DEGAM 2021
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Neues aus der DEGAM-Leitlinienarbeit 2021 (Live)

Moderatoren: Barzel , Anne , Professor; Beyer , Martin , Dr. (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland); Günther , Ines , (Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland); Kötter , Thomas , Professor (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland); Muche-Borowski , Cathleen , Dr. (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland)
 
Shortcut: SYM-02
Datum: Freitag, 17. September 2021, 8:30 - 10:00
Raum: Audimax Hörsaal 2 ,Audimax Hörsaal 2
Sessiontyp: Symposium

Abstract

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8:30 SYM-02-01

Aktualisierung der DEGAM S3 Leitlinie „akuter und chronischer Husten“ Was gibts Neues? (#299)

K. Krüger1, S. Gehrke-Beck1, C. Heintze1, F. Holzinger1

1 Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund

Husten ist einer der häufigsten Beratungsanlässe in der hausärztlichen Praxis. Die DEGAM-S3-Leitlinie Nr. 11 „Akuter und chronischer Husten“ wurde aktualisiert und Anfang 2021 verabschiedet.

Fragestellung

Vor der Aktualisierung wurden zentrale klinische Leitfragen mit Fokus auf die hausärztliche Versorgung erarbeitet. Diese umfassten neben der evidenzbasierten Diagnostik und Therapie beim Symptom Husten auch die hausärztliche Beratung und das Vermeiden von Überversorgung.

Methoden

Es wurde eine systematische Literaturrecherche nach nationalen und internationalen Leitlinien und systematischen Reviews durchgeführt. Die Evidenz wurde nach AGREE und AMSTAR bewertet. Wenn aggregierter Evidenz zur Beantwortung einer Leitfrage nicht ausreichend war, wurden zusätzlich Primärstudien einbezogen. Für die aktualisierten Empfehlungen erfolgte eine strukturierte Konsensfindung mittels eines nominales Gruppenprozesses mit den anderen beteiligten Fachgesellschaften im Rahmen einer online-Konsensukonferenz.

Ergebnisse

In Bezug auf die Differentialdiagnostik des akuten infektbedingten Hustens werden insbesondere Empfehlungen zu Kommunikations- und Verordnungsstrategien sowie Labordiagnostik mit dem Ziel einer Reduktion von unnötigen Antibiotikaverordnungen kritisch diskutiert. Zudem befasst sich die Leitlinie mit der strukturierten Abklärung und probatorischen Therapieansätzen eines chronischen Hustens sowie dem Umgang mit ungeklärtem und refraktärem chronischen Husten. Dabei ist die Patientenaufklärung und -edukation von großer Bedeutung, da die Evidenz für medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieansätze schwach ist.

Diskussion

Shared decision making, „delayed presciribing“ und Labordiagnostik können (ggf. auch kombiniert) dazu beitragen, unnötige Antibiotikatherapien bei akutem Husten weiter zu reduzieren. Beim chronischen Husten ist eine klar strukturierte Diagnostik inklusive probatorischer Therapien notwendig. Aufklärung und Beratung unterstützen das Management der Erkrankung. Bei unklar bleibendem und refraktärem Husten sollten die verfügbaren Therapieoptionen mit dem Patienten besprochen und potenzieller Nutzen und Schaden gegeneinander abgewogen werden.

Take Home Message für die Praxis

Die DEGAM-Leitlinie „Akuter und chronischer Husten“ hat eine hohe Relevanz für den primärärztlichen Alltag. Neben der Verminderung von Überversorgung durch unnötige Antibiotikagaben bei Infekten der oberen Atemwege wird auch eine mögliche Unterversorgung von langbestehendem chronischem Husten adressiert.

Stichwörter: Leitlinie, Husten, Evidenzbewertung, Antibiotic stewardship, Diffrentialdiagnostik
8:45 SYM-02-02

Hausärztliche Leitlinie „Multimedikation“ - Empfehlungen zum Umgang mit Multimedikation bei Erwachsenen und geriatrischen Patient*innen (S3-LL, AWMF-Register-Nr.: 053 – 043) (#308)

M. - S. Brueckle1, T. S. Dinh1, S. Harder4, J. Fessler5, J. Seffrin5, G. Vetter5, 1, S. Graafen5, S. Grenz5, M. Beyer1, M. Braun5, S. Meissl5, S. Reincke5, I. Schubert3, C. Muth2, 1

1 Goethe Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt, Deutschland
2 Universität Bielefeld, AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
3 Universität zu Köln, PMV forschungsgruppe, Köln, Deutschland
4 Goethe Universität, Institut für Klinische Pharmakologie, Frankfurt, Deutschland
5 Praxis für Allgemeinmedizin, Hessen, Deutschland

Hintergrund

2013 erschien die erste evidenzbasierte Leitlinie (AWMF-S2e-Niveau) „Multimedikation“. Im Rahmen der vorgesehenen Aktualisierung wurde zugleich ein Upgrade auf AWMF S3 Niveau geplant und im Rahmen des EVITA-Projekts (Evidenzbasiertes Multimedikations-Programm mit Implementierung in die Versorgungspraxis; Innovations-Fonds Fkz.: 01VSF16034) realisiert.

Fragestellung

Die Leitfragen, wie Hausärzt*innen die Arzneitherapie sicher handhaben können und was zu beachten ist, wenn Patient*innen mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen, wurde in zahlreiche Unterfragestellungen operationalisiert.

Methoden

Zur Festlegung der zu aktualisierenden Themenbereiche der Leitlinie erfolgte eine formale Priorisierung in Fokusgruppen mit 30 Hausärzt*innen, gefolgt von einem systematischen Leitlinienreview (SLR) nach internationalen Leitlinien zu Multimedikation und Multimorbidität und weiteren zielgerichteten Evidenzrecherchen nach systematischen Reviews. Unter Einbeziehung von Gastautor*innen zu den Themen ‚Deprescribing‘ (Universität Marburg) und Arzneimittelabgabe (Apotheker*innen) wurden von der Autorengruppe Zusammenfassungen von Evidenz und Rationale erstellt, der Medikationsprozess als zentrales Rahmenwerk der Leitlinie überarbeitet und Vorschläge für Empfehlungen entwickelt. Die Empfehlungen wurden unter Beteiligung relevanter medizinischer Fachgesellschaften, Einzelexpertinnen aus Pflege und Apotheke sowie eines geschulten Patientenvertreters in modifiziertem RAND-Appropriateness-Verfahren konsentiert. Die Leitlinie wurde in 12 Praxen von 15 Ärzt*innen formal bewertet und in 67 Erst- und 27 Folgekontakten zu Patient*innen getestet und von der DEGAM-SLK kommentiert.

Ergebnisse

Im SLR wurden 8 Leitlinien guter methodischer Qualität berücksichtigt; die extrahierten Daten aggregiert (Abb.1) sowie 48 systematische Reviews eingeschlossen. In der Leitlinie wurden 34 Empfehlungen formuliert. Im Praxistest bewerteten 58% die Leitlinie als zu lang, 92% würden sie Kolleg*innen weiterempfehlen. Bei 57% der Erstkontakte wurden durch Leitlinienanwendung Probleme identifiziert, bei 49% Medikationsänderungen vorgenommen. Bei 56% der Folgekontakte berichteten Patient*innen eine subjektive Besserung.

Diskussion

Die Leitlinie wurde in einem ressourcenaufwändigen Prozess aktualisiert, Strategien der Implementierung sind jetzt zu erproben.

Take Home Message für die Praxis

Multimedikation sollte mindestens jährlich systematisch überprüft werden. Diese Leitlinie bietet vielerlei Möglichkeiten und Hilfestellungen, in einem vorausschauend geplanten Prozess unter Berücksichtigung von Patientenpräferenzen und gemeinsam abgestimmten Therapiezielen die Multimedikation anzupassen und kontinuierlich zu überwachen.

Stichwörter: Leitlinie, Multimedikation, Multimorbidität, Ältere Menschen, Patientenpräferenzen
9:00 SYM-02-03

Gicht: Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung

H. Prautzsch

Deutschland

9:15 SYM-02-04

Long-Covid: Hausärztlicher Part der interdisziplinären Leitlinie

T. Maibaum

Deutschland