DEGAM 2021
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Kontinuität in der medizinischen Versorgung von Patient*innen an der Schnittstelle Hausarztpraxis und Krankenhaus (Live)

Moderatoren: van den Akker , Marjan , Professor (Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland); Forstner , Johanna , (Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland)
 
Shortcut: SYM-01
Datum: Donnerstag, 16. September 2021, 16:45 - 18:15
Raum: Audimax Hörsaal 2 ,Audimax Hörsaal 2
Sessiontyp: Symposium

Abstract

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16:45 SYM-01-01

Verbesserung von Krankenhauseinweisungen und -entlassungen: Ergebnisse der Ergebnis- und Prozessevaluation des VESPEERA-Projekts (#193)

J. Forstner1, M. Pilz2, C. Straßner1, A. Weis1, N. Litke1, L. Uhlmann2, L. Wiezorreck1, F. Peters-Klimm1, F. Aluttis1, A. Baldauf1, M. Kiel1, M. Qreini1, P. Kaufmann-Kolle4, J. Schubert4, N. El-Kurd3, K. Tomaschko-Ubeländer3, S. Treffert3, R. Rück5, B. Handlos6, G. Karakas6, M. Wensing1, J. Szecsenyi1, 4

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Universitätsklinikum Heidelberg, Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
3 AOK Baden-Württemberg, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland
4 aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland
5 HÄVG Hausärztliche Vertragsgemeinschaft AG Regionaldirektion Süd, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland
6 Gesundheitstreffpunkt Mannheim e.V., Mannheim, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Krankenhausentlassungen stellen nach wie vor eine Herausforderung für die Patientenversorgung dar. Mehrkomponenteninterventionen, die zu verschiedenen Zeitpunkten rund um den Krankenhausaufenthalt ansetzen, können zur Verbesserung der Versorgung beitragen.

Fragestellung

Ziel des Projekts VESPEERA war die Entwicklung und Implementierung einer Mehrkomponentenintervention, um Hausarztpraxen und Krankenhäuser miteinander zu vernetzen und unter anderem Rehospitalisierungen zu vermeiden.

Methoden

Die VESPEERA-Intervention wurde in Hausarztpraxen und Krankenhäusern umgesetzt und richtete sich an über 18-Jährige Patient:innen mit Krankenhausaufenthalt, die an der hausarztzentrierten Versorgung der AOK Baden-Württemberg teilnehmen. Die Intervention wurde anhand diverser Strategien implementiert und in einem quasi-experimentellen kontrollierten Studiendesign evaluiert. Begleitet wurde das Projekt durch eine qualitative und quantitative Prozessevaluation, die unter anderem die Akzeptanz der Intervention sowie deren Wirkmechanismus explorierte.

Ergebnisse

VESPEERA wurde in 72 Hausarztpraxen und 7 Krankenhäusern in Baden-Württemberg umgesetzt. Es wurden 409 Patient:innen in die Studie eingeschlossen. Bezüglich einer Vielzahl der festgelegten Outcomes wurden für VESPEERA-Patient:innen im Vergleich zur Kontrollgruppe Vorteile beobachtet, auch wenn die Anzahl der Rehospitalisierungen nicht signifikant reduziert werden konnte. Die Prozessevaluation konnte zeigen, dass die Interventionskomponenten (insbesondere der Einweisungsbrief, das telefonisches Entlassgespräch mit der Hausarztpraxis, die Nachbetreuung durch die Hausarztpraxis und an die Patient:innen gerichtetes Informationsmaterial) unter den Beteiligten zwar auf Zustimmung stießen, im Implementierungsprozess jedoch Hindernisse auftraten.

Diskussion

Auch wenn u.a. aufgrund der eher geringen Fallzahlen die Wirksamkeit nicht signifikant nachgewiesen werden konnte, zeigte VESPEERA auf, dass zur Verbesserung der Versorgung der Patient:innen der Einbezug der Hausarztpraxen in ein erfolgreiches Einweisungs- und Entlassmanagement unerlässlich ist.

Aus der Prozessevaluation ergaben sich „Lessons Learned“, die für eine erfolgreiche Umsetzung im Praxisalltag herangezogen werden können.

Take Home Message für die Praxis

Der strukturierte Einbezug von Hausärzt:innen in die Abwicklung von Krankenhauseinweisungen und -entlassungen kann dazu beitragen, vermeidbare Rehospitalisierungen und Notfallbehandlungen zu reduzieren sowie einer Verzögerung der Weiterbehandlung vorzubeugen.

Stichwörter: Entlassmanagement, Rehospitalisierung, Einweisungsmanagement
17:07 SYM-01-02

Integration und inhaltliche Qualität arzneimittelbezogener Monitoringhinweise in einer retrospektiven Stichprobe von Entlassbriefen (#274)

B. Morath1, 2, 3, S. Klasing1, 3, T. Hoppe-Tichy1, 2, W. E. Haefeli1, 3, H. M. Seidling1, 3

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Kooperationseinheit Klinische Pharmazie, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Universitätsklinikum Heidelberg, Krankenhausapotheke, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
3 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach der Entlassung treten häufig aufgrund eines inadäquaten Monitorings der Arzneimitteltherapie auf und können mit Rehospitalisierungen assoziiert sein.

Fragestellung

Wie und mit welcher Qualität werden arzneimittelbezogene Monitoringhinweise in die Kommunikation mit den nachsorgenden Leistungserbringern integriert und welche Verbesserungspotentiale bei der Übergabe dieser Informationen können identifiziert werden.

Methoden

In einer Punktprävalenzanalyse wurden an 2 Tagen im Jahr 2016 alle Entlassbriefe von drei großen Kliniken eines Universitätsklinikums aus dem Krankenhausinformationssystem ausgelesen. Häufigkeit, Inhalt und Struktur von arzneimittelbezogenen Monitoringhinweisen wurden analysiert und mit dem theoretischen Bedarf entsprechend der Fachinformationen verglichen. Die inhaltliche Qualität der Monitoringhinweise wurde mit dem Systematic instructions for Monitoring (SIM)-Score im Vier-Augen-Prinzip bewertet.

Ergebnisse

Es wurden 154 Entlassbriefe analysiert, die 1180 Präparate mit 240 verschiedenen Wirkstoffen enthielten. In 40 Entlassbriefen (26,0 %) waren Monitoringhinweise aufgeführt, wobei insgesamt 66 Hinweise für 57 Präparate (4,8 %) mit 18 verschiedenen Parametern (z.B. Nierenfunktion (n=9), die Messung von Arzneimittelspiegel im Blut (n=7) oder die INR (n=6)) enthalten waren. Die Monitoringhinweise adressierten im Durchschnitt 1,9 ± 0,9 der 7 Kategorien des SIM-Scores, wobei insbesondere Gründe (86 %), die Häufigkeit (94 %) und das Management (83 %) häufig fehlten. In der Fachinformation wurde für 50,4 % der Arzneimittel ein Monitoring beschrieben.

Diskussion

Insgesamt waren für nur 5 % der verordneten Präparate arzneimittelbezogene Monitoringhinweise in den Entlassbriefen enthalten, obwohl ein theoretischer Bedarf für die Hälfte der Präparate besteht. Zusätzlich fehlten bei den Hinweisen wichtige inhaltliche Kategorien, die für ein optimales Therapie-Monitoring notwendig sind.

Take Home Message für die Praxis

Im Jahr 2016 wurden in der untersuchten Stichprobe Monitoringhinweise nur selten und unstrukturiert in Arztbriefe eingebunden. Aktuell erfolgt eine vergleichende Analyse mit Arztbriefen nach Einführung des Entlassmanagements, um zu prüfen, in wie weit die Umsetzung des Rahmenvertrags Entlassmanagements die Dokumentation von Monitoringhinweisen verbessert hat.

Stichwörter: Entlassmanagement, Transsektorale Kommunikation, Arzneimitteltherapiesicherheit, Monitoring
17:29 SYM-01-03

Multimedikation bei älteren Menschen an der Schnittstelle ambulanter und stationärer Versorgung – Studienprotokoll der Interventionsentwicklung der HYPERION-Studie (#26)

M. - S. Brueckle1, T. S. Dinh1, A. - A. Klein2, L. Rietschel2, K. Mergenthal1, J. Engler1, S. Schulz-Rothe1, F. Brosse2, J. Petermann2, K. Voigt2, M. van den Akker1

1 Goethe Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt, Deutschland
2 TU Dresden, Bereich für Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland

Hintergrund

Ältere Menschen mit Multimedikation und komplexen Versorgungsbedürfnissen stellen eine zentrale Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Insbesondere bei Krankenhauseinweisung und -entlassung entstehen Versorgungsprobleme durch mangelnde Informationskontinuität. Diese führen häufig zu medizinischen Fehlern, unangemessener Behandlung und Bedenken bei Patient*innen/Angehörigen.

Fragestellung

Wo liegen Probleme und Barrieren in der sektorenübergreifenden medikamentösen Versorgung von älteren Menschen mit Multimedikation aus Sicht der beteiligten Professionen und der betroffenen Menschen? Wie kann eine komplexe Intervention zur Lösung dieser Probleme und Barrieren aus Sicht der Beteiligten aussehen und implementiert werden?

Methoden

Es werden zunächst qualitative Experteninterviews mit jeweils etwa 4 Vertreter*innen relevanter beteiligter Gruppen (Krankenhaus: Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Apotheker*innen, Informatiker*innen; Ambulant: Allgemeinmediziner*innen, Medizinische Fachangestellte, Ambulante Pflegekräfte; Patient*innen, An- und Zugehörige) geführt. In anschließenden, partizipativen Workshops werden die Ergebnisse mit den Beteiligten diskutiert und Lösungsstrategien erarbeitet.

Ergebnisse

Aus den Experteninterviews erwarten wir die Beschreibung von Schwierigkeiten bei den Prozessen von Krankenhauseinweisung, -aufnahme, -aufenthalt und –entlassung. Sowie die Beschreibung von Barrieren bei der weiteren Versorgung der Betroffenen im Übergang in die Häuslichkeit (ggf. Versorgung durch ambulante Pflege) und bis zum nächsten Besuch bei oder von ihrem/r Hausärzt*in. In den Workshops erwarten wir im Austausch der unterschiedlichen Parteien die Entwicklung einer komplexen Intervention für die sich anschließende Pilotstudie.

Diskussion

Die partizipative Entwicklung der Intervention mit allen Stakeholdern ist Anspruch und zugleich Herausforderung. Erschwerend kommt in Zeiten der Corona-Pandemie hinzu, dass alle Interviews und Workshops online stattfinden. Besonders Ältere und Menschen mit fehlenden technischen Möglichkeiten können so ggf. nicht oder nur mit Unterstützung von An-/Zugehörigen an der Studie teilnehmen.

Take Home Message für die Praxis

Aus der Literatur ist im In- und Ausland die Problematik der Versorgung von älteren Menschen mit Multimedikation an den Sektorengrenzen bekannt. In unserer Studie wird eine partizipative Interventionsentwicklung und deren spätere Implementierung in Hausarztpraxen in Hessen und Sachsen im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie angestrebt.

Stichwörter: Multimedikation, Multimorbidität, Ältere Menschen, Transsektorale Versorgung, Interprofessionelle Zusammenarbeit
17:51 SYM-01-04

Medikamentenbezogener Informationsfluss bei Krankenhauseinweisungen und -entlassungen – Schwierigkeiten und Lösungsansätze aus Sicht von Beteiligten (#176)

A. - A. Klein1, T. S. Dinh2, L. Rietschel1, M. - S. Brueckle2, F. Brosse1, J. Petermann1, S. Schulz-Rothe2, K. Mergenthal2, J. Engler2, M. van den Akker2, K. Voigt1

1 Technische Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland
2 Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

An der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung kommt es vor allem bei Patient*innen mit komplexen Versorgungsbedürfnissen häufig zu einer unzureichenden Informationskontinuität bzgl. der Medikation. Dies kann zu vermeidbaren Schwierigkeiten und Komplikationen führen. In der explorativ angelegten Substudie 1 des Pilotprojekts HYPERION-TransCare werden Barrieren und wahrgenommene Veränderungsbedarfe in diesem Bereich erfasst und somit die Basis für die Entwicklung einer komplexen Intervention geschaffen.

Fragestellung

Welche medikamentenbezogenen Herausforderungen sehen beteiligte Gesundheitsprofessionen, Patient*innen und Angehörige an der Schnittstelle zwischen hausärztlicher und stationärer Versorgung? Welche Lösungsideen werden von den Beteiligten gesehen?

Methoden

Es wurden leitfadenbasierte Telefoninterviews mit verschiedenen Beteiligten (Haus- und Klinikärzt*innen, Pflegekräften, MFA, Klinikapotheker*innen, Klinikinformatiker, Patient*innen und Angehörigen) im ambulanten und stationären Setting geführt. Medikamentenbezogene Herausforderungen aber auch Lösungsideen an den intersektoralen Versorgungsschnittstellen wurden exploriert. Aufbauend auf den inhaltsanalytisch ausgewerteten Ergebnissen der Interviews finden mit den Beteiligten sieben digitale, extern moderierte Workshops statt. Es werden eine Problemanalyse und ‑priorisierung durchgeführt, konkrete Lösungsstrategien diskutiert sowie eine komplexe Intervention entwickelt.

Ergebnisse

In Telefoninterviews (n=32) wurden über die Phasen vor, während und nach einem Krankenhausaufenthalt eines Patienten verschiedene medikationsbezogene Herausforderungen benannt, die z.B. den Medikationsplan (fehlend, unvollständig, fehlerhaft, Selbstmedikation), den Informationsaustausch (schlechte Erreichbarkeiten, fehlende/unverständliche Dokumente, mangelnde Absprachen, unzureichende Patienteninformationen) und organisatorische Aspekte (kurzfristige Entlassungen, kurzfristige Änderungen der Medikation) betreffen. Erste Lösungsideen thematisieren z.B. die Einführung eines Einweisungsmanagements, die digitale Zentralisierung medikamentenbezogener Informationen oder eine bessere Patienteninformation. Wichtige Rahmenbedingungen sind z.B. knappe zeitliche Ressourcen.

Diskussion

Substudie 1 konnte, wie auch andere Studien im Vorfeld, weiterhin viele medikamentenbezogene Veränderungsbedarfe an der Schnittstelle Hausarztpraxis-Krankenhaus bestätigen. Existierende Lösungsansätze werden bisher unzureichend umgesetzt (z.B. Entlassmanagement, Bundeseinheitlicher Medikationsplan). Die entstehende Intervention soll diesen Herausforderungen begegnen und zu einer Verbesserung des intersektoralen Informationsaustausches zu Medikamenten beitragen.

Take Home Message für die Praxis

Medikamentenbezogene Herausforderungen an der Schnittstelle Hausarztpraxis-Krankenhaus bestehen weiterhin. Die Erfahrungen der Beteiligten werden genutzt, um eine Intervention zu entwickeln, die bereits vorhandene Lösungsansätze aufgreift.

Stichwörter: transsektorale Versorgung, Medikation, Informationskontinuität