DEGAM 2021
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Vortrag - Implementierungsforschung (Live)

Moderatoren: Held , Linda , (Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland); Gläser , Anni , M.Sc. (Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland)
 
Shortcut: V-05
Datum: Freitag, 17. September 2021, 8:30 - 10:00
Raum: Audimax Hörsaal 1
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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8:30 V-05-01

Barrieren und fördernde Faktoren beim Einsatz von KI- gestützten Screeningverfahren auf Diabetische Retinopathie in der Hausarztpraxis (#46)

L. Held1, L. Wewetzer1, J. Steinhäuser1

1 Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland leiden etwa 7,5 Mio. Menschen an Diabetes mellitus, Tendenz steigend. Die diabetische Retinopathie ist mit einer Prävalenz von ca. 25–35 % eine häufige Komplikation. Bei einer frühzeitigen Diagnose kann eine Therapie eingeleitet werden, die irreversible Schädigung des Sehvermögens vermeidet.

Fragestellung

Ziel dieser Studie war es Barrieren und fördernde Faktoren bezüglich des Einsatzes von KI- und Smartphone gestützten Screeningmethoden zur Früherkennung von Diabetischer Retinopathie in der Hausarztpraxis zu generieren.

Methoden

Es wurden leitfadengestützten Experteninterviews durchgeführt. Diese Interviews wurden transkribiert und von zwei Forscherinnen unabhängig voneinander inhaltsanalytisch (nach Mayring) ausgewertet. Zusätzlich wurden soziodemographische Daten der Studienteilnehmern erfasst.

Ergebnisse

An der Studie nahmen insgesamt 24 Teilnehmer teil: 16 Hausärzt*innen, 5 Augenärzt*innen und 3 Medizinische Fachangestellte (MFA). Hiervon waren 42 % weiblich und 33% auf dem Land tätig.

Als Barrieren wurden fachliche und anwendungsbezogene Unsicherheiten der Hausärzt*innen, Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz, die Dauer der Untersuchung, eine geringe Aufgeschlossenheit des Praxisteams neuen Verfahren gegenüber, ungeklärte Haftungsrechtliche Fragen, die Anpassung von eingespielten Praxisabläufen, hohe Anschaffungs- und laufende Kosten sowie eine geringe Vergütung genannt.

Fördernde Faktoren waren Fortbildungen sowie Anwendungsschulungen am Gerät, Delegierbarkeit an die MFAs, eine hohe Validität der Untersuchung, Empfehlung in Leitlinien, ein niedrigschwelliger Kontakt zu Augenärzten bzw. zu Ansprechpartnern für die Technik bei Fragen, eine Unterstützung in finanziellen Aspekten sowie eine angemessene Vergütung.

Diskussion

Es existieren KI-gestützte Retinopathie-Screeningansätze für den Einsatz in der Hausarztpraxis unter Zuhilfenahme eines Smartphones, die einen verbesserten Zugang zur Versorgung ermöglichen können.

Take Home Message für die Praxis

Für eine erfolgreiche Implementierung eines KI-gestützten Screenings auf Diabetische Retinopathie in die Hausarztpraxis müssen die dargestellten Determinanten berücksichtigt werden. Diese Determinanten berühren verschiedene Aspekte, die innerhalb und außerhalb der Praxis beinflussbar sind.

Stichwörter: E-health, Implementierungsforschung, Diabetische Retinopathie, Primärversorgung
8:42 V-05-02

Implementierung des Supportive and Palliative Care Indicators Tools in der hausärztlichen Praxis – Ergebnisse der Interventionsstudie „Optimale Versorgung am Lebensende“ (OPAL) (#70)

K. Afshar1, K. van Baal1, S. Schrader1, T. Schleef1, S. Stiel1, G. Müller-Mundt1, N. Schneider1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Der palliative Versorgungsbedarf von Patient*innen kann mehrheitlich im Rahmen der allgemeinen Palliativversorgung gedeckt werden. Hier spielen Hausärzt*innen eine zentrale Rolle. Die Identifikation von Patient*innen, die von einer Palliativversorgung profitieren können, stellt dabei eine besondere Herausforderung dar.

Fragestellung

Welche Effekte hat die strukturierte Anwendung des Supportive and Palliative Care Indicators Tools (SPICTTM) als klinische Entscheidungshilfe in der hausärztlichen Praxis auf die Identifikation von Patient*innen mit einem potenziellen palliativen Versorgungsbedarf und die Einleitung patientenorientierter Maßnahmen?

Methoden

Die Untersuchung war Teil der Interventionsstudie „Optimale Versorgung am Lebensende – OPAL“ (Förderung: Innovationsfonds des G-BA, Förderkennzeichen: 01VSF17028). Kern der Intervention war eine 12-monatige Anwendung von SPICTTM zur Identifikation von Patient*innen mit einem potenziellen palliativen Versorgungsbedarf. Nach einer Schulung im Frühjahr 2019 wurden die teilnehmenden Hausärzt*innen gebeten, SPICTTM anlassbezogen bei erwachsenen Patient*innen mit mindestens einer chronisch progredienten Erkrankung anzuwenden. Eine Folgeerhebung wurde sechs Monate nach der initialen Einschätzung veranlasst. Die Daten wurden deskriptiv analysiert.

Ergebnisse

43 Hausärzt*innen (n=15 weiblich, Altersmedian 53 Jahre) aus 32 hausärztlichen Praxen haben SPICTTM bei insgesamt 580 Patient*innen (n=345 weiblich, Altersmedian 84 Jahre) angewendet. Die häufigsten Grunderkrankungen waren kardiovaskulären (47%) und onkologischen (33%) Ursprungs. In der Folgeerhebung wurden 412 Patient*innen erfasst. Am häufigsten wurde eine Überprüfung der nicht-/medikamentösen Therapien (76%) sowie eine Klärung der Therapieziele (53%) initiiert. 217 Patient*innen (53%) hatten im Nachbeobachtungszeitraum mindestens ein kritisches Ereignis (z.B. akute Krankheitskrise) und 141 (34%) waren verstorben. 85% der Hausärzt*innen erachteten die SPICTTM-Anwendung als praktikabel und 66% konnten sich vorstellen, SPICTTM weiterhin zu nutzen.

Diskussion

SPICTTM ist ein praxisnahes und praktikables Instrument, das von den teilnehmenden Hausärzt*innen mehrheitlich akzeptiert wird und die Identifikation von Patient*innen mit einem potenziellen palliativen Versorgungsbedarf unterstützen kann. Die Einschätzung mittels SPICTTM gibt Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowie ein absehbares Versterben der Patient*innen.

Take Home Message für die Praxis

SPICTTM unterstützt nicht nur die Identifikation von Patient*innen, die von einer Palliativversorgung profitieren können, sondern auch die Einleitung patientenorientierter Maßnahmen.

Stichwörter: Allgemeine Palliativversorgung, Hausärztliche Praxis, Interventionsstudie, klinische Entscheidungshilfe, SPICT
8:54 V-05-03

Strukturen des Informationsaustausches in deutschen Hausarztpraxen: eine soziale Netzwerkanalyse (#84)

C. Arnold1, P. Hennrich1, F. Peters-Klimm1, M. Wensing1

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Handlungsempfehlungen werden in der allgemeinmedizinischen Praxis oftmals langsam implementiert. Dabei spielen viele Faktoren wie beispielsweise Teamstrukturen und Informationsaustausch eine Rolle. Implementierungsstrategien sollten dies berücksichtigen, weshalb eine Exploration dieser Strukturen unerlässlich ist.

Fragestellung

Ziel der Studie war es, die Strukturen in Bezug auf den Informationsaustausch in Hausarztpraxen im Bereich von chronischen Erkrankungen zu explorieren und so den Kontext der Versorgung zur Entwicklung von Implementierungsstrategien zu ermitteln.

Methoden

Es wurde eine Querschnittsstudie mittels Fragebogen zur Vernetzung in Hausarztpraxen aus drei Bundesländern in Deutschland durchgeführt. Die Darstellung ungerichteter Netzwerke erfolgte mithilfe sozialer Netzwerkanalysen. Die Berechnung der Anzahl der Verbindungen zwischen Teammitglieder*innen im Netzwerk fand für die chronischen Erkrankungen Diabetes mellitus Typ 2, koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinsuffizienz statt.

Ergebnisse

In die Analyse konnten 40 Hausarztpraxen mit 153 Teilnehmer*innen eingeschlossen werden. Unabhängig von der Größe der Hausarztpraxen zeigten sich unterschiedliche Netzwerkstrukturen: In 17 Praxen waren alle Mitarbeiter*innen in den Informationsaustausch über KHK eingebunden, in 16 über Diabetes mellitus Typ 2, während dies in Bezug auf Patient*innen mit Herzinsuffizienz bei 15 Praxen der Fall war.
Die Netzwerke bezüglich des Informationsaustausches über die Behandlung von Patient*innen mit Diabetes mellitus Typ 2 zeigten in der Summe 353 Verbindungen, die der KHK 314 und die der Herzinsuffizienz 294.
Zum Informationsaustausch außerhalb der Hausarztpraxen gaben 92 (60,13%) Teilnehmer*innen an, Informationen über Patient*innen mit Diabetes Typ 2 mit Apotheker*innen auszutauschen, 88 (57,52%) mit Pflegekräften aus Pflegeheimen und 96 (62,75%) mit Pflegekräften von ambulanten Pflegediensten.

Diskussion

Die Strukturen der Hausarztnetzwerke des Informationsaustausches variierten über die Praxen und Erkrankungen hinweg. Es kann davon ausgegangen werden, dass neue Handlungsempfehlungen in Bezug auf Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund der höheren Anzahl an Verbindungen in den Netzwerken leichter alle Teammitglieder erreichen.

Take Home Message für die Praxis

Die Analyse der Vernetzung in Hausarztpraxen kann neue Einblicke in die interprofessionellen Zusammenarbeit geben.

Stichwörter: Informationsaustausch, Netzwerke, Implementierungsforschung
9:06 V-05-04

arriba-PPI – Wirksamkeit einer computerbasierten Absetzstrategie zur Reduktion von Protonenpumpenhemmer-Verordnungen: eine multizentrische cluster-RCT (#207)

J. Heisig1, K. Kuss1, B. Bücker2, S. Löscher2, A. Schmidt3, O. Hirsch4, A. Barzel5, S. Wilm2, A. Becker1, A. Viniol1

1 Philipps-Universität Marburg, Allgemeinmedizin, Präventive und Rehablitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland
2 Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit / Department für Humanmedizin, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
4 FOM Hochschule für Ökonomie und Management, Siegen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
5 Universitätsklinikum Ulm, Allgemeinmedizin, Ulm, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zu den meistverordneten Medikamenten und werden auch ohne wissenschaftlich gesicherte Indikationen langfristig verschrieben. Da sich bei einer Langzeiteinnahme die Nebenwirkungen häufen, sollte die Indikation regelmäßig überprüft und bei nicht-indizierter PPI-Einnahme eine Reduktion oder ein Absetzen angestrebt werden. Das computerbasierte arriba-PPI Tool zeigt mit Ampelfarben eindrücklich, ob ein Absetzen bei der jeweiligen Indikation sinnvoll und empfehlenswert ist oder nicht.

Fragestellung

Führt das computerbasierte arriba-PPI Tool in der hausärztlichen Praxis zu einer Reduktion von PPI-Verordnungen?

Methoden

In Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden in 144 hausärztlichen Praxen 2406 Patient*innen mit einer PPI-Langzeiteinnahme von mindestens 6 Monaten rekrutiert. Die Patient*innen der Interventionspraxen wurden von ihren Hausärzt*innen mit arriba-PPI zu ihrer Medikation, Indikation und Möglichkeiten zur Reduktion bzw. Absetzen beraten, die Patient*innen der Kontrollpraxen wurden ohne das Tool wie bisher beraten. Die PPI-Verordnungen wurden über einen Zeitraum von 18 Monaten anhand der Praxis-EDV-Systeme, mithilfe von Fragebögen und Telefoninterviews und Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein erhoben. Zusätzlich wurden Routinedaten von Krankenkassen analysiert.

Ergebnisse

In über einem Drittel der Beratungen mit arriba-PPI entschieden sich Ärzt*in und Patient*in zu einer Reduktion oder einem Absetzen der PPI Medikation. Zum Zeitpunkt T1 (6 Monate nach Beratung) war die definierte Tagesdosis des verschriebenen PPI (DDD-PPI) bei den Studienpatient*innen der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe sichtbar reduziert. Die endgültigen Ergebnisse zu den Erhebungszeitpunkten T1 und T2 (6 und 12 Monate nach Beratung) werden auf dem Kongress präsentiert.

Diskussion

Die Teilnahme an der arriba-PPI-Studie senkt die PPI Verordnungen in der Hausarztpraxis. Die Visualisierung durch das Ampelsystem des Tools kann während des ärztlichen Beratungsgesprächs die Bereitschaft der Patient*innen erhöhen, einen Absetzversuch zu starten.

Take Home Message für die Praxis

arriba-PPI kann ein hilfreiches Tool für die hausärztliche Praxis sein, um mit Patient*innen über die Notwendigkeit ihrer PPI-Medikation zu sprechen und um eventuell unnötige Verordnungen mit Hilfe einer vorgeschlagenen Absetzstrategie (Ausschleichen) zu reduzieren.

Stichwörter: arriba, Protonenpumpenhemmer, Absetzen, shared decision making, RCT
9:18 V-05-05

arriba-PPI – Qualitative Evaluation einer computerbasierten Absetzstrategie zur Reduktion der Überversorgung mit Protonenpumpenhemmern (#204)

A. Schmidt1, B. Bücker2, M. Maas5, S. Löscher2, A. Barzel3, A. Becker4, A. Viniol4, J. Heisig4, S. Wilm2

1 Universität Witten/Herdecke, Professur für Primärärztliche Versorgung, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Baden-Württemberg, Deutschland
4 Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Philipps-Universität Marburg, Marburg, Hessen, Deutschland
5 Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland

Hintergrund

Um den ansteigenden Verordnungszahlen im ambulanten Bereich sowie den potentiellen Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern (PPI) zu begegnen, wurde die computerbasierte Entscheidungshilfe arriba-PPI zur Reduktion von nicht notwendigen PPI-Verordnungen entwickelt. Mithilfe dieses Beratungstools können Ärzt*innen individuelle Indikationen und Nebenwirkungen mit Patient*innen besprechen. Angestrebt wird eine gemeinsame Entscheidung für oder gegen das Absetzen oder eine Dosisreduktion.

Fragestellung

Wie haben beratende Ärzt*innen und beratene Patient*innen das neue Tool erlebt? Zielsetzung war es, die Ergebnisse der Interventionsstudie im Kontext der tiefergehenden qualitativen Untersuchungen zu beleuchten, das Tool für den breiten Einsatz in der Praxis ggf. weiterzuentwickeln und Faktoren, die Absetz- und Reduktionsversuche behindern oder begünstigen, zu identifizieren.

Methoden

Es wurden leitfadengestützte Telefoninterviews in etwa 6 bis 12 Monate nach der Beratung mit dem arriba-PPI Tool mit Ärzt*innen und Patient*innen geführt. Die Transkripte wurden in einem multidisziplinären Team inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse

Die Analysen liefern Hinweise darauf, dass die Studie insgesamt zur Sensibilisierung bezüglich PPI beigetragen hat, wenngleich die Entscheidungshilfe arriba-PPI bei der Beratung keine zentrale Rolle spielte. Die Ärzt*innen nutzten das Tool teilweise während, jedoch i.d.R. nicht mehr nach der Studie, ihr Alltagshandeln diesbezüglich hat sich nicht verändert. Als wichtige Faktoren zum Absetzen und Reduzieren von PPI werden das individuelle Beratungsgespräch, das Vertrauensverhältnis und eine Einbindung in die Entscheidungsfindung durch angemessene Informationsvermittlung benannt. Die psychologische Komponente der Ängste, ohne das Medikament nicht auskommen zu können, sollte in Beratungsgesprächen stärker einbezogen werden.

Diskussion

Es stellt sich die Frage, ob eine Strategie zur Reduktion der Ängste bei der Weiterentwicklung des Tools implementiert werden kann. Dies könnte das Gefühl des Vertrauens, sowie der gemeinsamen Entscheidungsfindung für die Patient*innen stärken.

Take Home Message für die Praxis

Der Beratungserfolg hängt maßgeblich vom Vertrauen in die beratenden Ärzt*innen und der Einbindung in die Entscheidungsfindung ab, dies konnte von dem Tool nicht maßgeblich gefördert werden.

Stichwörter: Shared Desicion Making, Protonenpumptenhemmer, arriba-PPI, qualitative Interviews
9:30 V-05-06

„Es war sehr beruhigend, es gleich zu erfahren.“ - Perspektiven von Patient*innen zu einem PCR-basierten SARS-CoV-2-Schnelltest in der primärärztlichen Versorgung (#259)

A. Gläser1, 2, F. Wolf1, J. Bleidorn1, R. Markwart1, 2

1 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
2 InfectoGnostics Forschungscampus Jena, Jena, Deutschland

Hintergrund

Für die Etablierung und Akzeptanz von medizinischen Maßnahmen einschließlich diagnostischer Tests sind Patient*innenperspektiven relevant. Im Zuge der COVID-19-Pandemie werden Schnelltests (Point-of-Care-Tests) als ein zentrales Instrument zur Eindämmung der Pandemie angesehen.

Fragestellung

Wie bewerten Patient*innen mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion in Thüringer Haus- und Kinderarztpraxen die Anwendung eines SARS-CoV-2-Schnelltests?

Methoden

Befragung von Patient*innen mittels eines zweiseitigen Fragebogens (02/2021 bis 04/2021) im Anschluss an einen PCR-basierten SARS-CoV-2-Schnelltest (ID NOW™ COVID-19, Abbott), der von medizinischem Fachpersonal in der Arztpraxis durchgeführt wurde. Der Schnelltest basiert auf einer isothermen Nukleinsäureamplifikation und wird von den Thüringer Gesundheitsbehörden als gleichwertig zu einem PCR-Labortest anerkannt.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 215 Patient*innen aus acht Thüringer Arztpraxen teil, von denen 15,2% ein positives Testergebnis berichteten. 95,7% der Teilnehmenden vertrauen dem Testergebnis voll und ganz (71,9%) bzw. überwiegend (23,8%). Das sofortige Vorliegen des Testergebnisses ist 94,3% der Befragten wichtig. Die Konsequenzen des sofortigen Ergebnisses (berichtet in 43 Freitextantworten) beziehen sich auf folgende Aspekte: Verhaltenskonsequenz (z.B. Arbeitsfähigkeit, ermöglichte Impfteilnahme; 19 Nennungen), Pandemiemaßnahmen (z.B. unmittelbare Quarantäneentscheidung; 18 Nennungen) und emotionale Aspekte (z.B. Beruhigung; 12 Nennungen). Dreiviertel der Befragten wären bereit, 10€ oder mehr für den Test zu zahlen (Median: 20€, Interquartil-Range: 10-25€), die angesetzten Testkosten von 40€ wären jedoch nur 31,9% der Befragten gewillt, zu tragen. In einer zukünftig ähnlichen Situation, würden 96,2% der Befragten erwarten, dass ein solcher Schnelltest erneut eingesetzt wird.

Diskussion

Mögliche Rückschlüsse auf die Einstellung von Patient*innen auf die generelle Verwendung von Schnelltests sowie methodische Aspekte hinsichtlich der weiteren Untersuchung der Patient*innenperspektive werden diskutiert.

Take Home Message für die Praxis

Patient*innen vertrauen dem angewandten PCR-basierten SARS-CoV-2-Schnelltest und bewerten das sofortige Vorliegen des Testergebnisses positiv. Erwartungshaltungen sowie eine Kostenbeteiligung der Patient*innen lassen sich als potentielle Herausforderungen ableiten.

Stichwörter: Schnelltest, Point-of-Care-Test, POCT, COVID-19, Patient*innenperspektive