. - A. Klein2, P. Borchers2, F. M. Gerlach1, K. Mergenthal1

1 Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt, Hessen, Deutschland
2 Technische Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Der Einbezug von Stakeholdern wie Patient*innen und Leistungserbringern in die Forschung wird von Fördergebern wie z.B. dem BMBF zunehmend forciert, so auch in der Förderung des deutschlandweiten Aufbaus von sechs allgemeinmedizinischen Netzverbünden von Forschungspraxen. Partizipation ist methodisch sinnvoll und wichtig, um Netzstrukturen und Forschungsprojekte an die Bedarfe von Hausärzt*innen, Medizinischen Fachangestellten und Patient*innen anzupassen, sowie um die Machbarkeit von Forschungsprojekten zu gewährleisten und praxisrelevantes Wissen zu generieren.

Fragestellung

Mit welchen Formaten können Hausärzt*innen, Medizinische Fachangestellte und hausärztliche Patient*innen am Netzaufbau und an der Planung, Durchführung und Ergebnisbewertung von allgemeinmedizinischen Forschungsprojekten beteiligt werden?

Methoden

Auf Grundlage von Handreichungen, Literatur und praktischen Erfahrungen mit partizipativen Formaten wurde ein Konzept für SaxoForN entwickelt, das in einem iterativen Prozess unter Beteiligung der Stakeholder weiter angepasst wird.

Ergebnisse

Die Partizipationsformate von SaxoForN umfassen: Praxenbeirat (Medizinische Fachangestellte, Hausärzt*innen), Patientenbeirat, Innovationsworkshops und Forschungspraxentreffen. Mitglieder des Praxenbeirats werden einzeln zu Fragen des Netzaufbaus wie z.B. Akkreditierungskriterien oder Möglichkeiten der Datenextraktion aus der Praxissoftware angesprochen. Praxen- und Patientenbeirat beraten z.B. zu Fragen der Machbarkeit von Projekten, kommentieren Rekrutierungsmaterialien und diskutieren Forschungsergebnisse. In Innovationsworkshops entwickeln Hausärzt*innen, Medizinische Fachangestellte, Patient*innen und Wissenschaftler*innen gemeinsam neue Forschungsfragestellungen und Projektideen. Die Forschungspraxentreffen dienen der Diskussion neuer Projektideen, der Information über Projektergebnisse und dem Austausch von Forschungspraxen untereinander und mit Wissenschaftler*innen.

Diskussion

Eine aktuelle Herausforderung bei der Umsetzung des Partizipationskonzepts ist die Coronapandemie: Die Einschränkung von Präsenzformaten und die Nutzung digitaler Alternativen kann eine Barriere darstellen. Der Grad der tatsächlichen Anwendung der vorgestellten Partizipationsformate wird davon abhängig sein, ob sie von Hausärzt*innen, Medizinischen Fachangestellten und Patient*innen als sinnvoll und inklusiv wahrgenommen und von Wissenschaftler*innen an den Standorten genutzt und gelebt werden.

Take Home Message für die Praxis

Dem Partizipationsgedanken folgend ist die Ausgestaltung von konkreten Beteiligungsformaten unter Einbezug der Stakeholder sinnvoll.

Stichwörter: Partizipation, Patientenbeteiligung, Forschungspraxennetz
9:30 V-06-06

Forschung aus der Hausarztpraxis für die Hausarztpraxis – Das Qualifizierungskonzept von SaxoForN für Hausärzt*innen und Medizinische Fachangestellte im allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetz (#187)

A. - M. von Oltersdorff-Kalettka1, P. Borchers1, J. Engler2, K. Mergenthal2, C. Güthlin2, K. Voigt1

1 Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät C. G. Carus der TU Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, MK III, Dresden, Sachsen, Deutschland
2 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Das Forschungspraxennetz „SaxoForN“ unterstützt versorgungsrelevante Forschung in der Allgemeinmedizin, mit dem Ziel die ambulante Versorgungsforschung (quantitativ und qualitativ) zu verbessern. Zu diesem Zweck sollen Hausarztpraxen für Versorgungsforschung befähigt und zu den Forschungsgrundlagen und –methoden sowie zu Standards bei der Planung und Durchführung von Studien qualifiziert werden.

Fragestellung

Wie bewerten hausärztliche Praxisteams ein Qualifizierungsmodul zu Grundlagen, Methoden und Standards der Versorgungsforschung?

Methoden

Es wird ein mehrstufiges, modularisiertes Qualifizierungsprogramm für das gesamte Hausarztpraxisteam entwickelt. Ein Basismodul führt die Praxisteams in das Thema Forschung in der Hausarztpraxis ein. Die Aufbaumodule umfassen optional wählbar a) den Prüferkurs zur Befähigung für Klinische Studien und/oder b) ein Fortbildungsset aus mehreren thematischen Bausteinen zur Befähigung für Versorgungsforschung in der Hausarztpraxis. In allen Kursen werden die Good Clinical Practice-Kriterien vermittelt.

Ergebnisse

Das Basismodul fand erstmals am 26.03.2021 und am 09.04.2021 digital statt. Insgesamt nahmen 30 Praxenteams (37 HÄ, 29 MFA) aus Sachsen und Hessen teil. Erste Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass Hausarztpraxen großes Interesse am Mitwirken bei Studien der Versorgungsforschung haben. Das vermittelte Wissen wurde zum Großteil als gut im Praxisalltag umsetzbar eingeschätzt. Das digitale Schulungsformat mit virtuellen Interaktionsmöglichkeiten wurde als passend bewertet, der fehlende persönliche Kontakt und Austausch kritisiert.

Diskussion

Durch einen direkten Einbezug konkreter, für das hausärztliche Setting relevanter Themen konnten die Hausarztpraxen für zukünftige Forschung sensibilisiert und motiviert werden. Die Fortbildungsveranstaltung versuchte dabei komplette Praxisteams zu erreichen. Eine Herausforderung für die Qualifizierungsmodule stellt der Anspruch dar, sowohl HÄ als auch MFA als relevante Zielgruppen zu erreichen.

Take Home Message für die Praxis

Das Vermitteln theoretischen Wissens entlang von Themen aus dem hausärztlichen Setting hilft, Hausarztpraxenteams für Forschung zu motivieren. Auch wenn Qualifizierungsformate in der Pandemiezeit ausschließlich digital stattfinden können, sollten für Vernetzung und Austausch zukünftig auch Präsenzformate angeboten werden.

Stichwörter: Qualifizeirungskonzept SaxoForN, Forschung in der Hausarztpraxis, allgemeinmedizinische Forschungspraxennetz, Forschung Allgemeinmedizin