CZP 2021
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Wie verändern technische Innovationen Pflege?

Moderator*in: Hannah van Eickles
 
Kürzel: V-01
Datum: Donnerstag, 16. September 2021, 11:15 - 12:45
Raum: Track B
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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11:15 V-01-01

Potenziale der Telepflege in der pflegerischen Versorgung in Deutschland – Systematische Übersichtsarbeit und Delphi-Studie (#19)

E. Hahnel1, G. Braeseke1, S. Rieckhoff2, U. Pörschmann-Schreiber1, F. Engelmann1, H. Kulas3, M. Musfeldt4

1 IGES Institut Berlin, Bereich Pflege, Berlin, Berlin, Deutschland
2 IGES Institut Berlin, Bereich Evaluation und Versorgungsdesign, Berlin, Berlin, Deutschland
3 IGES Institut Berlin, Bereich Statistik, Berlin, Berlin, Deutschland
4 IGES Institut Berlin, Bereich Softwareentwicklung, Berlin, Deutschland

Diese Projekt wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert

Hintergrund/Fragestellung

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung besteht die große Herausforderung in der Pflege darin, die infolge des steigenden Pflegebedarfs wachsende Nachfrage nach professionellen Pflegeleistungen zu decken. Aktuell trägt die COVID-19-Pandemie dazu bei, Blockaden und Vorbehalte gegenüber einem verstärkten Technikeinsatz in der Pflege zu überwinden. Welche Potenziale Telepflege und deren konkreten Anwendungsbereiche in Deutschland hat wurde bislang nicht untersucht. Ziel der Studie war es, konkrete Einsatzmöglichkeiten für Telepflege in der ambulanten, teilstationären und stationären Langzeitpflege in Deutschland zu identifizieren sowie über eine Delphi-Studie Expertenmeinungen über Einsatzfähigkeit und Nutzen zu eruieren.

Methodik

Zur Identifikation von Anwendungsfeldern wurde eine systematische Literaturrecherche in bibliografischen Datenbanken und ergebnisbasiert eine drei-stufige Delphi-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden mittels deskriptiver Statistik ausgewertet.

Diskussion / Ergebnisse

Die Literaturrecherche erzielte 996 Treffer und 40 Publikationen für die Analyse. 59 Expertinnen/Experten nahmen an der Delphi-Studie mit einer Rücklaufquote von über 74% über die drei Befragungsrunden teil. In der Ergebnissynthese kristallisierten sich fünf Kategorien telepflegerischer Anwendungsfelder und konkrete Einsatzmöglichkeiten heraus. Einsatzfähigkeit und Nutzen wurden durch die Expertinnen/Experten überwiegend positiv bewertet.

Implikationen für die Praxis

Unter Betrachtung der aktuellen Entwicklungen, Rahmenbedingungen sowie des Standes der Technik in Deutschland wurden konkrete Voraussetzungen sowie Rahmenbedingungen erarbeitet, die die Verbreitung von Telepflege in Deutschland fördern können. Zudem wurden vielversprechende Handlungsfelder für telepflegerische Anwendungen identifiziert.

Stichwörter: Telepflege, Potenzial, Langzeitversorgung, Delphi-Studie
11:33 V-01-02

Strukturanalyse von Sorgenetzwerken älterer Menschen im Rahmen einer Anforderungsanalyse zu Assistenzrobotik in der häuslichen Umgebung (#55)

M. Krabbe1, Y. Gebhardt2, S. Meyer3, M. Hülsken-Giesler2

1 Youse GmbH, User-Centered Design, Berlin, Berlin, Deutschland
2 Universität Osnabrück, Institut für Gesundheitsforschung und Bildung Fachgebiet Pflegewissenschaft, Osnabrück, Niedersachsen, Deutschland
3 SIBIS Institut für Sozial- und Technikforschung GmbH, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Ein Großteil der häuslichen Pflege in Deutschland erfolgt durch Angehörige, zum Teil unterstützt durch ambulante Pflegedienste (Rothgang und Müller 2018). Im BMBF-Verbundprojekt MORPHIA wird ein mobiler Assistenzroboter für die häusliche Umgebung entwickelt und evaluiert, der mithilfe eines Videopräsenzsystems die Kommunikation und die Interaktion von älteren Menschen und ihrem Sorgenetzwerk, bestehend aus Angehörigen, Pflegefachpersonen und weiteren Helfenden unterstützt. Eine Strukturanalyse der Sorgenetzwerke wurde durchgeführt, um Unterstützungspotentiale durch die Assistenzrobotik zu identifizieren.

Methodik

Die Befragung erfolgte über ein im Projekt entwickeltes standardisiertes Instrument zur Erfassung von Sorgennetzwerkstrukturen. Insgesamt nahmen 35 Bewohner einer Service-Wohnanlage im Alter über 75 Jahren teil. Die Erfassung der Sorgenetzwerke erfolgte über die Beschreibung von bis zu 10 Personen aus dem persönlichen Umfeld, anhand verschiedener Kriterien, z.B. Art und Bewertung der Beziehung, räumliche Distanz sowie Art und Häufigkeit des Kontakts und erhaltene Unterstützung.

Diskussion / Ergebnisse

Die Größe der Sorgenetzwerke liegt im Median bei 4 Personen, mit hoher Varianz zwischen den Teilnehmenden. Die eigenen Kinder bilden die größte Personengruppe in den Sorgenetzwerken und leisten den Großteil der praktischen Unterstützung, welche teils auch von Pflegediensten übernommen wird. Zu weit entfernten Personen bestehen häufig enge Beziehungen, wobei emotionale Unterstützung hierbei meist telefonisch geleistet wird. Auch ggü. Videotelefonie wurde großteils eine positive Einstellung angegeben.

Implikationen für die Praxis

Da wichtige Personen im Netzwerk oftmals weit entfernt leben, kann eine einfach bedienbare videogestützte Kommunikation den Kontakt stärken und bestimmte Unterstützungsleistungen aus der Ferne ermöglichen. Es wird weiterhin geprüft, inwieweit der Assistenzroboter zur Entlastung der ambulanten Pflege beitragen kann.

Referenzen
[1] Rothgang, H, Müller, R 2018, ‘BARMER Pflegereport 2018’, Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 12, BARMER
Stichwörter: Verbundprojekt MORPHIA, Sorgenetzwerkanalyse, Kommunikation
11:51 V-01-03

XR SKILLS LAB – Mixed Reality Ansätze zum Skills-Training in gesundheitsbezogenen Studiengängen (#32)

B. Loessl1, C. Plotzky1, U. Lindwedel1, N. Friedrichs3, C. Kugler3, P. König2, C. Kunze1

1 Hochschule Furtwangen (HFU), Institut Mensch, Technik und Teilhabe (IMTT), Furtwangen, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Hochschule Furtwangen (HFU) / PPZ Freiburg, Institut Mensch, Technik und Teilhabe (IMTT), Furtwangen, Baden-Württemberg, Deutschland
3 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Pflegewissenschaft, Freiburg, Deutschland

Dr. Michael Meng; Nina Friedrich; Prof. Dr. Christiane Kugler Institut für Pflegewissenschaft Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Hintergrund/Fragestellung

Das praktische Training von Fertigkeiten (sog. Skills Training) spielt in der Pflegeausbildung eine bedeutende Rolle, um eine gute Versorgung und hohe Patientensicherheit zu gewährleisten. Angesichts der angespannten Personallage wird aber gerade die Praxisanleitung von Auszubildenden zunehmend zu einer Belastung im klinischen Alltag, und Tätigkeiten, wenn überhaupt, nur in geringerem Umfang demonstriert1, 2. Neben der zunehmenden Etablierung von Skills Labs als Lernform, könnte die Nutzung von Virtual Reality (VR) gestütztem Training eine Alternative für die Pflegeausbildung bieten. VR-Simulationen können orts- und zeitunabhängig durchgeführt werden und sind mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden3, 4.

Methodik

Im Rahmen unserer Studie wird die Effektivität von zwei unterschiedlichen VR-Simulationen zum Erlernen des endotrachealen Absaugens im Vergleich zu einem traditionellen Lernmodul (Vortrag und Demonstration) bei Auszubildenden in der Pflege und anderen Gesundheitsfachberufen (n ≥ 111) evaluiert. Mittels eines Mixed-Methods Ansatzes werden die Probanden mittels standardisierter Fragebögen zur Akzeptanz, Zufriedenheit und zur Präsenz befragt. Außerdem wird ein Wissenstest mit anschließender Fertigkeitsdemonstration an Simulationspuppen durchgeführt. Die Teilnehmenden werden zudem während der Simulation gefilmt (Lautes Denken) und in Fokusgruppen zu ihren Erfahrungen befragt (siehe Abb. 1).

Diskussion / Ergebnisse

Ab Ende April werden in den rekrutierten Schulen Daten erhoben. Erste Ergebnisse und Analysen werden bis August vorliegen.

Implikationen für die Praxis

Die Ausweitung von Skills-Labs durch Nutzung von digitalen Technologien ermöglicht, Tätigkeiten vorab zu erlernen und zu üben, was die Anleitung in der Praxis sowohl entlasten als auch ergänzen kann.  Auf diese Art können Unter- und Fehlversorgungen, Komplikationen und herausfordernde Situationen für Patient:innen und Angehörige vermindert oder vermieden werden, was somit insgesamt zu einer höheren Versorgungsqualität führt5.

Referenzen
[1] Brown, J. E. (2019). Graduate Nurses’ Perception of the Effect of Simulation on Reducing the Theory-Practice Gap. SAGE Open Nursing, 5. https://doi.org/10.1177/2377960819896963
[2] Oliveira, S.N. de, Prado, M.L. do, Kempfer, S.S. (2014). Use of simulations in nursing education: An integrative review. Revista Mineira de Enfermagem, 18(2),487-495. https://doi.org/10.5935/1415-2762.20140036
[3] Plotzky, C., Lindwedel-Reime, U., Bejan, A., König, P. & Kunze, C. (2020). Virtual Reality in Health Care Education: A Study about the Effects of Presence on Acceptance and Knowledge Improvement among Health Care Students. In R. Zender, D. Ifenthaler, T. Leonhardt & C. Schumacher (Eds.), DELFI 2020 – Die 18. Fachtagung
[4] Plotzky, C., Lindwedel, U., Sorber, M., Loessl, B., König, P., Kunze, C., Kugler, C. & Meng, M. (2021). Virtual reality simulations in nurse education: A systematic mapping review. Nurse Education Today, https://doi.org/10.1016/j.nedt.2021.104868.
[5] Lindwedel-Reime, U. & König, P. (2018). Wahrgenommene Belastungen professionell Pflegender in der außerklinischen Beatmungspflege. Welchen Einfluss hat die Technik? In S. Boll, A. Hein, W. Heuten & K. Wolf-Ostermann (Chairs), 1. Clusterkonferenz - Zukunft der Pflege, Oldenburg (pp. 142-147). bis Verlag
Abbildung 1: Studiendesign
Die beiden VR-Simulationen unterscheiden sich bezüglich der Anleitung und Ausführung des zu erlernenden Skills. In der VR high führen "Ghost Hands" den Ablauf inklusive der exakten Handbewegungen vor, was von den Probanden nachgeahmt wird. Die VR standard hingegen übt lediglich die korrekte Abfolge ein. 
Stichwörter: Skills Training, Pflegeausbildung, Virtual Reality (VR), Simulation, Gefördert im Rahmen des Gesundheitsforum Baden-Württemberg Förderzeitraum: 03/2020 - 03/2022 AZ 42-5400/70
12:09 V-01-04

Einsatz eines Informations- und Kommunikationstechnologie-basierten Mobilitätsassistenzsystem (Exergame) als nichtpharmazeutische Intervention und der Verlauf des Barthel-Index bei Menschen mit leichter bis mittlerer Demenz (#71)

S. Kuntz1, N. Lahmann1

1 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik für Geriatrie und Altersmedizin Forschungsgruppe Geriatrie - AG Pflegeforschung, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das Leben mit Demenz und den Folgen kann durch verschiedene Interventionen positiv beeinflusst werden. Im Rahmen des Projektes wurde ein Computerspielsystem entwickelt, dass auf die Bedürfnisse und kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Demenz ausgerichtet ist.
Fragestellung: Können Exergames für ein Bewegungstraining von Menschen mit Demenz genutzt werden, um die Aktivitäten des täglichen Lebens aufrecht zu erhalten?

Methodik

  • Multizentrische Interventionsstudie mit einem IKTbasierten Mobilitätsassistenzsystem für Menschen mit leichter bis mittlerer Demenz
  • 3 Messzeitpunkte in 3 Studienzentren, Intervention zwischen T1 und T2
  • Messung „Aktivitäten des täglichen Lebens“ mit BarthelIndex
  • Berechnungen: relative und absolute Häufigkeiten, t-Test für verbundene Stichproben

Diskussion / Ergebnisse

Das Durchschnittsalter lag bei 78.31 Jahre. 18 Frauen (mean age: 80.11±10.05) und 21 Männer (mean age: 76.76±7.44) nahmen teil. Der überwiegende Anteil der Teilnehmer*innen hatten Pflegegrad 2 (35.9%) und Pflegegrad 3 (33.3%).
Die Items Treppensteigen, Stuhlkontrolle, Baden/Duschen und Sich Waschen zeigen zunächst eine Abnahme der durchschnittlichen Mittelwerte von T0 zu T1 (z.B. Treppensteigen T0=7.44±3.78 / T1=6.92±3.56; Baden/Duschen T0=3.21 ±2.43 / T1=2.56±2.53). Nach der Intervention (T2) stiegen die Mittelwerte bei allen vier Items wieder an. Betrachtet man den gesamten Barthel-Score, so zeigte sich eine Abnahme des Summenwertes im ambulanten Setting und eine Zunahme im langzeitstationären Bereich.

Implikationen für die Praxis

Bewegungsfördernde Technologien für Menschen mit Demenz werden akzeptiert und lassen sich allein oder in der Gruppe durchführen. Die Studienerfahrungen haben jedoch gezeigt, dass die Durchführung eines virtuellen Spazierganges durch den Wald, zur Frühjahrs- oder Sommerzeit in der „realen“ Welt vorgezogen wird, was die geringe Spieldauer erklären lässt. Diesbezüglich lassen sich auch keine statistisch signifikanten Ergebnisse in Bezug auf die Verbesserung der Selbstpflegefähigkeit aufzeigen.

Abbildung 1
Differenzen Mittelwerte des Barthel-Summenscores unterteilt in ambulantes und stationäres Setting 
Stichwörter: Demenz, Exergames, Barthel-Index, MobiAssist

Projektpartnerschaft: