DEGAM 2021
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One-Slide-Five-Minutes (Live)

Moderatoren: Herchenröder , Minettchen , Dr. rer. hum. biol. (Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland); Fink , Martin , Dipl.-Soz. (Institut für Allgemeinmedizin/Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, Frankfurt am Main, Deutschland)
 
Shortcut: OS-02
Datum: Donnerstag, 16. September 2021, 16:45 - 18:15
Raum: Audimax Seminarraum 4
Sessiontyp: One-Slide- Five-Minutes

Abstract

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16:45 OS-02-01

Wirksamkeit von Einlagen bei Erwachsenen mit Plattfuß: Eine systematische Übersichtsarbeit (#43)

M. Herchenröder1, D. Wilfing1, J. Steinhäuser1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland bekommen etwa 8% der Bevölkerung orthopädische Einlagen verordnet. Eine der häufigsten Indikationen ist die Behandlung von Plattfüßen. Einlagen sind das meist verordnete Hilfsmittel. Die Leistungsausgaben betragen derzeit 466,6 Millionen Euro pro Jahr und stehen an erster Stelle der Mehrkosten der Versorgungsfälle. Es gibt keine Checkliste als Orientierungshilfe für die Indikationsstellung einer Verordnung von orthopädischen Einlagen. Diese erfolgt daher von einem rein klinisch basierten Ansatz, digitaler Bewegungsanalyse, Kraftmessplatten bis hin zu radiologischen Untersuchungen oder 3D-CT-Scanner heterogen. Außerdem ist unklar, ob orthopädische Einlagen den gewünschten Effekt auf den Plattfuß haben.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Das Ziel dieses systematischen Reviews war es, Aussagen zur Wirksamkeit von Einlagen bei Erwachsenen mit Plattfuß zu extrahieren

Inhalt

Eine computergestützte Suche wurde im November 2020 in den Datenbanken PubMed, Scopus, Pedro, Cochrane Library und dem Cochrane Central Register of Controlled Trials durchgeführt. Eingeschlossen wurden Interventionsstudien jeglichen Designs, die die Wirkung von Einlagen bei Patienten mit Plattfüßen untersuchten. Fallstudien wurden ausgeschlossen. Insgesamt wurden 101 Studien identifiziert von denen letztendlich neun Studien den Einschlusskriterien entsprachen. Die Studien untersuchten vorgefertigte und individuell angefertigte Einlagen und evaluierten den Stand und den plantaren Druck während des Gehens. Die Studien haben allerdings eine schlechte methodische Qualität. Einige Studien geben zwar den Hinweis, dass Einlagen bei Plattfüßen helfen könnten, wir aber aufgrund der schlechten Berichterstattung und der methodischen Mängel keine Schlussfolgerungen ziehen können.

Take Home Message für die Praxis

Es gibt keine hochrangige Evidenz für die Wirkung von orthopädischen Einlagen bei Plattfuß bei Erwachsenen. Diese Übersichtsarbeit verdeutlicht die Wichtigkeit der Durchführung von randomisierten, kontrollierten Studien und der Weiterentwicklung von Leitlinien für die Verordnung von Schuheinlagen.

Stichwörter: Orthopädische Einlegesohlen, Schuheinlagen, Pes planus, Plattfüße, Erwachsene
16:53 OS-02-02

Reinfektion mit SARS-CoV-2 oder falsch-positives Ergebnis? (#116)

P. - C. Zeisler1, 2, H. - S. Zeisler2

1 Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Praxis Dr. Zeisler, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund

Seit über einem Jahr beeinflusst die Covid-19 Pandemie unser tägliches Leben und die Arbeit in der Allgemeinmedizinpraxis. Bisher sind Zweitinfektionen nach durchgemachter Infektion mit SARS-CoV-2 selten, so dass Ursachen der Zweitinfektion und deren Bedeutung noch nicht geklärt sind.
In diesem Fallbericht stellen wir eine mögliche Covid-19 Reinfektion in Deutschland vor und diskutieren den Umgang mit positiven PCR-Testergebnissen bei hohen Ct (cycle threshold)-Werten.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Sollte der Ct-Wert dem behandeden Arzt mitgeteilt werden und welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Sollten hohe Ct-Werte (> 35) noch als positiv gewertet werden oder besteht dabei die Gefahr, dass Personen, obwohl es nicht notwendig gewesen wäre, in Quarantäne geschickt werden und sich nach vermeintlicher Genesung in falscher Sicherheit wiegen? Anahnd eines Fallberichts soll die Möglichkeit einer Reinfektion, die Bedeutung des Ct-Wert sowie der Umgang mit hohen Ct-Werten diskutiert werden.

Inhalt

Fallbericht über einen 64-jährigen Heimbewohner, der erstmalig im April und erneut im Dezember 2020 mittels PCR-Rachenabstrich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dazwischen erfolgten mehrere negative Tests. Der erste positive Test erfolgte im Rahmen einer Testoffensive in Pflegeheimen durch das Gesundheitsamt. Der zweite positive Test erfolgte acht Monate später während eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Aspirationspneumonie.
Bei der ersten Testung betrug der Ct-Wert 39,63. Der Patient wurde in Quarantäne geschickt. Eine mögliche falsch-positive Testung wurde nicht in Betracht gezogen. Wir diskutieren den Stellwert des Ct-Werts bei der SARS-CoV-2-Testung sowie die Möglichkeit einer Reinfektion mit SARS-CoV-2.

Take Home Message für die Praxis

1) Reinfektion sind möglich - jedoch selten.
2) Ein positives PCR-Testergebnis sollte keineswegs das Gefühl von Sicherheit vor einer erneuten Infektion geben. Insbesondere bei hohen Ct-Werten sollten Patienten über die Möglichkeit eines falsch positiven Ergebnisses und der Möglichkeit einer Reinfektion informiert werden.
3) Die Anordnung der Quarantäne sollte aufgrund der vielfältigen psychischen, sozialen und beruflichen Folgen streng geprüft werden.
4) Weiterhin gilt, die besonders vulnerablen Gruppen zu schützen. Häufigere Sequenzierungen werden helfen, Ursachen und Zusammenhänge von Zweitinfektionen mit Covid-19 besser zu verstehen.

Stichwörter: Covid-19, SARS-CoV-2, Reinfektion, Ct-Wert
17:01 OS-02-03

Erleichterter Übergang in die eigene Niederlassung durch ein Praxisübergabe-/übernahme-Coaching? (#136)

M. Fink1, F. M. Gerlach1, I. Lotter1, M. Sennekamp1

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin/ Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Dem Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung Hessens ist zu entnehmen, dass mehr als ein Drittel der in Hessen vertragsärztlich tätigen Hausärzt*innen über 60 Jahre alt ist. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Nachbesetzungsproblematik ist darauf hinzuweisen, dass der Sachverständigenrat Gesundheit bereits 2014 in seinem Gutachten festgestellt hat, dass nur durchschnittlich jede*r zweite Hausärzt*in, der/die altersbedingt seine/ihre Praxistätigkeit beendet, eine*n Nachfolger*in findet.

Es erscheint daher folgerichtig, dass diejenigen Mediziner*innen, welche sich eine Fortführung dieser Praxen vorstellen können, hierbei nach Kräften unterstützt werden sollten. Im Rahmen der Tätigkeit des KW Hessen ist es aufgefallen, dass seitens der Teilnehmer*innen wiederholt von – scheinbar unvermittelt – gescheiterten Praxisübergaben berichtet wurde. Aus diesen Berichten ist der Gedanke entstanden, ein die Praxisübergabephase begleitendes Coaching für abgebende und übernehmende Ärzt*innen zu entwickeln und anzubieten.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Könnte es durch ein Praxisübergabe-/übernahme-Coaching gelingen, dass anberaumten Praxisübergaben aufgrund höherer Zufriedenheit beim Übergabe-/Übernahmeprozess der involvierten Akteure ein höherer Erfolg beschieden ist, als ohne eine solches, begleitendes, Coaching?

Könnte ein solches Coaching in Einzelfällen sogar dazu führen, dass Niederlassungen vorgezogen, evtl. sogar Niederlassungsabsichten bzw. Praxisübergabewünsche geweckt werden?

Falls ja, könnten vollständig aus- und weitergebildete Fachärzt*innen für Allgemeinmedizin hierdurch umfassender in die Patientenversorgung eingebunden werden.

Inhalt

Der zentrale Ansatz des Coachings ist es, durch eine individuelle Begleitung auf der kommunikativ-emotionalen Ebene das hohe Potential seitens der bestens ausgebildeten Fachärzt*innen in Anstellung bzw. ungewollter Teilzeitbeschäftigung für die Patientenversorgung – durch die Gewinnung für eine eigenständige Niederlassung – zu aktivieren.

Bei der Befragung aller erfolgreichen Absolvent*innen der Facharztprüfung Allgemeinmedizin des Jahres 2020 in Hessen (Rücklaufquote 60,9%, n=92) konnte eine hohe Coaching-Inanspruchnahmetendenz festgestellt werden: 38,6% der Befragten haben sogar angegeben, bei einer etwaigen Praxisübernahme ein solches Coaching „ganz sicher“ in Anspruch nehmen zu wollen.

Take Home Message für die Praxis

Ein Praxisübergabe-/übernahme-Coaching könnte eine innovative und vielversprechende Maßnahme zur Sicherung der ambulanten Gesundheitsversorgung sein und Ärzt*innen bei der Niederlassung unterstützen.

Stichwörter: Weiterbildung, Coaching, Niederlassung
17:09 OS-02-04

„In letzter Konsequenz geht es ja darum, häusliche Versorgungsstrukturen zu stabilisieren“: Ziele teilstationärer Angebote der hospizlich-palliativen Versorgung in Deutschland (#138)

H. A. A. Röwer1, F. A. Herbst1, S. Stiel1, N. Schneider1, B. Apolinarski1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland gehören stationäre Hospize und Palliativstationen zur etablierten hospizlich-palliativen Versorgungslandschaft. In den letzten Jahren entstehen als teilstationäre Angebote zunehmend mehr Tageshospize und palliativmedizinische Tageskliniken. Welche Versorgungslücke sie füllen, ist weitestgehend unbekannt.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Über explorative Interviews mit Einrichtungsleitungen (06.-07.2020) und eine deutschlandweite Befragung von Tageshospizen und palliativmedizinischen Tageskliniken (08.-10.2020) im Rahmen des Projektes ABPATITE (G-BA Förderkennzeichen 01VSF19034) soll erfasst werden, welche Ziele durch die Versorgung in teilstationären Einrichtungen verfolgt werden. Daraus kann abgeleitet werden, für welche Patientengruppen sich diese Versorgungsform insbesondere eignet.

Inhalt

Die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass grundsätzliches Ziel teilstationärer Einrichtungen ist, Betroffenen einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Dieses Ziel soll erreicht werden, indem Angehörige stunden- oder tageweise entlastet und vollstationäre Aufnahmen vermieden werden. Die Einrichtungsleitungen von Tageshospizen geben an, dies insbesondere durch psychosoziale Begleitung sowie Kontakt zu anderen Betroffenen zu ermöglichen. Gäste verbleiben dazu in 63 % der befragten Tageshospize (n=14) zwischen vier und acht Stunden am Tag, wobei keine Einrichtung eine kürzere Aufenthaltsdauer angibt. Für Tageskliniken berichten Einrichtungsleitungen, dass sie zur Zielerreichung insbesondere multiprofessionelle therapeutische und medizinische Maßnahmen anbieten, die wie beispielsweise invasive Eingriffe ambulant nicht umsetzbar wären.

In der Befragung gaben Einrichtungsleitungen an, dass Betroffene in Einzelfällen bis zu zwei Jahre in ihrer teilstationären Einrichtung versorgt werden. Als zentrale Voraussetzung zur Inanspruchnahme nennen Einrichtungsleitungen beider teilstationärer Versorgungsangebote in den Interviews die Teilmobilität.

Take Home Message für die Praxis

Teilstationäre hospizlich-palliative Versorgung kann frühzeitig bei Vorliegen einer nicht-heilbaren, lebensbegrenzenden Erkrankung in Betracht gezogen zu werden, um durch eine Stabilisierung häuslicher Versorgungsstrukturen einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Die vorausgesetzte Teilmobilität ist dabei als Mindestanforderung für die Inanspruchnahme zu sehen, damit Angebote umfassend genutzt werden können.

Stichwörter: Palliativversorgung, Hospizversorgung, teilstationäre Versorgung, Versorgungslücken, Palliativforschung
17:17 OS-02-05

Strategien zur Bewegungsmotivation bei chronischen Rückenschmerzen: ein systematisches Review (#164)

J. Heisig1, N. Lindner1, A. Viniol1, V. van der Wardt1

1 Philipps-Universität Marburg, Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Eine der effektivsten Therapien chronischen Rückenschmerzen zu begegnen ist die regelmäßige Bewegung. Die Hürde zur körperlichen Aktivität ist jedoch besonders hoch, wenn die Schmerzen als sehr intensiv und übermächtig erlebt werden, der Wunsch sich zu schonen ist dann besonders hoch. Auch haben viele Patient*innen Angst, dass die Schmerzen sich durch Bewegung verschlimmern könnten oder Verletzungen auftreten. Es gibt Aktivitäten gegen Schmerzen mit leichter (z.B. Spazieren gehen) oder mittelschwerer Intensität (z.B. Yoga, Thai Chi, Rückenschule, Schwimmen). Auch eine Kombination mit Schmerzmitteln kann den Einstieg in die körperliche Aktivität trotz Schmerzen erleichtern. Nach anfänglicher Besserung der Schmerzen sollten Menschen mit Rückenschmerzen weiter einer körperlichen Aktivität nachgehen, um einen erneuten Rückfall zu vermeiden. All diese Informationen gilt es im hausärztlichen Beratungsgespräch zu vermitteln. Wie aber kann dies Hausärzt*innen am besten gelingen?

Fragestellung / Diskussionspunkt

Welche Strategien helfen Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen sich langfristig regelmäßig zu bewegen?

Inhalt

Wir erstellten ein systematisches Review, mit Fokus auf Artikel, die randomisiert-kontrollierte Studien zur körperlichen Aktivität bei chronischen Rückenschmerzen beschreiben. Dafür wurden die Datenbanken Medline, Embase, PsycInfo, AMED (über Ovid) und Cinahl mit den Suchbegriffen „chronic pain“, „physical activity” und „adherence“ und deren Synonyme umfangreich durchsucht. Strategien, die ein Erhalten der körperlichen Aktivität unterstützen, wurden extrahiert und deren Effektivität bewertet. Miteinbezogen wurden zudem verschiedene Charakteristika der Studienteilnehmer*innen (z.B. Alter, sozialer Hintergrund, Ethnizität, Begleiterkrankungen, Schmerzintensität) und inwiefern sie die Motivation zur Bewegung beeinflussen. Wir führten die Ergebnisse anhand einer narrativen Synthese zusammen und analysierten das Risiko von systematischen Fehlern anhand der entsprechenden Cochrane Leitline. Erste Ergebnisse werden bis zum Kongress vorliegen.

Take Home Message für die Praxis

Um Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen zur regelmäßigen Bewegung zu motivieren, müssen neben konkreten Handlungsempfehlungen viele individuelle Aspekte und psychologische Faktoren miteinbezogen werden.

Stichwörter: Chronische Rückenschmerzen, Motivation, Bewegung
17:25 OS-02-06

Planung einer randomisierten, kontrollierten Studie zur Behandlung des akuten Gichtanfalls mit Prednisolon im Vergleich zu Colchicin in der hausärztlichen Versorgung (COPAGO) (#323)

J. Truthmann1, A. Richter2, I. Gágyor3, E. Hummers4, J. - F. Chenot1

1 Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine / Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland
2 Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine / SHIP-KEF, Greifswald, Deutschland
3 Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
4 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland

Hintergrund

Akute Gichtanfälle werden häufig in Hausarztpraxen behandelt. Die Behandlungsempfehlungen basieren auf Erfahrungen, denn es gibt nur wenige Studien mit wenigen Patient*innen aus spezialisierten Zentren. Die europäische Leitlinie der Rheumatologen (EULAR) empfiehlt eine Behandlung mit Colchicin. Colchicin besitzt im Gegensatz zu NSAR keine Kontraindikationen bei Patient*innen mit Diabetes mellitus und kardiovaskulären Erkrankungen. Aufgrund der engen therapeutischen Breite und Sicherheitsbedenken wird jedoch in der Leitlinie der DEGAM eine Behandlung mit Prednisolon favorisiert.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Die geplante Studie hat das Ziel die Effektivität von Colchicin und Prednisolon im hausärztlichen Setting zu vergleichen.

Inhalt

Die Studie wird in 60 Hausarztpraxen in Greifswald, Göttingen und Würzburg und Umgebung durchgeführt. Über einen Rekrutierungszeitraum von 2,5 Jahren sollen 314 Patient*innen eingeschlossen werden. Die Diagnose der akuten Gicht wird anhand des klinischen Erscheinungsbildes gestellt. Alle Patient*innen mit einem akuten Gichtanfall des Fußes oder der Hand, der in den letzten 24 Stunden begonnen hat, werden in die Studie eingeschlossen. Um Verzerrungen zu vermeiden werden die Teilnehmenden zufällig einer Behandlung zugeordnet. Die Dosierung erfolgt nach der Empfehlung der EULAR Leitlinie. Die Interventionsgruppe wird für 5 Tage mit je 30 mg Prednisolon behandelt. Die Kontrollgruppe erhält eine Behandlung mit niedrig dosiertem Colchicin (1,5 mg Colchicin am ersten Tag und vom zweiten bis zum fünften Tag je 1,0 mg Colchicin). Der primäre Endpunkt der Studie ist der stärkste Schmerz in den letzten 24 Stunden an Tag 4 gemessen mit einer 11-Punkt numerischen Ratingskala. Sekundäre Endpunkte sind Schwellung und Empfindsamkeit des Gelenkes, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Adhärenz und potentielle Nebenwirkungen. Die Patienten erhalten eine Untersuchung mit einem Dual-Energy-Computertomographie-Verfahren um die Gichtdiagnose ohne Gelenkpunktion zu bestätigen.

Take Home Message für die Praxis

Die Studie wird die Evidenz zur Behandlung des akuten Gichtanfalls verbessern und damit eine Forschungslücke schließen.

Stichwörter: RCT, akute Gicht, Prednisolon, Colchicin
17:33 OS-02-07

Neudefinition der Sonografie für die Weiterbildung zum Allgemeinarzt (#370)

L. Schmittdiel1

1 Bayerische Landesärztekammer, HausArzt, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Sonografie ist ein verpflichtender Bestandteil der Weiterbildung und Prüfung zum Allgemeinarzt. Es hat die Besonderheit, dass damit auch die kassenärztliche Zulassung zur Abrechnung entsprechender Organsysteme verknüpft sind. Entsprechend der alten WBO war eine fixierte Anzahl von durchgeführten Ultraschalluntersuchungen vorausgesetzt, um zur Prüfung wie auch zur Abrechnung zugelassen zu werden. Zusätzlich waren 200 Dopplersonografie vorgesehen, die aber nicht zur Abrechnung berechtigten.
In der neuen kompetenzorientierten WBO sind die Anforderungen bisher nicht definiert. Bei "definierte Untersuchungsmethoden" werden Sonografien des Abdomens, Urogenitaltraktes und Schilddrüse aufgeführt.
Gleichzeitig zeigt sich ein hoher technischer Fortschritt in der Sonografie und ein Preisverfall bei Sonografiegeräten im Allgemeinen und der Dopplersonografie im Speziellen. Die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten der neuen technischen Geräte kommt der Vielseitigkeit der Krankheitsbilder in einer Allgemeinarztpraxis entgegen.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Wie soll die Sonografie definiert werden, um sie möglichst vielseitig zu vermitteln und einzusetzen?

Wie kann der technische Fortschritt der Sonografie optimal für die Vielseitigkeit der allgemeinmedizinischen Krankheitsbilder eingesetzt werden?

Wie kann die Sonografie als verpflichtender Prüfungsinhalt kompetent geprüft werden?

Inhalt

In einer Ideenabstimmung zwischen dem Fachberatergremium Allgemeimmedizin der bayerischen Landesärztekammer und der kassenärztlichen Vereinigung Bayern sollen folgende Punkte umgesetzt werden..

  • Abwendung vom starren Organbezug
  • hin zum Nachweis vielseitiger sonografischer Kompetenzen
  • Nutzung aller technischen Neuerungen wie Frequenzmodulation oder Dopplersonografie
  • Prüfung durch webbasierte onlineprüfungen
  • Sonografische Komplexziffer

Take Home Message für die Praxis

Die neue Weiterbildungsordnung schafft die Möglichkeit, die Vielseitigkeit und  den technischen Fortschritt der Sonografie für die zukünftige Weiterbildung zum Allgemeinarzt zu nutzen.

Stichwörter: Weiterbildung, Sono, WBO