DEGAM 2021
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Poster - Aus- und Weiterbildung

Moderatoren: Simmenroth , Anne , Prof. Dr. med. (Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland)
 
Shortcut: P-02
Datum: Freitag, 17. September 2021, 8:30 - 10:00
Raum: Container 058.300 Seminarraum 2
Sessiontyp: Poster

Abstract

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8:30 P-02-01

"Dieses Ungewisse und dieses 'noch mal ganz von vorne'" - Motive, Herausforderungen und Unterstützungbedarfe von Quereinsteigenden in die Allgemeinmedizin in Hessen (#39)

M. Farquharson1, M. Fast1, M. Fink1, M. Schwär1, M. Sennekamp1, F. M. Gerlach1

1 Goethe Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

In Hessen ist der Quereinstieg Allgemeinmedizin für Fachärzte/innen aus Fächern der unmittelbaren Patientenversorgung in zwei Jahren möglich. Eine Befragung unter den 151 Prüfungsabsolventen/innen in Hessen im Jahr 2020 (n=92, Rücklauf 61%) sowie interne Daten des Kompetenzzentrums Weiterbildung (KW) zeigen, dass der Anteil der Quereinsteigenden bei etwa 18-20% liegt. Daher und aufgrund ihres Potentials, dem Hausärztemangel zeiteffizient entgegenzuwirken, stellen Quereinsteigende eine relevante Zielgruppe für die bundesweiten KW dar.

Fragestellung

Was sind Motive und Herausforderungen von Quereinsteigenden in die Allgemeinmedizin und welche Unterstützungsbedarfe sind mit diesen verbunden?

Methoden

Im 2. / 3. Quartal 2020 wurden qualitative, teilstrukturierte Telefoninterviews geführt (n=6, 4 Frauen, Durchschnittsalter 44 Jahre). Um die Heterogenität im Feld der Quereinsteigenden abzubilden, wurden Personen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen befragt (Patton, 2002). Die Auswertung erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016) in MAXQDA.

Ergebnisse

Motive für den Quereinstieg sind u.a. Work-Life-Balance, Arbeitsbelastung der ursprünglichen Facharztrichtungen, berufliche Gestaltungsfreiheiten und die fachliche Vielfalt der Allgemeinmedizin. Herausforderungen sehen Quereinsteigende in der Weiterbildungsqualität, der neuen Rolle, finanziellen Einbußen, der fehlenden ambulanten Perspektive bzw. fachspezifischem Wissen oder der Bürokratie. Unterstützungsbedarfe liegen in der organisatorischen Begleitung sowie der Vermittlung ambulant-allgemeinmedizinischer Fachinhalte und Arbeitsweisen.

Diskussion

Quereinsteigende bringen Berufserfahrung und ein hohes Maß an Selbstorganisation mit. Es ließen sich zunächst keine fachspezifischen Bedarfe feststellen, was jedoch Gegenstand weiterer Untersuchungen sein sollte. Wohl aber verbindet alle befragten Quereinsteigenden ihre klinisch geprägte Arbeitsweise und ihr Fachwissen, das an die allgemeinmedizinische Tätigkeit angepasst werden muss. Dieser Schritt kann durch spezielle, auf diese Zielgruppe zugeschnittene Angebote unterstützt werden.

Take Home Message für die Praxis

Der Quereinstieg Allgemeinmedizin ist eine effektive Möglichkeit, dem Hausärztemangel zeiteffizient entgegenzuwirken, wobei Unterstützung in der organisatorischen Begleitung sowie der Vermittlung spezifischer allgemeinmedizinischer Fachinhalte und ambulanter Arbeitsweisen relevant ist.

Stichwörter: weiterbildung, quereinstieg, hessen, bedarfsanalyse, kompetenzzentrum
8:40 P-02-02

Interprofessionelles Lernen im digitalen Seminar – kann das gelingen? (#126)

L. Pauscher1, M. - S. Brückle2, A. Wunder1, M. Fink1, I. Lotter1, F. M. Gerlach2, M. Sennekamp1

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Die interprofessionelle Zusammenarbeit wird in komplexen Situationen, etwa bei Multimorbidität im Interesse einer guten und sicheren Patientenversorgung zunehmend wichtiger. Daher bietet das Kompetenzzentrum Weiterbildung (KW) Hessen seit 2018 ein gemeinsames, interprofessionelles Seminar für 4 bis 5 verschiedene Berufsgruppen an. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde – basierend auf dem bisherigen Präsenz-Seminar – ein Online-Seminar entwickelt und im März 2021 erstmals durchgeführt. Bei der Anpassung des Seminars stellte die Gestaltung und Aktivierung des interprofessionellen Austausches eine besondere Herausforderung dar.

Fragestellung

Wie kann ein interprofessionelles Seminar auch im Online-Format gelingen?

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus dem Online-Format?

Methoden

Basierend auf der wissenschaftlichen Literatur zur Gestaltung von Online-Seminaren und den bisher am KW Hessen gemachten Erfahrungen mit Online-Angeboten wurde die Veranstaltung für das Online-Format angepasst. Basierend auf den Evaluationsinstrumenten der Präsenzseminare wurde mittels Limesurvey eine Online-Evaluation entwickelt, bei welcher neun verschiedenen Aspekte mittels hexatomer Likertskala bzw. im offenen Format abgefragt wurden. Die Auswertung der quantitativen Elemente erfolgte mittels SPSS 25, die Auswertung der qualitativen Fragen durch induktive Kategorisierung.

Ergebnisse

Das Seminar fand mit 19 Teilnehmenden (7 Ärzte und Ärztinnen in Weiterbildung, 4 MFA, 3 Physiotherapeut*innen, 2 Pharmazeut*innen und 3 Psychotherapeut*innen) statt und wurde über alle Aspekte sehr gut evaluiert (Rücklauf 100%). Am besten wurden die Arbeitsatmosphäre (Mittelwert: 1,12,) und der kollegiale Austausch (Mittelwert: 1,22) bewertet, am relativ schlechtesten der Informationsgehalt (Mittelwert: 1,61). Nachteile aus Sicht der Teilnehmenden waren beispielsweise der fehlende persönliche Kontakt und eine schneller nachlassende Konzentrationsfähigkeit, Vorteile eine Zeit- und Kostenersparnis und dadurch eine bessere Vereinbarkeit mit dem Alltag.

Diskussion

Die in der Evaluation zum Ausdruck gebrachte sehr hohe Zufriedenheit mit der Online-Veranstaltung spricht für eine gelungene Seminaranpassung. Gegenstand weiterer Forschung sollte sein, ob sich dieser Trend auch in Zukunft, wenn wieder Präsenzveranstaltungen möglich sind, fortsetzt.

Take Home Message für die Praxis

Interprofessionelle Seminare und ein kollegialer Austausch können auch online gelingen.

Stichwörter: Weiterbildung zum Facharzt/Fachärztin für Allgemeinmedizin, Digitalisierung, interprofessionelles Lernen, digitale Lehrveranstaltung
8:50 P-02-03

Aus welchen Gründen wird bei der Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin die Mindestweiterbildungsdauer in aller Regel deutlich überschritten? (#137)

M. Fink1, A. Messemaker1, F. M. Gerlach1, I. Lotter1, M. Sennekamp1

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin/ Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Um dem sich abzeichnenden Hausarztmangel entgegenzuwirken, werden zahlreiche Anstrengungen unternommen. Während viele Maßnahmen (bspw. die sog. „Landarztquote“) darauf abzielen, die Anzahl zukünftiger Hausärzt*innen zu erhöhen, soll untersucht werden, ob und wie, jenseits von monetären Anreizen, eine Erhöhung der Versorgungskapazität mit der vorhandenen Anzahl an Ärzt*innen in Weiterbildung Allgemeinmedizin erreicht werden kann.

Fragestellung

Aus welchen Gründen wird bei der Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin die Mindestweiterbildungsdauer in aller Regel deutlich überschritten?

Welche Maßnahmen könnten geeignet sein, um die Weiterbildungsdauer zu verkürzen?

Methoden

Alle Absolvent*innen der Facharztprüfung Allgemeinmedizin in Hessen werden mittels eines am Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen entwickelten Fragebogens kontinuierlich befragt. Ziel dieser Studie ist es, Faktoren zu identifizieren, welche die Weiterbildungsdauer bzw. das – häufig vergleichsweise hohe – Alter der Befragten zum Zeitpunkt ihres Facharztabschlusses (er-)klären könnten.

Für das Kalenderjahr 2020 konnte eine Rücklaufquote von annähernd 61% erzielt werden (n = 92); die Rücklaufquote des Jahres 2021 liegt bisher auf vergleichbarem Niveau.

Ergebnisse

Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass vor allem die späte Entscheidung für bzw. der Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und darüber hinaus der Beruf der Partnerin/ des Partners, Elternschaft, sowie eine etwaig vor dem Studium absolvierte Ausbildung und die eigenen Zukunftsvorstellungen als mögliche Prädiktoren für die Weiterbildungsdauer bzw. das Alter bei Facharztabschluss herangezogen werden könnten.

Die Befragung wird kontinuierlich fortgesetzt. Um möglichst viele Fälle in die Betrachtungen einschließen zu können, werden die genauen Ergebnisse erst kurz vor dem Kongress ausgewertet und dort vorgestellt.

Diskussion

Die wenigsten Fachärzt*innen absolvieren ihre Facharztweiterbildung innerhalb der hierfür vorgesehenen zeitlichen Mindestdauer und stehen daher perspektivisch deutlich weniger Jahre als möglich wären für die eigenständige Versorgung von Patienten*innen zur Verfügung. Einige hierfür als ursächlich identifizierten Gründe müssen „hingenommen“ werden, an anderer Stelle könnte womöglich eine Optimierung gelingen.

Take Home Message für die Praxis

Die unentschlossenen Ärzt*innen in Weiterbildung/ Quereinsteigenden sollten unbedingt früher als bisher für die Allgemeinmedizin gewonnen werden.

Stichwörter: Weiterbildung, Quereinstieg, Weiterbildungsdauer
9:00 P-02-04

Longitudinale Lehrveranstaltung zum Thema Nikotinentwöhnung im Medizinstudium – Vom Erlernen der theoretischen Kenntnisse zur praktischen Umsetzung in der Lehrpraxis (#145)

J. Sudmann1, E. Tiedemann1, A. Kübler2, A. Simmenroth1

1 Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland
2 Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Psychologie, Würzburg, Bayern, Deutschland

Hintergrund

An der Universität Würzburg wurde bereits im Wintersemester 2018/19 eine 90-minütige Lehrveranstaltung zur Nikotinentwöhnung als Präsenz- oder E-Learning-Seminar im 6. Semester implementiert. In 2020 wurden weitere Bausteine ergänzt: eine Kurzinfo zur Raucherberatung im 9. Semester und die Beratung realer Patienten im 10. Semester im Blockpraktikum-Allgemeinmedizin (BPA).

Fragestellung

Wie wirkt sich der Besuch des Seminars langfristig auf das Beratungs-Wissen aus? Ist eine Nikotinentwöhnungsberatung im Rahmen des BPA machbar? Erhöht sich dadurch die subjektive Sicherheit der Studierenden?

Methoden

Im Sommersemester 2020 wurden Studierende des 9. Semesters, die regulär das Seminar zur Raucherberatung im Wintersemester 2018/19 besucht haben sollten, online bzgl. Wissen zur Nikotinentwöhnungsberatung befragt. Es folgten vertonte PowerPoint-Folien zur Raucherberatung (Kurzinfo).

Im Wintersemester 2020/21 im BPA sollten die Studierenden ein Nikotinentwöhnungsgespräch mit einem Patienten in der Lehrpraxis durchführen und ihre Erfahrungen und subjektive Sicherheit mittels Online-Befragung retrospektiv evaluieren.

Ergebnisse

In der Befragung des 9. Semesters (n=54, Rücklauf: 35%) schätzten Teilnehmende der Ursprungskohorte (n=35 von ursprünglich 130) im Vergleich zu Nicht-Teilnehmenden (n=19) ihr Wissen deutlich höher ein (p=0,016). Dabei spielte die zuvor besuchte Lehrform keine Rolle (p=0,963).

Im BPA führten 50% (n=57) der 114 Befragten (Rücklauf: 74%) eine Nikotinberatung mit einem Patienten durch, dabei stieg die Sicherheit, ein solches Gespräch zu führen, signifikant (p<0,001). Beratende Studierende beurteilten den Zugewinn an Fertigkeiten durch das BPA höher (p<0,001) und hielten es für wichtiger, Patienten zu ihrem Rauchverhalten zu beraten (p=0,048).

Diskussion

Unabhängig von der Lehrform scheint sich ein Seminar zur Raucherberatung langfristig positiv auf das Wissen auszuwirken. Für 50% war eine Nikotinentwöhnungsberatung im BPA machbar. Als Hinderungsgründe wurden fehlende Gelegenheiten und ungeeignete Patienten angegeben. Die Beratung eines Patienten in einer realen Situation erhöht die Beratungssicherheit.

Take Home Message für die Praxis

Eine longitudinale Lehrveranstaltung zur Nikotinentwöhnung sichert nachhaltig Wissen zur Raucherberatung. An deren Ende sollte die Umsetzung einer Raucherberatung in der Praxis angestrebt werden.

Stichwörter: Medizinstudium, Lehre, Nikotinentwöhnungsberatung, praktische Übung, reale Patienten
9:10 P-02-05

Was erwarten zukünftige Landärzt:innen vom Studium und der späteren Berufstätigkeit? Eine qualitative Studie unter Studierenden der Landarztquote in Rheinland-Pfalz (#152)

M. Breinbauer1, M. Jansky1

1 Universitätsmedizin Mainz, Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie, Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Hintergrund

Zum Wintersemester 2020/2021 wurde in Rheinland-Pfalz die Landarztquote für Medizinstudienplätze eingeführt. Damit soll die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen in Zukunft sichergestellt werden. An der Universitätsmedizin Mainz haben seitdem 26 Studierende ihr Medizinstudium über die Landarztquote begonnen.

Fragestellung

Ziel der Untersuchung ist es herauszufinden, welche Vorstellungen, Erwartungen und Ziele die Studierenden in Bezug auf ihr Studium und die zukünftige Tätigkeit als Landärzt:innen haben. Folgende Fragen stehen dabei im Fokus: Aus welcher Motivation heraus haben sich die Studierenden beworben, wie ist ihr Bild der landärztlichen Tätigkeit, welche Unterstützungen erhoffen sie sich und wie stellen sie sich den Weg zur eigenen Landarzt-Praxis vor?

Methoden

Für das geplante Forschungsvorhaben wird ein qualitatives Design in Form von leitfadengestützten Einzelinterviews gewählt. Eine Vollerhebung wird angestrebt. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und inhaltsanalytisch mit Hilfe der Software MAXQDA ausgewertet.

Ergebnisse

Während einer digitalen Begrüßungsveranstaltung konnten erste Erkenntnisse zur Motivation und den Vorerfahrungen der Studierende gewonnen werden. 13 von 19 Teilnehmer:innen haben dazu Angaben gemacht. Fast alle (12/13) können Vorerfahrungen im Gesundheitswesen vorweisen, vor allem im Bereich Pflege und Rettungsdienst. Als Motivation für die Bewerbung werden drei Hauptaspekte genannt: “Patienten über einen längeren Zeitraum begleiten zu können“, „die große Vielfalt der Tätigkeit“ sowie „die Versorgungsqualität auf dem Land zu verbessern“. Über die Hälfte der Studierenden kommt zudem selbst aus einer ländlichen Region.

Diskussion

Aus Studien zu Förderprogrammen der Landarztmedizin zeigt sich, dass sich die Studierenden schon zu Beginn des Studiums eine praxisorientierte Vermittlung allgemeinmedizinischer Inhalte wünschen. Bewährt hat sich dabei das Mentoring durch erfahrene Lehrärzt:innen. Zudem erhoffen sich die Studierenden eine gute Vorbereitung auf die spätere Niederlassung. In dem ersten informellen Gespräch mit den Mainzer Landarztstudierenden haben sich ähnliche Wünsche herauskristallisiert.

Take Home Message für die Praxis

Um die Lehr- und Unterstützungsangebote besser an die Bedürfnisse der Studierenden anpassen und weiterentwickeln zu können und ein gutes Begleitprogramm für zukünftige Kohorten zu schaffen, ist eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung notwendig.

Stichwörter: Landarztquote, Medizinstudium, Motivation, Berufserwartungen
9:20 P-02-06

Peer-Feedback für Lehrärzt*innen: Effekte auf die studentische Evaluation von Praktika (#168)

M. Pentzek1, S. Wilm1, E. Gummersbach1

1 Heinrich-Heine-Universität, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Eine von Studierenden und Lehrenden gewünschte Form der Stärkung der Allgemeinmedizin im Curriculum besteht in bereits früh im Studienverlauf stattfindenden Praktika in Hausarztpraxen. Ungefähr 2/3 der akademischen Lehrpraxen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf werden von den Studierenden dabei gut bis sehr gut bewertet, ca. 1/3 jedoch teils deutlich schlechter. Als wichtige Faktoren der studentischen Praktikumsbewertung gelten Art und Ausmaß des studentischen Patientenkontakts im Praktikum. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Lehrperformanz ist die Rückmeldung an Lehrärzt*innen durch eine*n erfahrene*n Kolleg*in auf Augenhöhe (Peer-Feedback).

Fragestellung

Verbessert Peer-Feedback für hausärztliche Lehrärzt*innen die studentische Evaluation von Praktika in bislang schlecht evaluierten Hausarztpraxen?

Methoden

Peer-Feedback für schlecht evaluierte Lehrärzt*innen durch eine praktisch tätige und lehr-erfahrene Hausärztin während eines Besuches in der Lehrpraxis; Vergleich der studentischen Evaluation der Lehrpraxen vor und nach Intervention durch unabhängige Studierenden-Stichproben über mehrere Semester (n=82 Studierende vor, n=78 Studierende nach Intervention); Multi-Level-Analysen mit der Clustervariable ‚Praxis‘.

Ergebnisse

In den 19 besuchten, zuvor schlecht evaluierten Praxen war die Anzahl persönlich durch die Studierenden betreuter Patient*innen nach dem Peer-Feedback höher als vor dem Peer-Feedback (nprä=7,0; npost=12,4; OR 1.41; 95% CI=1.21-1.64; p<.001). Auch unabhängig von diesem gesteigerten Patientenkontakt war die studentische Evaluation nach der Intervention signifikant positiver als vorher (OR=1.20; 95% CI=1.10-1.31; p<.001).

Diskussion

Die Limitationen eines prä-post-Vergleichs (z.B. die Regression zur Mitte) sind zu beachten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die studentische Bewertung einer Lehrpraxis über individuelle Rückmeldungen durch Kolleg*innen an schlecht evaluierte Lehrpraxen verbessert werden kann. Vermehrte Patientenkontakte allein können diesen Effekt nicht erklären.

Take Home Message für die Praxis

Gute Erfahrungen in Praktika können bei Studierenden das Interesse an der Allgemeinmedizin und am Hausarztberuf steigern. Es ist sinnvoll, den Beitrag eines Lehrarzt-Feedbacks zur Qualität der Praktika zu berücksichtigen.

Stichwörter: Hausarztpraktikum, Lehrärzt*innen, Feedback, Lehrevaluation, Lehrpraxis